Sa, 26. Mai 2018

Wegen Staatsanleihen

09.09.2011 16:44

EZB-Schock: Chefvolkswirt Stark tritt zurück

EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt zurück. Die Europäische Zentralbank bestätigte am Freitag entsprechende Berichte der Nachrichtenagentur Reuters. Grund für Starks Abgang sei ein Zerwürfnis über die vor allem in Deutschland umstrittenen Staatsanleihen-Käufe der EZB, erfuhr Reuters von zwei Vertrauten des Bankers.

Stark gehört seit Monaten zu den heftigsten Kritikern der Staatsanleihenkäufe, mit denen die EZB seit Mai 2010 Problemländer wie Griechenland stützt. Die Amtszeit des 63-Jährigen wäre normalerweise erst Ende Mai 2014 zu Ende gewesen, dies möchte der Chefvolkswirt allerdings nicht mehr abwarten.

Anlässlich des Rücktritts würdigte der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Starks Engagement für die Währungsunion in den vergangenen Jahren. Insbesondere in seiner Zeit im Direktorium habe er sich "mit ganzem Herzen" für den Euro starkgemacht.

Rücktritt schickt Euro auf Talfahrt
Der Euro rutschte zwischenzeitlich unter die Marke von 1,37 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Ende Februar dieses Jahres. Damit verlor die Gemeinschaftswährung im Verlauf der Woche mehr als vier Cent.

Die EZB und die Euro-Zone trifft der Rückzug des promovierten Ökonomen in einer sehr labilen Phase. Ende Oktober muss zudem Präsident Trichet nach acht Jahren an der Spitze der Zentralbank turnusmäßig gehen. Nachfolger des Franzosen wird der Italiener Mario Draghi (siehe Infobox).

Asmussen wird Starks Nachfolger
Starks Nachfolger im sechsköpfigen EZB-Direktorium soll Finanz-Staatssekretär Jörg Asmussen werden, wie mit den Überlegungen vertraute Personen sagten. Auf jeden Fall soll der Posten erneut mit einem Deutschen besetzt werden, da die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone sonst in dem Gremium nicht mehr vertreten wäre. Die EZB teilte mit, Stark werde so lange im Amt bleiben, bis der Nachfolger feststehe. Das solle bis zum Ende des Jahres der Fall sein.

Asmussen wird nachgesagt, eine weiche geldpolitische Linie zu verfolgen. Er steht der SPD nahe und wurde dennoch wegen seiner im In- und Ausland hoch geachteten Expertise vom CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble nach dem Machtwechsel in Berlin im Amt gelassen. Gemeinsam mit anderen Wirtschaftsexperten hat er bei mehreren Bankenrettungen eine wichtige Rolle gespielt.

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