Mo, 19. Februar 2018

"Unbeschreiblich"

27.08.2011 17:16

Hunderte Leichen in Krankenhaus in Tripolis entdeckt

"Es herrscht ein unbeschreibliches Grauen", beschreibt ein Reporter von Channel 4 News, was er in einem Krankenhaus in der bis zuletzt umkämpften libyschen Hauptstadt Tripolis gesehen hat. Und ein BBC-Reporter sagt, es sei das "Erschreckendste", was er je gesehen habe. In den Zimmern und im Vorhof des Spitales türmen sich die Leichen - über 200 sollen es sein. Wo gestern noch gekämpft wurde, liegt heute Verwesungsgeruch über der Stadt. Das Grauen nach der Revolution.

Das betroffene Spital liegt im Stadtteil Abu Salim, dem letzten Viertel in Tripolis, das von den Rebellen erobert worden ist. Wie es heißt, hätten Ärzte und Schwestern das Krankenhaus beim Ausbruch der Kämpfe fluchtartig verlassen und die Patienten sich selbst überlassen. In der Folge hätten Gadafis Scharfschützen jeden erschossen, der versuchte, sich dem Krankenhaus zu nähern.

Mehrere Viertel liegen in Schutt und Asche
Die Rebellen haben gesiegt, aber sicher ist es in Tripolis noch immer nicht. Fast jeder hat eine Waffe, ganze Viertel liegen in Schutt und Asche, Rauchschwaden ziehen durch die Straßen - oder das, was von ihnen noch übrig ist.

In den verbliebenen Spitälern müssen Tausende Verletzte verarztet werden. Es gibt zwar viele freiwillige Helfer, doch es fehlt an ausgebildetem Personal, an Medikamenten und an medizinischem Material. Oft müssen Operationen verschoben oder unterbrochen werden, weil plötzlich der Strom ausfällt und kein Treibstoff mehr für die Generatoren zur Verfügung steht. Für Stunden liegt dann die ganze Stadt mit ihren knapp zwei Millionen Einwohnern im Dunkeln.

Wasser wird knapp in Tripolis
Wo keine Toten in den Straßen liegen, türmen sich stinkende Müllberge, die aufgrund der prekären Sicherheitslage von niemandem entsorgt werden. Bei 40 Grad im Schatten - und mehr. Und auch das Wasser wird knapp in Tripolis. Viele Leitungen bleiben trocken. Gerüchte gehen um, die Versorgung sei gekappt worden, weil befürchtet werde, Gadafi habe das Wasser vergiften lassen.

Für Brot müssen die Menschen vor den wenigen offenen Bäckereien in der brütenden Hitze Schlange stehen. Sonst aber gibt es kaum noch Lebensmittel, weil die Zufahrtsstraßen in die Hauptstadt immer noch unsicher sind und die meisten Geschäfte geschlossen haben.

Gadafi mit Erfolg vertrieben
Trotz allem aber herrscht Jubelstimmung in Tripolis. Denn auch wenn der Preis dafür noch so hoch ist - Gadafi wurde vertrieben. Letzten Gerüchten zufolge könnte er sich nach Algerien abgesetzt haben. Ob das aber stimmt, weiß niemand...

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