Do, 22. Februar 2018

Konzern vs. Gründer

30.08.2011 14:36

Streit um Media-Saturn zum Teil entschärft

Der Streit zwischen dem deutschen Handelsriesen Metro und den Minderheitseigentümern der Media-Saturn-Gruppe, den Media-Markt-Gründern Erich Kellerhals und Leopold Stiefel, ist am Montag teilweise entschärft worden. Dennoch bremst die Auseinandersetzung weiterhin die Online-Offensive des größten europäischen Elektronikhändlers aus.

Bei einer Marathonsitzung der Anteilseigentümer im deutschen Ingolstadt hätten sich die Anteilseigener der Elektronik-Fachmarktkette auf eine Verlängerung des Vertrages über die Verwendung von Barmitteln bei Media-Saturn verständigt, hieß es am Dienstag aus Gesellschafterkreisen. Damit kann sich der Metro-Konzern weiterhin zu günstigen Konditionen überschüssige Mittel von Media-Saturn leihen, ohne auf Bankkredite zurückgreifen zu müssen.

Dieser sogenannte Cash-Pool beläuft sich angeblich auf ein Volumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Ein Sprecher von Kellerhals betonte, dass sich der Metro-Konzern in der Vereinbarung gleichzeitig verpflichtet habe, Media-Saturn bei Bedarf eine Kreditlinie von bis zu 450 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Ursprünglich wollte Kellerhals den Cash-Pool auf 25 Prozent der Barmittel begrenzen. Der Metro-Konzern wollte sich nicht zum Thema äußern.

Weiter Uneinigkeit über Internetausbau
Bei der Sitzung gab es allerdings weiterhin verhärtete Fronten. Kellerhals habe mit seinem Vetorecht den geplanten Kauf der kleinen Internetunternehmen IBood und Rebuy abgelehnt, hieß es am Dienstag aus dem Kreis der Gesellschafter. Metro prüfe nun andere Optionen, verlautete aus Konzernkreisen. Ob Metro die Start-up-Unternehmen selbst kaufen könnte, blieb offen.

Die Metro hält rund 75 Prozent an der Media-Saturn-Gruppe. Die Minderheitsaktionäre können aber mit ihrer Sperrminorität Entscheidungen blockieren. Jede Eröffnung eines neuen Marktes muss von der Versammlung genehmigt werden.

Gründer will Konzentration auf größere Übernahmen
Kellerhals hatte bereits vor der Sitzung deutlich gemacht, er lehne die Pläne zur Übernahme von IBood und Rebuy ab. "Media-Saturn soll sich nicht durch die Übernahme von kleinen Unternehmen verzetteln", sagte eine Person aus seinem Lager am Dienstag. Der Elektronikhändler solle sich auf die Übernahme des Onlineshops Redcoon konzentrieren. Das Unternehmen mit knapp 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 350 Millionen Euro soll die Internet-Offensive von Media-Saturn flankieren.

Metro will auch kleinere Unternehmen einbinden
Metro hatte sich dafür stark gemacht, den Online-Handel mit der niederländischen IBood und der deutschen Rebuy zu ergänzen. Mit Rebuy kooperiert Media-Saturn bereits. Rebuy tauscht gebrauchte Waren wie etwa Spielekonsolen gegen Gutscheine, die in den Elektronikmärkten umgesetzt werden können. Viele Kunden geben dabei mehr Geld aus, als ihnen gutgeschrieben wurde.

Lokale Märkte sträubten sich gegen Online-Ausbau
Das Online-Geschäft war bisher die Achillesferse von Media-Saturn. Das Unternehmen ist mit Märkten groß geworden und an rund 880 Standorten in Europa und Asien vertreten. Die Kette hatte lange mit einer Strategie für den Wachstumsmarkt Online-Handel gezögert - unter anderem hatten die örtlichen Geschäftsführer der Märkte gefürchtet, das Online-Geschäft könne ihnen das Wasser abgraben.

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