Mi, 23. Mai 2018

Alt gegen neu

20.09.2011 08:57

Kruzifix-Streit in Tirol: Schuldirektor tauschte Kreuze

In Nassereith in Tirol ist es Dorfgespräch Nummer eins: Der neue Volksschuldirektor ließ aus den Klassenzimmern die 60 Jahre alten, mächtigen Kruzifixe samt Christuskorpus entfernen, um sie durch "zeitgemäßere" Kreuze zu ersetzen. Dutzende Bürger beschwerten sich bei Bürgermeister Reinhold Falbesoner – auch er will die alten Kreuze zurück.

Erst einige Wochen ist Thomas Köhle neuer Volksschuldirektor im 2.000-Einwohner-Ort. Eine seiner ersten Amtshandlungen: Er ließ aus sechs Klassenzimmern die rund 1,50 Meter großen Kreuze samt leidendem Christus abmontieren. "Die mächtigen Kreuze samt dem geschundenen Körper waren einfach nicht mehr zeitgemäß. Und manche kleine Kinder kamen sogar zu mir und sagten, dass sie sich von diesem Lieben Gott fürchten", begründet Köhle im "Krone"-Gespräch diesen Schritt.

Der Volksschuldirektor ließ daraufhin von einem Tischler kleinere Kreuze aus Lärchenholz anfertigen, die mit den Namensschildern der Kinder bunt verziert sind. Dass er mit dem plötzlichen Kruzifix-Tausch im vielzitierten "Heiligen Land" an Tabus rütteln könnte, war dem Pädagogen vielleicht nicht bewusst. Und dass zumindest zwei der Kreuze von Franz Josef Kranewitter (1893 – 1974), einem berühmten Sohn des Orts stammen, dürfte die Aufregung nur noch verschlimmert haben.

Heftige Beschwerden beim Bürgermeister
"Bei mir haben sich bereits 20 bis 30 Nassereither gemeldet, die gegen die Entfernung der bisherigen Kreuze sind", berichtet Falbesoner. Auch er will die 60 Jahre alten Kruzifixe zurück: "Die Gemeinde wurde nicht gefragt. Ich finde es unklug vom Volksschuldirektor, gleich bei Amtsantritt in einen so sensiblen Bereich einzugreifen." Falbesoner will sogar den Gemeinderat mit der heiklen Angelegenheit befassen. Seine Haltung ist klar: "Die Kreuze sind seit 1953 in der Schule – und dort sollen sie bleiben." Derzeit sind die alten Kruzifixe im Gemeindehaus gelagert. Sollten sie nicht mehr in der Schule verwendet werden, könnten sie im Ortsmuseum landen.

Schuldirektor Köhle sieht übrigens Rückendeckung durch Pfarrer Josef Ahorn. Auch dieser sei einverstanden, die "wuchtigen" alten Kreuze auszusortieren. Der Pfarrer räumte jedoch ein: "Es geht mir nicht um die Größe der Kreuze, die ist nicht so wichtig. Aber bei den neuen Kruzifixen fehlt mir der Bezug zu Christus." Ahorn meint damit den fehlenden Christus-Korpus oder wenigstens die häufig gebrauchte Inschrift "I.N.R.I".

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