So, 27. Mai 2018

"System Schieszler"

25.08.2011 17:46

Telekom-Chef: "In dem Mann steckt kriminelle Energie"

Die Telekom Austria ist offenbar in einen Korruptions-Skandal großen Stils verwickelt. Nach den Enthüllungen über Zahlungen an Ex-Politiker kündigt Konzern-Chef Hannes Ametsreiter im Gespräch mit der "Krone" neue Untersuchungen an - und nimmt den Telekom-Kronzeugen Gernot Schieszler ins Visier. Es habe ein regelrechtes "System Schieszler" gegeben, in dem Mann stecke "kriminelle Energie".

Gegenüber der "Krone" sagt Ametsreiter, dass er dem Kronzeugen schon 2009 auf die Schliche gekommen sei: "Er hat Leistungsdokumente vorgelegt, die nicht schlüssig waren. Darauf haben wir uns umgehend (im Juli 2009, Anm.) von ihm getrennt, er ist nicht freiwillig gegangen." Kurz darauf begannen die internen Untersuchungen, die bis ins Jahr 2011 dauerten. Gemeinsam mit den Hinweisen der Staatsanwaltschaft zur Causa Hochegger kam jener Bericht zustande, mit dem man die Aktienmanipulation aus dem Jahr 2004 aufklärte.

Der Schaden für die Telekom betrug dabei 9 Millionen Euro. Dazu kommt noch einmal derselbe Betrag aus den Hochegger-Honoraren - der "ohne erkennbare Leistung" (Ametsreiter) geflossen sei. Der Telekom-Chef: "Das sind in Summe 18 Millionen Euro, die wir uns auf dem Klagsweg von den Tätern holen wollen. Dahinter gab es offenbar ein 'System Schieszler'."

Mobiltel- und Velcom-Geschäfte werden untersucht
Was bisher bekannt ist, ist auch für Hannes Ametsreiter erst die Spitze des Eisbergs. Daher werden nun in den nächsten Monaten gemeinsam mit den Behörden die Zukäufe der Telekom in Bulgarien (Mobiltel) und Weißrussland (Velcom) auf mögliche Korruption durchleuchtet. In beiden Fällen gebe es Indizien, so Ametsreiter. Schieszler soll jedenfalls dem Staatsanwalt noch wesentlich mehr erzählt haben, als bisher bekannt ist. Seine Aussagen führten unter anderem bereits zum ehemaligen Vizekanzler Gorbach (mehr dazu in der Infobox). Es gilt die Unschuldsvermutung.

Schieszler - ein Mann in der zweiten Reihe
Gernot Schieszler stand bei der Telekom eigentlich immer eher in der zweiten Reihe. Nun ist ausgerechnet er durch seine Verwicklung in die Kursaffäre ins Rampenlicht gerückt. Der frühere Top-Manager hat sich der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge angeboten und hofft dadurch, selber mit einem blauen Auge aus der Affäre um Kursmanipulationen und Manager-Boni herauszukommen.

Der heute 41-jährige studierte Ökonom hat bei der Telekom eine schnelle Karriere gemacht. Ursprünglich schnupperte er im Finanz-Journalismus. Als Assistent des Finanzvorstandes für den Börsegang im Jahr 2000 zur Telekom geholt, war der damals erst 30-Jährige dann für das Controlling verantwortlich. Im Juni 2006 stieg er zum Festnetz-Finanzvorstand der Telekom Austria TA AG auf und stand dort an der Seite von Rudolf Fischer, dem Vizechef der Telekom-Holding.

Als im Sommer 2007 der Aufsichtsrat der Festnetzgesellschaft Hannes Ametsreiter per 1. Juli 2007 zum Marketingvorstand bestellte, saß dieser als CMO direkt im Vorstandsteam neben CEO Fischer und CFO Schieszler. 2008 forderte Schieszler von allen Managern, sich erneut um ihren Job zu bewerben. Er selber tue dies nicht, weil er habe als Vorstand ohnehin nur einen befristeten Vertrag, meinte er damals.

YouTube-Video als Karrierebremser
Ein YouTube-Video kam Schieszler 2009 in seiner weiteren Karriereplanung dazwischen. Schieszler sorgte durch fragwürdige Äußerungen zum Abbau unkündbarer beamteter Telekom-Mitarbeiter für Aufsehen und brachte der Telekom einen Mobbing-Vorwurf ein. Laut dem auf der Internetplattform veröffentlichten Video vom Capital Market Day am 29. Jänner sagte Schieszler, diese Mitarbeiter würden zunächst daheim sitzen gelassen, dann für ein paar Tage zur Arbeit gerufen, "und wenn sie dann am Telefon erklären, dass sie krank sind, werden wir ihnen den Arzt schicken. Und wenn der feststellt, dass sie nicht krank sind, dann werden wir Klagen gegen diese Mitarbeiter folgen lassen". Und dann würden schon "ein paar die Golden Handshakes annehmen".

Die Telekom bedauerte die Äußerungen. Nach medialem Wirbel zog Telekom-Chef Boris Nemsic die Konsequenzen und entzog Schieszler die Zuständigkeit für Personalfragen - die er an den inzwischen aufgestiegenen Festnetz-CEO Ametsreiter übertrug. In einer offiziellen Unternehmensaussendung hieß es dann, mit 30. Juni 2009 trete Schieszler "aus persönlichen Gründen" zurück.

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