Mo, 21. Mai 2018

Will nicht ausziehen

20.09.2011 16:23

Italien: Elternpaar setzt Rechtsanwalt auf Nesthocker an

Unter dem Druck der Wirtschaftskrise, der zunehmenden Arbeitslosigkeit und der hohen Mieten wächst in Italien die Zahl der sogenannten "Mammoni" weiter an. Manche erweisen sich dabei als besonders hartnäckige Nesthocker. So hat etwa ein verzweifeltes Ehepaar in Venedig die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch genommen, um den immerhin schon 41 Jahre alten Spross aus dem Elternhaus zu treiben.

Trotz wiederholter Appelle der Eltern, sich eine eigene Wohnung zu suchen, weigert sich der 41-Jährige, das Elternhaus zu verlassen. Der Mann lebe mit seinen Eltern, obwohl er einem sicheren und gut bezahlten Job nachgehe, berichtet der Rechtsanwalts des Konsumentenschutzverbands Adico von Mestre.

Außerdem sei sein Verhalten gegenüber den Eltern aggressiv und respektlos. Der Anwalt rief den Mann dazu auf, in zehn Tagen das Elternhaus zu verlassen. Ansonsten werde er das Gericht von Venedig einschalten.

Das Phänomen "Mammoni"
"Hunderte Familien haben ein ungesundes Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern, die das Elternhaus nicht verlassen und oft die Eltern mit zunehmenden Forderungen belasten", sagt der Adico-Rechtsanwalt. Vor allem Männer haben Schwierigkeiten, das Elternhaus zu verlassen. 40 Prozent der Männer im Alter zwischen 30 und 34 Jahren leben noch zu Hause. Das Phänomen der "Mammoni", der Muttersöhne, ist Gegenstand lebhafter Diskussionen.

Auch Frauen bleiben gerne im "Hotel Mama"
Doch auch viele junge Frauen sind Nesthockerinnen, obwohl sie längst finanziell selbstständig sind. Viele leben bei Mama und Papa, obwohl sie eine Beschäftigung haben. Die "Nesthocker-Generation" sei ein Problem für die Entwicklung des Landes, warnen Demografen. Nicht nur Probleme bei der Suche nach Arbeit und einer Wohnung erschweren die Trennung von den Eltern, auch das zunehmende Desinteresse an der Ehe spiele dabei eine gewichtige Rolle.

Jugendliche am stärksten von Krise betroffen
Auch unter den beschäftigten Jugendlichen sei die Lage nicht rosig, da fast die Hälfte der Italiener zwischen 15 und 34 einen Beruf ausübt, der unter dem Niveau ihrer Ausbildung liegt. "Italien droht der Verlust einer ganzen Generation. Die Jugendlichen leiden am meisten unter der Krise", warnt die Soziologin Chiara Saraceno.

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