Di, 20. Februar 2018

Gras statt "Manner"

23.08.2011 18:04

Als Getränkefirma getarnt: Dealer-Bande gefasst

Als Getränkefirma getarnt soll eine Dealerbande in Wien einen florierenden Drogenzustelldienst aufgezogen haben. Abnehmer orderten ihre illegale Bestellung per Telefon und Internet, indem sie Codewörter benützten - Getränke oder Naschereien mussten mitbestellt werden. Allein seit Mitte März soll die Bande so mindestens 50 Kilogramm Marihuana in Umlauf gebracht haben. Geschätzter Straßenverkaufswert: eine halbe Million Euro.

Eine Gruppe von Österreichern und Serben soll den Drogenhandel betrieben haben, den die Suchtgiftfahnder des Landeskriminalamts Wien - Gruppe Hetfleisch - zum Erliegen brachten. Am 16. August klickten nach monatelangen Observationen, Ermittlungen und Telefonüberwachungen für zwölf Beschuldigte die Handschellen.

30 mutmaßliche Mitglieder ausgeforscht
Insgesamt wurden 30 mutmaßliche Bandenmitglieder ausgeforscht: Die "Köpfe" sitzen, weitere wurden angezeigt, sagte Major Dietmar Berger vom Landeskriminalamt. Nur ein Drahtzieher wird noch gesucht (siehe Bild). Bei 13 Hausdurchsuchungen fanden sich ein Kilogramm Marihuana sowie Heroin, mehrere tausend Euro Bargeld und gefälschte slowakische Reisepässe sowie Führerscheine.

Einer der führenden Köpfe der Bande betrieb ganz offiziell in Favoriten einen Getränkehandel. Diese Firma stellte die Infrastruktur für das Drogen-Subunternehmen zur Verfügung: Mittels spezieller Codewörter wie "OCB-papers", "ein Menü" oder "Mannerschnitten-plus" konnte so sogar während der Nachtstunden Marihuana bestellt werden. Gleichzeitig mussten die Kunden auch Getränke und Naschereien um zehn Euro ordern, berichtete Berger: "So wurde doppelt verdient." Die Mindestabnahmemenge für das Rauschgift betrug zwei Gramm zum Preis von 20 Euro.

"Stundenlange Wartezeiten in Kauf genommen"
Diese Vorgangsweise, Drogenverkäufe mit legalen Waren zu koppeln, ist nicht neu: Im Jahr 2004 zerschlug die Polizei die Szene in einschlägig bekannten Wiener Lokalen, wo das Codewort für Drogen "Eistee" gelautet hatte. "Das war dieselbe Masche, aber jetzt geht es elektronisch", sagte Berger.

Im aktuellen Fall wurden die Rauchwaren in ganz Wien mit Ausnahme nördlich der Donau durch eigene Fahrer zugestellt. "Der Andrang war so groß, dass zum Teil stundenlange Wartezeiten in Kauf genommen wurden", berichtete die Polizei. "Ganz wenige Leute haben nur etwas zum Trinken bestellt, die waren dann erbost", so Berger. Das hat sich offenbar bis zur Polizei herumgesprochen.

Rund 1.500 Kunden ausgeforscht
Viel Arbeit werden den Ermittlern noch die Einvernahmen der Abnehmer breiten: Rund 1.500 Kunden sind ausgeforscht worden, die Befragungen stehen ganz am Anfang und werden noch Wochen dauern. LKA und Finanzpolizei schauen sich außerdem genau an, ob wenigstens die legal verkauften Waren auch versteuert worden sind.

Das Landeskriminalamt Wien bittet um Hinweise unter der Telefonnummer 01/31310-33800.

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