Di, 22. Mai 2018

53 Illegale entdeckt

31.08.2011 15:46

Wieder zwei große Schlepperfahrten aufgeflogen

Wieder sind in Österreich zwei große Schlepperfahrten aufgeflogen: In Wien und im Burgenland wurden innerhalb von 24 Stunden 53 Flüchtlinge entdeckt - darunter eine schwangere Frau, ein Baby und ein dreijähriges Kind. Binnen acht Tagen sind somit bereits fünf Illegalen-Transporte von der Exekutive aufgehalten worden.

Mittwoch früh verständigte ein Passant die Wiener Polizei, da er nahe dem Kuchelauer Hafen einer verdächtigen Gruppe fremdländischer Menschen begegnet war (siehe Bilder oben), die zum Teil barfuß und mit ihrem Hab und Gut in Plastiksackerln unterwegs war.

Die Polizisten hielten zunächst eine kleine Gruppe an, als plötzlich immer mehr Menschen zwischen den Sträuchern hervorkamen. Insgesamt waren es 35 Personen, darunter ein erst dreijähriges Kind. Die Flüchtlinge stammen aus Afghanistan, Indien und Pakistan. Sie seien müde, aber nach der Erstversorgung wohlauf, sagte Polizeisprecherin Manuela Vockner.

Bei der Kontrolle stellte sich heraus, dass ein 32-Jähriger und ein 16-Jähriger die Reisepässe und das gesamte Bargeld der übrigen Menschen bei sich hatten. Daher gehen die Ermittler davon aus, dass es sich um die Schlepper handelt. Wie die Flüchtlinge nach Wien gekommen sind, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

"Die Geschleppten hatten weder Wasser noch Nahrung"
Im Burgenland wurden bereits Dienstag früh 18 Menschen, darunter ein Baby sowie eine schwangere Frau, auf der A4 zusammengepfercht in einem Kastenwagen gefunden. Die Fahrt unter unmenschlichen Bedingungen, die bei Nickelsdorf kurz nach der Grenze zu Ungarn auf der Ostautobahn ein Ende gefunden hatte, dauerte gut vier Stunden.

"Die Geschleppten hatten weder Wasser noch Nahrung. Auch ihre Notdurft durften sie nicht verrichten", so ein Beamter des Landeskriminalamts Burgenland. "Das acht Monate alte Baby, ein Mädchen, und die schwangere Frau sind wohlauf. Ihnen und den 16 weiteren Personen geht es gut", versicherte der Polizist.

Man habe die Flüchtlinge, irakische und türkische Kurden, nach der stundenlangen Fahrt umgehend verpflegt. "Wie lange der ungarische Lenker tatsächlich mit ihnen unterwegs war, wissen wir nicht. Mit einem normalen Pkw müsste man mit etwa drei bis vier Stunden Fahrt rechnen", erklärte er.

Die Flüchtlinge habe man im Kastenwagen, einem älteren Fiat Ducato ohne Fenster, zusammengekauert und im Sitzen schlafend bei einer Routinekontrolle auf der Ostautobahn in Fahrtrichtung Wien im Laderaum entdeckt. "Das sind immer schlimme Zustände. Die Menschen bezahlen viel Geld und dann bekommen sie nicht einmal Wasser", meinte der Kriminalist.

Im diesem Fall wurden im Durchschnitt 2.000 bis 4.000 Euro an eine Schlepperbande bezahlt. Zielländer waren Österreich, Deutschland und die Schweiz. Nachdem sich die 18 Menschen in Subotica in Serbien getroffen hatten, wurden sie zunächst zu Fuß über eine grüne Grenze nach Ungarn gebracht. Dort mussten sie sich in den Kastenwagen zwängen.

