So, 18. Februar 2018

"Krone"-Sommer-Talk

22.08.2011 17:08

Strache: "Ich bin kein Wut-, sondern Mut-Politiker"

Entspannt nach seinem Urlaub hat sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache beim "Krone"-Sommergespräch präsentiert. Dabei bezeichnete er sich als genaues Gegenteil eines "Wut-Politikers", der aber in diesem Sommer beim Ausschluss von Nationalratsabgeordneten Werner Königshofer hart habe durchgreifen müssen. Gerade in dieser Situation habe er "beste Führungskompetenz gezeigt", wie es sich für einen "Kapitän" einer Mannschaft gehöre, erklärte Strache.

"Krone": Herr Strache, in der "Krone bunt" ist eine Karikatur von Bruno Haberzettl erschienen, die Sie bei der Gepäcksaufgabe von drei Koffern für den Flug nach Ibiza zeigt – mit den Namensschildern Königshöfer, Graf und Scheuch. Können Sie da lachen?
Heinz-Christian Strache: Kabarett, Comic und Karikatur – das ist im Leben etwas Schönes. Man muss über sich selber lachen können und nicht immer alles ernst nehmen, vor allem in diesem Sommertheater, bei dem man heuer auf die FPÖ hingehaut hat. So konnte die Regierung herrlich davon ablenken, bei der größten Finanz- und Wirtschaftskrise herrlich untätig gewesen zu sein. Das ging ja so weit, dass der Versuch gestartet wurde, eine Verbindung zwischen dem Psychopathen in Norwegen und der FPÖ herzustellen.

"Krone": Dennoch: Für einen Parteichef sind solche Kontroversen wohl nicht angenehm?
Strache: Interessant, ich habe eine sehr große Geschlossenheit in der Partei wahrgenommen. Mag schon sein, dass bei 60.000 Parteimitgliedern es einmal möglich ist, dass einer öffentlich eine andere Meinung als unsere äußert. Was ich nicht mag, ist, wenn dies in der Öffentlichkeit geschieht. Das sollte doch in den diversen Gremien geschehen.

"Krone": Immerhin haben Sie den Herrn Königshöfer aus der Partei ausgeschlossen?
Strache: Diese Causa zeigt ganz konkret meine Führungskompetenz. Es geht nicht an, dass jemand in einer Führungsposition auf Dauer nicht verantwortungsbewusst seine Rolle lebt. So nimmt man sich selbst aus der Gemeinschaft.

"Krone": Seit dem vergangenen Jahr kennen wir den Begriff "Wutbürger" als Bezeichnung für die Empörung, dass politische Entscheidungen über den Kopf der Bevölkerung getroffen werden. Sehen Sie sich als "Wut-Politiker"?
Strache: Nein, im Gegenteil! Wir wollen keine Wutbürger und auch keine Wut-Politiker, sondern wir wollen Mutbürger und Mut-Politiker. Ich sehe mich als einen mutigen Politiker, der jene Bürger anspricht, die das rot-schwarze Proporzsystem nicht mehr hinnehmen wollen.

"Krone": Demos und Krawalle in London, Tel Aviv, Madrid, ... Wie begegnen Sie zornigen Jugendlichen, die keine Zukunft für sich sehen?
Strache: Es sind zwei Facetten zu betrachten: Einerseits sind auch viele Österreicherinnen und Österreicher heute hoffnungslos. Für diese Menschen stellt die FPÖ einen Anker dar. Denn wir leben und arbeiten für eine bessere Zukunft. Und in ganz Europa gibt es dieses starre Parteiensystem, das Stillstand bedeutet. Aber Veränderungen dürfen nie durch Gewalt stattfinden. Jegliche extreme Entwicklung ist abzulehnen. Man muss aber auch sagen, dass die Zustände in London, Paris und Berlin Ergebnis einer fehlerhaften Zuwanderungspolitik sind.

"Krone": In London hat sich die Zerstörungswut durch alle sozialen Schichten gezogen. Kann es dann ein Integrationsproblem sein?
Strache: Es geht immer durch viele soziale Schichten, wenn etwas in der Gesellschaft schiefläuft. Für die Krawalle gibt es aber keine Entschuldigung!

"Krone": Hatten Sie als Jugendlicher selber das Gefühl, dass Ihnen die Gesellschaft und das politische Establishment Chancen vorenthalten?
Strache: Dieses Gefühl habe ich heute noch! Es ist doch ein Wahnsinn, wie man an dieser Euro-Zwangsjacke festhält!

"Krone": Haben Sie, aufgrund des Wissens um Ihre große Anhängerschaft und der steigenden Existenzangst der Menschen, verstärkt über die Auswirkungen Ihrer Reden und Kampagnen nachgedacht?
Strache: Selbstverständlich entwickelt man sich immer weiter. Das ist auch bei mir der Fall.

"Krone": Sie würden gewisse Aussagen und Aktionen heute nicht mehr so tätigen?
Strache: Ich würde alles genau so machen, denn was mir seit 2005 gelungen ist, ist ja europaweit einzigartig. Eine Partei, auf die niemand mehr einen Cent gesetzt hätte, habe ich als Parteichef übernommen und zur stärksten Oppositionskraft gemacht. Unsere Ehrlichkeit wird von der Bevölkerung gewünscht.

"Krone": Würden Sie als Regierungspolitiker einen anderen politischen Stil pflegen als als Oppositionsführer?
Strache: Gerade ich bin in Österreich durch meine sachliche, pointierte Art in Erinnerung. Das werde ich auch wieder beim ORF-"Sommergespräch" zeigen.

"Krone": Wie sieht das Schattenkabinett Strache aus?
Strache: Meine Mannschaft ist aufgestellt. Ich werde nun nicht sagen, wer genau für welche Positionen geeignet wäre. Die Persönlichkeiten habe ich sichtbar gemacht: Ing. Norbert Hofer ist so jemand, aber auch Frau Dr. Barbara Kappel oder Herbert Kickl.

"Krone": Ihre Position in der Mannschaft?
Strache: Ich war früher als Stürmer im Fußball aktiv, und bereits damals war meine Devise: Egal, ob man von rechts, links oder der Mitte kommt, es zählt, dass man ein Tor schießt. In der FPÖ bin ich der Kapitän, vielleicht auch der Spielertrainer.

"Krone": Betrachten Sie sich als gescheitert, wenn Sie es im Laufe Ihrer nun doch schon mehrjährigen Karriere niemals in eine Regierungsverantwortung schaffen?
Strache: Es geht darum, auf ein Ziel hinzuarbeiten, und wann es erreicht wird, soll man nicht an einer Jahreszahl festmachen.

"Krone": Abschlussfrage: Was sollten Auslandsabenteuer wie beispielsweise die angeblichen Vermittlungsversuche in Libyen und Syrien?
Strache: Wenn wir gebeten werden zu vermitteln und damit etwas für den Frieden beitragen könnten, dann lehnen wir nicht ab. Außenminister Michael Spindelegger kam nicht mehr als neutraler Verhandler für die Gadafi-Regierung infrage. Einen Versuch sind Verhandlungen immer wert, auch wenn sie nicht glücken.

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