Mi, 17. Jänner 2018

Häuslbauerstudie '11

09.09.2011 10:14

Das ist uns beim Bauen wichtig

Bauen und Wohnen als (letzte) Verwirklichung des „eigenen Ichs“, ein deutliches Bekenntnis zum Energiesparen, wenn auch gepaart mit einigen Unsicherheiten, und nicht zuletzt die große Sorge um eine weitgehende Absicherung des Bauvorhabens, vor allem in finanzieller Hinsicht. Das sind einige der wichtigsten Trends und Ergebnisse aus der brandaktuellen Häuslbauerstudie 2011.

Die Häuslbauerstudie des renommierten market Institutes in Linz gilt seit rund 20 Jahren als eines der wichtigsten Trendbarometer im Bau- und auch Sanierungsbereich. Wobei der Begriff „Häuslbauer“ heute durchaus auch irreführend sein kann.

Selber bauen – oder bauen lassen?
Denn galten vor rund 20 Jahren noch diejenigen privaten Hausbauer, die mit „Ziegel für Ziegel und Stein für Stein“ eigenhändig ihr Traumhaus errichteten (und für die sich der Ausdruck „Häuslbauer“ eingebürgert hat) noch als eine der wichtigsten Zielgruppen im privaten Hausbausegment, so hat sich dies deutlich gewandelt: Der Trend zum Professionisten nimmt stark zu – nicht zuletzt aufgrund der immer umfangreicher werdenden Anforderungen an moderne umweltschonende und energiesparende Bauweisen.

Heute baut nur mehr ein Drittel das neue Heim überwiegend in Eigenregie, während immerhin 41 Prozent der Hausbauer sich zumindest den Rohbau aufstellen lassen und erst den Innenausbau dann selbst in Angriff nehmen. Ein Viertel schließlich überlässt lieber gleich von vornherein dem Baumeister oder Fertighaus-Anbieter die gesamte Durchführung und entschließt sich für eine „schlüsselfertige“ Bauweise.

Wohnen als „Bühne für das Ich“
Deutlich verstärkt hat sich der Trend, den Hausbau in erster Linie als Möglichkeit der Verwirklichung der eigenen Individualität zu verstehen. So sehen 71 Prozent der Hausbauer in der „Schaffung eines individuellen Wohnraums und der persönlichen Entfaltung“ das wichtigste Argument für das private Bauvorhaben.

„Die Umsetzung eigener Wohnvorstellungen ist heute sozusagen das letzte große Abenteuer für viele geworden. In Planung und Bestimmung der eigenen vier Wände wird noch ausreichend Spielraum gesehen, um die eigene Persönlichkeit, Wünsche und Vorstellungen auszuleben“, fasst Dr. Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer des market Institutes Linz, zusammen.

Frühere wichtige Entscheidungsargumente, wie etwa Bedarf an mehr Wohnraum durch Familienzuwachs, sind demgegenüber in den Hintergrund getreten und spielen nur noch bei rund der Hälfte der Hausbauer (zusätzlich) eine wichtige Rolle.

Dieser Trend zur Wohn-Individualität spiegelt sich auch im Kaufverhalten wider: Nach wie vor setzen die meisten Hausbauer auf Massivbauweise, ein Drittel entscheidet sich für ein Fertighaus. Bei dieser Bauvariante wird jedoch ebenfalls auf Individualität viel Wert gelegt. So kommt ein Typenhaus nur für 14 Prozent infrage, während 63 Prozent ein individuell geplantes Fertighaus bevorzugen würden, das ihren ganz persönlichen Vorstellungen entspricht.

Ohne Energiesparen geht gar nichts
Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Umwelt und Energie sowohl beim Hausbau als auch beim Renovieren ist nach wie vor das Thema Nummer 1 – und gewinnt weiterhin an Bedeutung: 9 von 10 Bauinvolvierte sehen einen Bedeutungszugewinn für alternative, erneuerbare Energieformen. Zukünftig, so deren Einschätzung, werden v.a. Niedrigenergiehäuser, Solaranlagen und eine ökologische Bauweise eine immer größere Rolle spielen.

„Doch für viele ist das Energiethema gleichzeitig auch undurchschaubar. Viele der Hausbauer und Sanierer sind überinformiert. Die Komplexität der Technologien nimmt ständig zu und zurück bleibt eine wachsende Unsicherheit, wofür man sich letztlich entscheiden soll – und ob sich diese Investition auch für die Zukunft als richtig erweisen wird“, so Dr. Beutelmeyer.

Großer Traum, große Sorgen
Neben dem eigenen Haus als Verwirklichung der Persönlichkeit nimmt auch die ganz praktische Bedeutung der Immobilie als gesicherte Zukunftsvorsorge und als bleibender Wert stark zu.

Doch einhergehend mit dieser Überlegung wächst bei den Hausbauern gleichzeitig auch die Sorge, sich durch den Hausbau finanziell „zu übernehmen“. Auch die Frage, für welche Finanzierungsform man sich entscheiden soll, macht vielen künftigen Bauherrn zu schaffen. „Es handelt sich ja um eine langfristige Verschuldung. Naturgemäß spielen daher Überlegungen und auch Unsicherheiten – jüngstes Stichwort: Schweizer Franken! -, worauf man sich tatsächlich noch einlassen kann, eine gewichtige Rolle“, so Dr. Beutelmeyer.

Einen prominenten Platz auf der „Sorgenliste“ künftiger Bauherrn nehmen übrigens auch die Bedenken, dass durch „viele Arbeit auf der Baustelle keine Freizeit mehr bleibt“, ein.

Und schließlich bleibt noch die Befürchtung, dass sich das Bauvorhaben zeitlich und preislich anders entwickelt als geplant. Größtmögliche Sicherheit durch Fixpreise und Fixtermine ist also stärker denn je gefragt.

Weitere Bau-Trends 2011:

  • Internet: Legt kontinuierlich als wichtige Erst-Informationsquelle zu. Zusätzlich bringt das Internet eine „neue Transparenz im Baugeschehen“, etwa durch Erfahrungsaustausch mit anderen Hausbauern.
  • Wohngesundheit: Liegt mit 78 Prozent im Spitzenfeld der als wichtig angesehen Kriterien. Allerdings werden unter Wohngesundheit nicht nur gesunde Materialien und ein gutes Raumklima verstanden, sondern ganz stark auch die Lage und Qualität des Grundstücks (z.B. Sonnenlicht, Verkehrslage, gute Luft etc.) einbezogen.
  • „My home is my castle“: Generell ist ein Trend zu dickeren Wandstärken und massiven Materialien auch im Innenbereich zu sehen. Das eigene Haus wird zur „festen Burg“, wo die als immer unsicherer empfundene Außenwelt hinter dicken Mauern „ausgeschlossen“ wird.
  • Holz: Holz als Baustoff wird nicht nur im Westen Österreichs, sondern zunehmend auch im Osten als immer wichtiger erlebt.

Häuslbauerstudie 2011: Ergebnisse einer Face-to-face-Befragung unter 1.003 Bauinvolvierten; davon 506 Hausbauer und 497 Renovierer/Modernisierer. Erhebungszeitraum: 22. Juni bis 28. Juli 2011.

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