So, 27. Mai 2018

In London verhaftet

16.09.2011 16:42

UBS-Milliarden-Verzocker ist erst 31 Jahre alt

"Need a miracle" - "Brauche ein Wunder": So lautet der letzte Facebook-Eintrag von Kweku Adoboli (Bild). Seine Freunde mögen sich gewundert haben, was der 31-Jährige wohl damit meinte. Doch jetzt wissen sie es. Adoboli ist offenbar der Banker, der bei der Schweizer Großbank UBS heimlich zwei Milliarden Dollar verzockt hat. Nach seiner Festnahme in London wurde nun Anklage gegen ihn erhoben - und die Untersuchungshaft verhängt.

Aufgeflogen waren die Geschäfte des gebürtigen Ghanaers offenbar am Mittwochabend. Bereits am Donnerstagmorgen ging die Bank mit dem Skandal an die Öffentlichkeit, wenig später klickten die Handschellen für Adoboli. Er hatte offenbar interne Kontrolldefizite zum Zocken ausgenutzt und dabei eine so hohe Summe in den Sand gesetzt, dass sein Noch-Arbeitgeber in diesem Quartal negativ bilanzieren dürfte. Adobolis Vorgesetzter ist nach Angaben der "Financial Times" bereits von seinem Posten zurückgetreten.

Die UBS beschreibt den Milliarden-Verzocker als Mann "mit beträchtlicher krimineller Energie". Doch Adoboli war offenbar ausgesprochen beliebt. 419 Facebook-Freunde hatte der 31-Jährige laut dem Schweizer "Blick", mittlerweile ist sein Profil allerdings offline. Schon länger soll er mit seiner Freundin zusammen gewesen sein, einer Krankenschwester. Und auch Philip Octave, der dem Banker für 1.000 Pfund pro Woche eine Wohnung im beliebten Londoner Stadtteil Shoreditch vermietet hatte, weiß laut "Blick" nur Gutes über ihn zu berichten: "Er war ein sehr netter Kerl, sehr höflich. Und er war ein vorbildlicher Mieter."

Hobbyfotograf, Weinliebhaber, Milliarden-Verzocker
Freunde beschreiben Adoboli als Partylöwen, sein Facebook-Profil wies ihn laut Selbsteinschätzung als Liebhaber argentinischer Weine und als begeisterten Hobby-Fotografen aus. Im Internet und nach den Aussagen seiner Bekannten wirkt er eher wie ein völlig normaler 31-Jähriger und nicht wie ein Mann, der einen Banken-Riesen ins Wanken bringt und die Justiz beschäftigt.

Und auch Vater John kann offenbar nicht so recht glauben, dass sein John auf die schiefe Bahn geraten sein soll. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters macht er aus seiner Trauer keinen Hehl: "Ich bin untröstlich. Vielleicht hat er einfach einen Fehler gemacht. Oder er wird grundllos beschuldigt. Wir verfolgen sein Schicksal mit gebrochenem Herzen."

Nach Überzeugung des deutschen Bankenexperten Dirk Schiereck können Wertpapierhändler wie Adoboli solche Riesensummen allerdings nicht einfach nebenbei oder aus Versehen verzocken. "Das ist gar nicht so leicht, denn alle Banken haben in erheblichen Maße Instrumente eingebaut, um das zu verhindern. Es ist definitiv sicher, dass wir es hier wieder mit einem Fall von erheblicher krimineller Energie zu tun haben, sonst geht das gar nicht", sagt der Finanzexperte der Technischen Universität Darmstadt.

Moody's prüft nun UBS-Herabstufung
Unterdessen teilte die Ratingagentur Moody's mit, dass sie die Benotung der Kreditwürdigkeit der UBS überprüfen werde. Im Fokus des Checks steht der anhaltende Nachholbedarf der größten Schweizer Bank im Risikomanagement und bei der Kontrolle spekulativer Geschäfte. Hier sei das Institut schon seit Längerem schwach aufgestellt. Eine Abstufung trifft Banken, die wie die UBS am internationalen Kapitalmarkt aktiv sind, besonders hart, weil es für sie dann teurer wird, sich zu refinanzieren.

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