Mo, 19. Februar 2018

ISS in Gefahr?

31.08.2011 15:31

US-Experte warnt: Unbemannte ISS könnte abstürzen

Bei der US-Weltraumbehörde NASA herrscht zurzeit Krisenstimmung. Der Grund: Nach dem Aussetzen der russischen Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation ISS wegen des Absturzes einer "Sojus"-Trägerrakete befürchtet ein Experte im Falle einer möglichen Evakuierung den Verlust der über Jahre errichteten, millionenteuren Außenstation der Menschheit im Weltall.

Die Gefahr, die Raumstation zu verlieren, sei "nicht unerheblich höher", wenn sie unbemannt sei, warnte der ISS-Programmmanager bei der US-Raumfahrtbehörde NASA, Michael Suffredini. Er hatte am Montag berichtet, das das Aussetzen der russischen Versorgungsflüge nach dem Absturz einer "Sojus"-Trägerrakete samt dem Versorgungstransporter Progress M-12M eine Räumung der ISS nötig machen könnte.

Wenn die Ursache für die Fehlzündung der Trägerrakete nicht bis Mitte November gefunden werde, müssten erst alle Astronauten von der ISS zurück auf die Erde kommen, bevor eine neue Besatzung ihren Dienst antreten könne, erklärte Suffredini.

Zeitweise Verwaisung der ISS denkbar
Auch Russland hält inzwischen eine zeitweilige Verwaisung der ISS für möglich. Anders als NASA-Experte Suffredini sieht der Vizechef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Vitali Dawydow, in einem Übergang zu einem unbemannten ISS-Betrieb aber keine Gefahr.

"Vielleicht ist in Zukunft kein dauerhafter Aufenthalt von Kosmonauten in Erdnähe mehr nötig", sagte Dawydow bei einer Videokonferenz. Die Frage werde derzeit auch in Russland diskutiert. Vielleicht sei es notwendig, zu einer früheren Technik für zeitweilige Einsätze im All zurückzukehren. Dawydow wies außerdem Berichte zurück, wonach Russlands Raumfahrt in einer "Systemkrise" stecke. Die Gründe für die jüngsten Misserfolge lägen nicht in der Konstruktion oder Produktionsmängeln. Schuld seien vielmehr organisatorische Probleme.

Nachschub-Transporter abgestürzt
Ein Raumtransporter mit Nachschub für die ISS war am 24. August nach dem Start mit einer "Sojus"-Rakete nicht auf die korrekte Umlaufbahn gelangt und daraufhin abgestürzt (Bericht in der Infobox). Ein defekter Generator an einem der Triebwerke hatte den Absturz verursacht. Die Rakete der missglückten Mission verfügte nach russischen Angaben über den gleichen Motor wie jene "Sojus FG"-Rakete, die drei neue Raumfahrer zur ISS bringen soll.

Seit der Einmottung ihrer Spaceshuttle-Flotte im Juli ist die NASA für den Transport ihrer Astronauten zur ISS von Plätzen in den russischen "Sojus"-Kapseln abhängig. Von den derzeit sechs Astronauten an Bord der Station sind zwei Amerikaner. Die NASA hatte ihren Teil der ISS erst heuer fertiggestellt, durchgehend seit elf Jahren hat sie Raumfahrer auf ihr stationiert.

Sauerstoff bis Ende November
Sowohl von russischer als auch von amerikanischer Seite wurde aber betont, dass auf der ISS noch genügend Sauerstoff bis mindestens Ende November zur Verfügung stehe. Für die momentane Besatzung bestehe derzeit keine Gefahr, sagte Suffredini, der Abzug eines Teils oder der gesamten ISS-Crew hätte aber selbstverständlich Auswirkungen auf die Forschungsarbeiten.

Üblicherweise halten sich stets sechs Raumfahrer im Außenposten der Menschheit im All auf. Zurzeit sind es drei Russen, zwei Amerikaner und ein Japaner. Drei von ihnen sollten ursprünglich am 8. September die Raumstation ISS verlassen, nun sollen sie erst acht Tage später ihre Heimreise antreten.

Der Zeitplan zur Neubesetzung der ISS könnte sich womöglich aber noch weiter verzögern: Ein namentlich nicht genannter Vertreter der russischen Weltraumbehörde Roskosmos sagte der Nachrichtenagentur Interfax, bevor die Crew ersetzt werde, wolle man bis Dezember zunächst zwei unbemannte "Sojus"-Raketen ins All schicken.

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