Mi, 23. Mai 2018

100-Meter-Finale

28.08.2011 14:13

Fehlstart von Bolt - Landsmann Blake holt WM-Gold

Mit einer handfesten Überraschung hat am Sonntag das 100-m-Finale der Männer bei der Leichtathletik-WM in Daegu (Südkorea) geendet: Weltrekordler Usain Bolt produzierte einen Fehlstart, wurde disqualifiziert und verschenkte damit sicher scheinendes Gold. Der Titel ging in 9,92 Sekunden an seinen Landsmann, den Jamaikaner Yohan Blake. Der als erster beinamputierter Sportler bei einer WM teilnehmende Südafrikaner Oscar Pistorius qualifizierte sich unterdessen als Dritter seines Vorlaufs für das Halbfinale über 400 m.

Silber im 100-Meter-Finale holte sich Walter Dix aus den USA in 10,08 Sekunden, Bronze ging an Kim Collins (10,09) aus St. Kitts und Nevis. Der 35-jährige Collins - ältester WM-Medaillengewinner über 100 Meter - fühlte mit Bolt und sagte zur Null-Toleranz-Regel des Weltverbandes: "Das ist keine gute Regel. Die Leute kommen her, um Usain Bolt zu sehen. Dann dieser Fehlstart, das ist nicht schön." Jeder Fehlstart in den Sprint-Wettbewerben wird seit 1. Jänner 2010 mit einer sofortigen Disqualifikation geahndet.

Titeltraum zerplatzt am Start
Nach den Weltrekorden bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und der WM 2009 in Berlin hatte Bolt vor Daegu gesagt, er begnügte sich mit dem Titelgewinn. An einen Weltrekord von 9,58 werde er nicht heranreichen, aber starke Zeiten liefern könne er allemal. "Wenn ich einen guten Start erwische, werde ich mit Leichtigkeit gewinnen. Wenn ich in meinen Laufschritt hineinkomme, glaube ich nicht, dass mich jemand erwischen kann. Egal wie meine Form ist", hatte er posaunt. Aber er erwischte den Start nicht, er war zu früh.

Ohne den Jahresschnellsten, Bolts Landsmann Asafa Powell (9,78), und den US-Amerikaner Tyson Gay (heuer 9,79) schien es keinen Zweifel mehr an einem neuerlichen Triumph Bolts zu geben. Viele offerierten aber andere Gedanken. So gab der ob seiner Leistenzerrung am Boden zerstörte und frustrierte Powell zu bedenken: "Es wird nicht einfach, er ist nicht in der allerbesten Verfassung." Auch die Meinung des früheren Supersprinters Maurice Greene war dieser Tage eine gefragte: "Ich denke, es wird eine Überraschung geben", lautete die Antwort. Er sollte recht behalten.

Nach den US-Amerikanern Carl Lewis (1983, 1987, 1991) und Greene (1997, 1999, 2001) wäre Bolt der erst dritte Sprinter gewesen, der seinen 100-m-Titel bei Weltmeisterschaften erfolgreich verteidigt hätte. Das war sein großes Ziel. Über einen längeren Zeitraum an der Spitze zu sein und globale Goldmedaillen zu sammeln - bei WM und Olympia. Damit will er zur Legende werden. Doch dieser Status muss noch warten.

Beinamputierter Pistorius im 400-m-Halbfinale
Lange hat er darum gekämpft, am Sonntag ist sein Traum Wirklichkeit geworden: Oscar Pistorius (Bild 2 und 3) hat als erster beinamputierter Sportler an Leichtathletik-Weltmeisterschaften teilgenommen. Und es ist nicht sein einziger Auftritt in Daegu gewesen, denn der Südafrikaner qualifizierte sich über 400 m für das Halbfinale am Montag (13.00 Uhr MESZ). Für die Jubelrufe der Zuschauer bedankte er sich mit einer Verbeugung. Mit dem Hinweis auf den Respekt, den ihm die Konkurrenten entgegenbringen, beendete er die Fragen nach der Fairness.

Der Start von Pistorius ruft Kontroversen hervor. Ob die Carbon-Prothesen, die Hinterläufen von Raubkatzen nachempfunden sind, die Chancengleichheit aufheben und ihn bevorteilen, müssen Wissenschaftler klären. Haben sie auch schon, doch es gibt Studien und Gegenstudien. Zuletzt entschied der Oberste Gerichtshof für Pistorius, der das WM-Limit knackte und den Flug nach Südkorea buchte.

Pistorius zeigte auf der blauen Mondo-Bahn eine gute Leistung, in der letzten Kurve beschleunigte er noch einmal gewaltig, im Finish ließ er merklich nach. Gewollt oder ungewollt. Es reichte in seinem Vorlauf zu Platz drei und den direkten Aufstieg. "Jetzt bin ich müde und muss erst einmal runterkommen, entspannen, den Focus wieder finden und mit meinem Coach reden", sagte der 24-Jährige, der im Anschluss an die Stadionrunde einen Interview-Marathon zurücklegte.

Titelverteidiger Merrit läuft Jahresweltbestzeit
In 45,39 Sekunden markierte Pistorius die 14.-schnellste Zeit, Bester war der US-Amerikaner LaShawn Merritt in der Jahresweltbestzeit von 44,35. Der Titelverteidiger war mit seinem Rennen zufrieden: "Ich habe sehr hart dafür gearbeitet, damit das heute möglich war. Heute war es aber nicht hart. Ich schaue von Runde zu Runde", meinte er.

Die Athleten haben sich bisher zum Antreten von Pistorius nur freundlich geäußert. Vielleicht, weil sie in ihm nicht die große Konkurrenz sehen, oder weil er einfach ein netter Kerl ist, wie Merritt sagt: "Ich wünsche ihm das Beste. Er ist die Zeit gelaufen, um hier sein zu können. Er hat ein gutes Herz und ist eine große Persönlichkeit." Auch Pistorius will im Moment nur seiner großen Leidenschaft, dem Laufen, nachgehen. "Ich will jetzt die Diskussion über Fairness nicht führen. Von den anderen Läufern bekomme ich viel Respekt."

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