Lenker wird in Untersuchungshaft genommen
Die Flüchtlinge wurden in die Grenzbezirksstelle Neusiedl am See gebracht. Dort sollen sie sich laut Auskunft der zuständigen Bezirkshauptmannschaft auch am frühen Mittwochnachmittag noch aufgehalten haben. Nähere Auskünfte konnte man zu diesem Fall nicht erteilen, die Amtshandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

"Der Schlepper aus Ungarn befindet sich derzeit noch bei uns im Landeskriminalamt und wird dann in die Justizanstalt Eisenstadt gebracht. Über ihn wird Untersuchungshaft verhängt", so der Beamte. Hinweise zu Hintermännern bzw. Mitgliedern der Schlepperbande gab es zunächst noch nicht. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Fünfter großer Schlepper-Fall binnen acht Tagen
Die beiden jüngsten Fälle miteingerechnet, sind somit in den vergangenen acht Tagen gleich fünf Menschenschmuggel-Versuche aufgeflogen. In Wien wurden am 23. August 70 Menschen aus Afghanistan, Pakistan und Bangladesch von der Polizei angehalten. Schlepper hatten die Flüchtlinge bei Temperaturen von mehr als 35 Grad im Schatten wie Ölsardinen in zwei Kastenwägen gestopft.

Die Wiener Exekutive entdeckte außerdem in dieser Woche, in der Nacht auf Montag, in einem griechischen Reisebus 30 Flüchtlinge aus Afghanistan, darunter auch Kinder. 22 waren in Hohlräumen unter der Bodenplatte versteckt.

Am selben Tag griffen Polizisten im Nordburgenland 30 Migranten aus Somalia auf. Skrupellose Schlepper hatten die Gruppe mit den Worten "Jetzt seid ihr in Wien" kurz nach der Grenzüberquerung ausgesetzt (Berichte siehe Infobox).

Schlepperbanden haben keine Skrupel
In den vergangenen Monaten hat das Schlepperunwesen Hochsaison gehabt. Täglich kommen im Durchschnitt 300 Migranten aus Ländern wie Afghanistan, Irak, Iran, Indien, Pakistan und Bangladesch über die Türkei in Griechenland an. "Athen ist derzeit die Hochburg der Schlepperorganisationen. Von Griechenland aus erfolgt die Weiterschleppung auf verschiedene Arten, meistens mit Bussen oder Autos", berichtete Oberst Gerald Tatzgern, Leiter des Büros für Schleppereibekämpfung im Bundeskriminalamt. Für Nationalitäten wie Somalia werden eher unübliche Routen gewählt - eben auch über Griechenland statt über Spanien und Italien.

Die Opfer von Schlepperbanden werden meist ausgebeutet und unter unmenschlichen Umständen transportiert, meist auf engem Raum zusammengepfercht und unzureichend versorgt. "Manchmal bekommen diese Leute für stundenlange Fahrten bloß eine PET-Flasche voll Wasser", sagte Tatzgern: "Oder noch schlimmer: ein zusammengebundenes Plastiksackerln mit Wasser."

Österreich als "erstes reiches Land der EU"
"Flüchtlinge zahlen den Banden rund 2.000 bis 3.000 Euro, damit sie nach Europa gebracht werden. Österreich ist ein Zielland und wird von den Schleppern als 'erstes reiche Land der EU' angepriesen. Die Beträge müssen durch Schwarzarbeit aufgebracht werden, verschuldete Migranten geraten in Abhängigkeit. Bei Einvernahmen stellte sich heraus, dass Frauen während der Transporte von Lenkern vergewaltigt wurden. Wenn sie sich nicht fügen wollten, drohten die Peiniger, die Familien der Betroffenen auszusetzen. "Diese Leute wissen nicht, worauf sie sich einlassen", so Tatzgern.

Die Weiterreisen von Griechenland erfolgen meist mit Bussen und Lkw, viele sind professionell umgebaut, damit möglichst viele Menschen versteckt werden können. "Für die Geschleppten ist das sehr gefährlich. Wenn etwa die Stromversorgung für die Luftzufuhr ausfällt, bekommen die Migranten keine Luft mehr. Und die Transporte auf engstem Raum dauernd bis zu 30 Stunden ohne Unterbrechung", so der Experte.

Großaufgriffe - wie die jüngsten Vorfälle - sind übrigens mit hohem Personalaufwand verbunden - nicht nur wegen der Ermittlungen der Polizei. Rettung, Mitarbeiter des psychosozialen Notdienstes, Dolmetscher und NGO versorgen und betreuen neben der Behörde die oft schwer gezeichneten Opfer.

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