Di, 22. Mai 2018

Milliarden-Deal

31.08.2011 13:47

Russland schließt Arktis-Allianz mit US-Ölriese Exxon

Es ist ein überraschendes Geschäft, das Russlands Regierungschef Waldimir Putin am Dienstag verkündet hat: Der größte russische Ölkonzern Rosneft und der US-Energieriese ExxonMobil wollen künftig gemeinsam in der Arktis nach Energiereserven suchen. Die historische russisch-amerikanische Partnerschaft verspricht Milliardengewinne, birgt aber auch große Herausforderungen.

Nachdem eine geplante Allianz mit dem britischen Ölriesen BP im Mai geplatzt war und Royal Dutch Shell eine Einladung von Regierungschef Wladimir Putin zu einer Arktis-Partnerschaft mit Rosneft ausschlug, klappte es nun mit dem US-Unternehmen. Einen Vertrag hätten die Chefs beider Konzerne am Dienstag bereits unterzeichnet, teilte Putin in Sotschi am Schwarzen Meer mit. Russland bringt der Milliarden-Deal im Rennen um die Ölreserven einen entscheidenen Schritt vorwärts.

100 Milliarden Barrel Erdöl in der Arktis
In der Arktis lagern nach Ansicht eines US-Experten, dem Geologen Donald Gautier, 100 Milliarden Barrel Erdöl. Die Chancen seien gut, dass die Hälfte des Öls in leicht zugänglichen Feldern lagere. In der Arktis war es bisher nur sehr schwer möglich, Ölvorkommen aufzuspüren. Wegen des Klimawandels und dem damit verbundenen Schmelzen des Eises ist es mittlerweile aber etwas einfacher geworden, aufwendige Tiefseebohrungen in dieser Region zu wagen.

Das größte Hindernis bei der Förderung sind die umstrittenen Besitzverhältnisse. Kanada, Dänemark, Norwegen, Russland und die USA erheben Anspruch auf die in der Arktis lagernden Rohstoffe. Doch die Herausforderungen sind auch abseits der Besitzansprüche immens, denn die Russen haben gehörigen technischen Nachholbedarf.

Komplette Infrastuktur muss aufgebaut werden
Gegenwärtig gibt es keine einzige Offshore-Förderung vor der Nordküste des Landes. Im kommenden Jahr soll zwar die Plattform "Prirazlomnaya" (Bild) 60 Kilometer von der Küste entfernt den Betrieb aufnehmen. Doch weitere Projekte fehlen. In der extrem dünn besiedelten Region muss außerdem erst eine ganze Infrastruktur aufgebaut werden: Straßen, Flugplätze, Unterkünfte, Pipelines. Rosneft kann durch den Exxon-Deal hier auf dringend benötigtes Kapital hoffen. Dazu kommen massive technische Herausforderungen bei der Offshore-Förderung, trotz der vergleichsweise geringen Wassertiefen. Auch hier bringen die Amerikaner eine wichtige Mitgift in die Partnerschaft ein.

Das russisch-amerikanische Abkommen hat ein Volumen von 3,2 Milliarden Dollar (2,2 Milliarden Euro) und sieht die Erschließung von Vorkommen in der Karasee - einem Teil der Arktis - sowie im Schwarzen Meer vor. Zugleich öffnet die Zusammenarbeit mit ExxonMobil dem russischen Konzern einen langfristigen Zugang zu den Märkten in den USA und am Golf von Mexiko. Im Gegensatz zu der gescheiterten Allianz mit BP sieht die Vereinbarung aber keinen Aktien-Tausch vor.

Polarregion als riesiges Bergwerk
Umweltschützer warnen indessen vor einer wirtschaftlichen Ausbeutung der Polarregion. Sie befürchten, dass die Anrainerländer das Gebiet in ein "riesiges Bergwerk" verwandeln könnten - mit womöglich verheerenden Folgen für die Umwelt. Putin erklärte dazu nur, dass Russland bei der industriellen Ausbeutung den Naturschutz berücksichtigen wolle.

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