Sa, 16. Dezember 2017

"Traum erfüllt"

25.08.2011 16:30

K2: Kaltenbrunner im Basislager angekommen

"Ich bin überglücklich, dass mein Lebenstraum endlich in Erfüllung gegangen ist mit der Besteigung des K2", so die Worte der oberösterreichischen Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner am Donnerstagnachmittag bei ihrer Rückkehr ins Basislager am Fuße des zweithöchsten Berges der Welt. Die 40-Jährige hatte am Dienstag den 8.611 Meter hohen Eisriesen gemeistert und damit als erste Frau alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff erklommen.

"Im Moment bin ich einfach nur müde, es waren zehn anstrengende Tage am Berg", meinte Kaltenbrunner bei einer telefonischen Pressekonferenz direkt aus dem Basislager. Gefeiert wurde daher am Donnerstag nicht mehr, sondern nur noch geschlafen.

Am Vormittag hatte ihr deutscher Ehemann Ralf Dujmovits die 40-Jährige und ihre drei Bergkollegen noch vor dem Basislager "überglücklich in Empfang" genommen. Gemeinsam ging es dann nach einer kurzen Rast ins Basislager.

"Majestätischer und ergreifender Moment"
Voller Freude und Zufriedenheit blickte die Alpinistin aus Spital am Phyrn, die mittlerweile aber im Schwarzwald lebt, auf die vergangenen Tage zurück. Die Momente auf dem Gipfel des K2, an dem sie in der Vergangenheit bei drei Expeditionen und insgesamt sechs Aufstiegsversuchen gescheitert war, sind unvergesslich: "Um 18.18 Uhr (am Dienstag, Anm.) bin ich am Gipfel gestanden. Die letzten Schritte dahin zu machen - es hat wirklich alles geleuchtet - man sieht in alle Richtungen. Das war ein majestätischer und ergreifender Moment für mich", so Kaltenbrunner mit stockender Stimme.

"Wir sind ein starkes Team gewesen, aber manchmal sind doch Zweifel aufgekommen, da wir nur ein kleines Team waren für den sehr großen Berg und die sehr schwierige Route", berichtete Kaltenbrunner. Die Besteigung war aufgrund der Schneemassen und der Lawinengefahr extrem schwierig, zudem herrschte zu Beginn des Gipfeltages enorme Kälte.

"Wir haben schon gezweifelt, ob sich das noch ausgeht"
Zunächst sei man im hüfttiefen Schnee nur sehr, sehr langsam vorwärtsgekommen. "Da waren wir alle miteinander ein bisschen gedämpft und haben schon gezweifelt, ob sich das noch ausgeht. Trotzdem haben wir uns noch Meter für Meter raufgearbeitet. Relativ spät sind wir dann am Gipfelgrat angekommen." Dort waren dann die Verhältnisse auf dem Weg zur K2-Spitze gut.

Ein Viertelstunde lang habe sie am Gipfel einfach nur gestaunt und alles voll genossen. "Ich kann es einfach nicht in Worte ausdrücken, was das tatsächlich für mich bedeutet hat. Ich bin jetzt, wo wir alle wieder gesund herunten im Basislager sind, überglücklich und freue mich zutiefst und bin vor allem sehr, sehr dankbar", sagte die gelernte Krankenschwester.

In den kommenden Tagen steht noch ein anstrengender Weg zurück in Zivilisation auf dem Programm, teils mithilfe von Kamelen. Kaltenbrunner freut sich bereits auf ihre Familie und Freunde - und "auf frisches Quellwasser aus Spital am Phyrn, gerade weil ich jetzt sehr durstig bin".

Eine erneute Besteigung des K2 schließt die Alpinistin zwar aus, Ziele habe sie aber noch viele: "Das Bergsteigen wird bis an mein Lebensende meine große Leidenschaft bleiben."

Letzten Achttausender endlich bezwungen
Seit diesem Dienstag ist Kaltenbrunner die erste Frau, die alle 14 Achttausender ohne zusätzlichen Sauerstoff erklommen hat. Der 8.611 Meter hohe K2 war der letzte Achttausender, dessen Gipfel die in Deutschland lebende 40-Jährige noch nicht erreicht hatte. Vor ihr standen die Südkoreanerin Oh Eun-Sun und die Spanierin Edurne Pasaban bereits auf allen Achttausendern, sie haben aber teilweise zusätzlichen Sauerstoff verwendet.

Kaltenbrunner war ursprünglich mit ihrem Mann Dujmovits, Heinrich und weiteren Alpinisten - dem Polen Darius Zaluski sowie den Kasachen Maxut Zhumayev und Vassiliy Pivtsov - unterwegs gewesen. Dujmovits und Heinrich hatten unterwegs aufgeben müssen, Kaltenbrunner kämpfte sich mit den drei weiteren Begleitern allerdings bis auf den Gipfel.

Dem deutschen Berg-Chronisten Eberhard Jurgalski zufolge haben es vor Kaltenbrunner, Zhumayev und Pivtsov weltweit erst 24 Bergsteiger geschafft, am höchsten Punkt aller 14 Achttausender zu stehen - darunter auch Kaltenbrunners Ehemann, der bereits im Jahr 1994 den K2 schaffen konnte und im Jahr 2009 die Sammlung komplettierte. Nur insgesamt zehn von ihnen gelang dies ohne zusätzlichen Sauerstoff.

In rund 60 Jahren haben nur 300 den Gipfel erreicht
Kaltenbrunner und ihr Team begannen am 17. Juni ihren Anmarsch zum nördlichen Basislager des K2 in der chinesischen Provinz Xinjiang. Mit Kamelen reisten die Bergsteiger mit der gesamten Ausrüstung und Verpflegung zum sogenannten Chinesischen Basislager auf ca. 3.900 Meter Höhe an und durchquerten dabei das wilde Shaksgam-Tal. Dann begann die Gruppe mit dem Aufstieg über den direkt zum Gipfel führenden Nordpfeiler, der erstmalig 1982 von einem großen japanischen Team bestiegen worden war.

Der an der pakistanisch-chinesischen Grenze gelegene K2 gehört zum Karakorum-Gebirge und gilt als der am schwierigsten zu besteigende Achttausender, vor allem wegen seiner Steilheit und den damit einhergehenden klettertechnischen Schwierigkeiten sowie der sehr schnell wechselnden Witterung. Seit er 1954 erstmalig von einer italienischen Expeditionsgruppe bestiegen wurde, haben etwa 300 Bergsteiger seinen Gipfel erreicht.

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