Mi, 23. Mai 2018

Konzertierte Aktion

25.08.2011 21:55

Drei Euro-Staaten verlängern das Leerverkaufsverbot

Im Kampf gegen hochspekulative Börsengeschäfte haben Frankreich, Italien und Spanien am Donnerstag in einer konzertierten Aktion den Bann von Leerverkäufen von Finanzaktien, der am Montag ausgelaufen wäre, verlängert. Riskante Wetten auf den Kursverfall von Aktien von Banken und Versicherern bleiben somit vorerst untersagt. Die Regulierungsbehörden der drei Länder wollen mit dem Verbot den zeitweiligen Ausverkauf dieser Papiere stoppen.

Die Leerverkaufsverbote in den vier Ländern waren am 12. August verhängt worden, bis auf Belgien waren sie auf 15 Tage beschränkt worden. Aktien von BNP Paribas, Credit Agricole oder Societe Generale waren zuvor massiv unter Druck geraten. Seither ging die Talfahrt der Finanzwerte aber weiter. Der europäische Bankenindex verlor bis zum Donnerstag weitere 7,5 Prozent.

Experten zufolge werden Finanzwerte gerne als Vehikel für Spekulationen auf die Wirtschaftskraft eines Landes genutzt. Damit wirkten sie als Brandbeschleuniger in der Staatsschuldenkrise. Internationale Anleger können den Leerverkaufsverboten jedoch leicht ausweichen, indem sie andere Börsenplätze nutzen.

Deutschland sieht keinen Anlass für Verbot
Mit der nun erfolgten Verlängerung des Verbots dürfen geliehene Finanzaktien in Italien und Spanien bis Ende September nicht verkauft werden, in Frankreich bis auf Weiteres. Belgien hatte das Verbot von vornherein zeitlich nicht begrenzt. "Ziel ist es, das Verbot aufzuheben, sobald es die Umstände an den Märkten erlauben", erklärten die Regulierer. Das könne vor oder auch nach dem 30. September sein.

Die deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin erklärte hingegen, sie sehe keinen Anlass, das seit dem vergangenen Jahr in Deutschland geltende Verbot von ungedeckten Leerverkäufen - bei denen sich der Spekulant die verkauften Papiere nicht einmal geliehen hat - auf normale Leerverkäufe auszuweiten.

Auch das deutsche Finanzministerium erklärte, es gebe keine solchen Pläne. Dennoch drückten Händlern zufolge Spekulationen über einen solchen Schritt den DAX deutlich ins Minus. Deutschland hatte alle Leerverkäufe auf Bankaktien in der Finanzkrise vorübergehend ebenfalls untersagt, nachdem die Werte stark unter Druck gekommen waren.

Notfalls müssen Euro-Länder vorpreschen
Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sprach sich auf einer Finanzmarktkonferenz der Wochenzeitung "Die Zeit" für Alleingänge bei der Marktregulierung aus, um den Auswüchsen des ungehemmten Finanzkapitalismus zu begegnen. "Wir brauchen mehr Grenzen und mehr Regeln." Er habe das Leerverkaufsverbot für Deutschland allein verfügt, weil ihm die Entscheidungen in Europa zu langsam vonstatten gegangen seien. Damals sei er von der französischen Finanzministerin noch kritisiert worden. Er setze auf eine Vorbildwirkung.

"Wir müssen vorangehen. Wenn einer vorangeht, dann werden die anderen auch nachkommen", sagte Schäuble in Frankfurt. Das gelte auch für die geplante Transaktionssteuer auf alle Börsengeschäfte, die weltweit nicht durchsetzbar sei. "Im Rahmen der G20 kriegen wir es auf absehbare Zeit nicht hin." Notfalls müssten die Euro-Länder vorpreschen. Banken und Börsenbetreiber warnen davor, dass die Anleger dann umgehend auf Börsenplätze wie London oder Singapur ausweichen dürften.

Verbot in Österreich verlängert
In Österreich hatte die Finanzmarktaufsicht das befristete Verbot für ungedeckte Leerverkäufe am Kassamarkt für österreichische Finanztitel im Mai bis 30. November 2011 verlängert. Betroffen sind Aktien der Erste Group Bank AG, der Raiffeisen Bank International AG, der UNIQA Versicherungen AG und der Vienna Insurance Group Wiener Städtische Versicherung AG. Die FMA verbietet den ungedeckten Leerverkauf von Finanztiteln seit 27. Oktober 2008. Das Verbot gilt immer für maximal sechs Monate.

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