Do, 24. Mai 2018

9/11-Zeugin

06.09.2011 15:52

Wienerin war vor Ort: "Wir rannten und haben gebetet"

Nur wenige Hundert Meter vom New Yorker World Trade Center entfernt hat die Wienerin Eva-Maria Segur-Cabanac gearbeitet, als Terroristen die zwei Passagiermaschinen direkt in die Türme des Wahrzeichens steuerten. Die Juristin war damals in einer großen Anwaltskanzlei tätig, wohnte und arbeitete mitten im Big Apple. "Zuerst habe ich nicht realisiert, was da passiert ist", beschreibt sie ihre Eindrücke. "Auch die ersten Radiomeldungen waren sehr vage..."

Als kurz vor 9 Uhr Ortszeit Radio NPR berichtete, ein Flugzeug sei ins World Trade Center geflogen, formulierte der Sprecher die Nachricht noch sehr vorsichtig. "Ich glaube sogar, es wurde von einer kleinen Cessna-Maschine gesprochen. Das kann ich nicht beschwören, aber es zeigt, wie zurückhaltend er war", erinnerte sich die damals 25-Jährige. Dass es ein Terroranschlag war, wurde auch ihr erst klar, als die Nachricht kam, American Airlines Flug 77 sei ins Pentagon geflogen. Bis dahin wurden die Menschen sogar noch über Megafone dazu aufgefordert, in ihre Büros zurückzugehen.

"Überall weiße Brösel"
"Nach dem Einsturz des Südturms sind wir dann geflüchtet. Ich kann mich noch erinnern, wie überall weiße Brösel durch die Luft geflogen sind, wie der Rauch uns das Atmen erschwert hat. Wir sind gerannt und haben gebetet." Die junge Wienerin konnte zu einer Freundin flüchten, bei der sie zwei Wochen wohnte: "Meine Wohnung war gesperrt, sie war ja nur 400 Meter von der Unglücksstelle entfernt." Bei der Freundin konnte Segur sich sammeln und ihre Eltern anrufen.

Noch Wochen und Monate nach den Attentaten hatte Segur täglich Ground Zero besucht. Das sei ihr enorm wichtig gewesen, um die Erlebnisse zu verarbeiten. "Schließlich hatte ich schon befürchtet, ich geh jetzt drauf..."

"Solche Dinge können real passieren"
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass "solche Dinge real passieren können. Nicht nur in Science-Fiction-Filmen, sondern auch in der Wirklichkeit". Die Juristin, die eineinhalb Jahre nach den Attentaten nach Wien zurückkehrte und da seither als Anwältin arbeitet, ist froh, niemanden persönlich zu kennen, der am 11. September 2001 zu Schaden kam. "Das hat die Rückkehr in die Normalität deutlich erleichtert."

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