Di, 20. Februar 2018

Streit geht weiter

26.08.2011 18:54

Griechen-Bonds bereiten Politik und Anlegern Sorgen

Das hoch verschuldete Griechenland bleibt auch Ende der Woche im Fokus von Politik und Anlegern: Während die Renditen für zweijährige griechische Staatsanleihen ihren Höhenflug ungebremst fortsetzten, wollten Vertreter der Finanzministerien der 17 Euroländer noch am Freitag über das umstrittene Abkommen zwischen Finnen und Griechen über Kredithilfen gegen Sicherheiten beraten. Mit einem Brief an Dutzende Finanzminister hat Athen indessen den Startschuss für die geplante Teilumschuldung ihrer langlaufenden Bonds gegeben.

Im Streit der Euroländer um Extra-Sicherheiten für Finnland laufen die Gespräche seit Freitag weiter. Eine erste Vereinbarung war zuvor am Widerstand der Partner im Euro-Raum gescheitert. Die Kommission dränge darauf, dass so rasch wie möglich eine Lösung gefunden werde, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Noch am Freitag wollten Vertreter der Finanzministerien der 17 Euroländer darüber per Videokonferenz beraten, teilte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos mit. Finnland habe "voreilig öffentlich gemacht", dass es solche Gespräche und Vereinbarungen zwischen Athen und Helsinki gibt, sagte Venizelos.

Finnland beharrt weiter auf Sicherheiten
Finnland hatte nach Regierungsangaben mit Athen eine Extra-Sicherheit als Gegenleistung für seine Hilfskredite in Höhe von etwa einer Milliarde Euro ausgehandelt. Nach Medienberichten soll Athen etwa 20 Prozent dieser Summe an Finnland überweisen. Helsinki solle diese Gelder investieren. Mit den Zinsen soll dann angeblich die Finnland-Hilfe für Griechenland abgesichert werden. Dieses Extra-Pfand wird jedoch von den meisten Euroländern, darunter Deutschland, abgelehnt.

Die Sicherheiten seien aber eine "absolute Vorbedingung" für die Teilnahme Finnlands, sagte ein ranghoher Regierungsmitarbeiter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Der Beamte dementierte damit den Bericht einer Webseite, Finnland sei wegen des Drucks aus Deutschland von seinen Forderungen abgerückt.

Investoren befürchten Scheitern des Rettungspakets
Die Debatte um die Hinterlegung von Sicherheiten für griechische Kredithilfen setzt den Kursen griechischer Anleihen bereits seit Tagen zu. Investoren befürchten laut Händlern, dass die finnischen Garantieforderungen das zweite Rettungspaket für das europäische Sorgenkind zu Fall bringen könnten.

Nicht nur die Zinsen für zweijährige Staatspapiere strebten am Freitag weiter in astronomische Höhen, auch die Versicherungen gegen den Ausfall griechischer Staatsanleihen (Credit Default Swaps) legten erneut zu. Um eine Summe von zehn Millionen Euro abzusichern, mussten nach Angaben des Datenanbieters Markit 2,3 Millionen Euro gezahlt werden - 92.000 Euro mehr als am Donnerstag.

Startschuss für umstrittene Umschuldung
Die griechische Regierung bereitet indessen die vereinbarte Umschuldungsaktion für griechische Staatspapiere vor. Sie wandte sich weltweit an Finanzminister, um die Liste der Privatgläubiger griechischer langlaufender Staatsanleihen zusammenzustellen. In einem Dokument, das auf der Internetseite der Athener Börse veröffentlicht wurde, sind die Optionen für die Umtauschaktion aufgeführt.

Nach Angaben der griechischen Nachrichtenagentur AMNA wurde das Dokument an 60 Finanzminister der Länder geschickt, die griechische Staatsanleihen halten, darunter auch Österreichs Finanzministerin Maria Fekter. "Wir haben den Brief erhalten", bestätigte der Sprecher des Finanzministeriums, Harald Waiglein, am Freitag. Dieser sei an die Finanzmarktaufsicht (FMA) weitergeleitet worden, die für die Datenerhebung zuständig seien. Die österreichischen Finanzinstitute müssten nun bis Anfang September ihr Exposure in griechischen Staatspapieren melden.

Abschlag von 21 Prozent bei Anleihetausch
Athen peilt eine 90-prozentige Beteiligung an. Die Finanzinstitute sollen auf freiwilliger Basis ihre bis 2020 fälligen Papiere in neue Bonds mit einer Laufzeit von 15 bis 30 Jahren und niedrigerer Verzinsung tauschen. Der Anleihetausch bringt nach Berechnungen der Internationalen Bankenorganisation IIF einen Abschlag von 21 Prozent auf den aktuellen Kapitalwert mit sich.

Die EU-Kommission ist zuversichtlich, dass die milliardenschwere Beteiligung der Privatgläubiger am zweiten Griechenland-Hilfspaket tatsächlich zustande kommt. Es gebe eine "starke Mobilisierung" von Banken, Fonds oder Versicherungen, an dem Paket teilzunehmen, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Die Gespräche dauerten aber noch an.

"Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die angepeilten Ziele nicht erreicht werden", sagte der Sprecher. Der Gipfel der Euroländer hatte am 21. Juli beschlossen, dass die Privatgläubiger mit rund 50 Milliarden Euro im Boot sitzen. Eurostaaten und Internationaler Währungsfonds wollen ihrerseits zusammen 109 Milliarden Euro aufbringen.

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