Mi, 23. Mai 2018

Krise nach dem Derby

22.08.2011 10:29

Kein Killerinstinkt und "schreckliche Fehler" bei Rapid

Von Kaltschnäuzigkeit im Strafraum sind die Rapid-Stürmer derzeit so weit entfernt wie der KSV Ankerbrot von der Champions League. "Schreckliche individuelle Fehler" bei der 0:3-Derby-Schmach am Sonntag im Ernst-Happel-Stadion komplettierten den wohl schwärzesten Tag Peter Schöttels als Rapid-Trainer. Nach nur einem Punkt aus den jüngsten drei Partien - ohne ein einziges erzieltes Tor - ist der Rekordmeister am Boden. Warum die Auferstehung ausgerechnet am Sonntag bei Leader Salzburg erfolgen soll, weiß Schöttel selbst noch nicht.

Als hätte man ihnen eben den letzten Laib Brot gestohlen, so tief ließen die Rapid-Spieler Schultern und Köpfe hängen, als sie sich nach Abpfiff mit schier bleiernen Beinen in die Mixed-Zone zu den wartenden Journalisten schleppten. Kaum leichtfüßiger hatten sich Hofmann, Alar und Co. allerdings davor über weite Strecken des Spiels gegen die Wiener Austria präsentiert.

Vor allem Halbzeit zwei artete beim Derby zum grün-weißen Totalschaden aus. Die Aufstellungsvariante mit Schimpelsberger rechts in der Viererkette, dem gelernten Innenverteidiger Pichler im defensiven und Hofmann rechts im Mittelfeld griff überhaupt nicht. Haarsträubende Fehlpässe waren an der Tagesordnung, von flüssigen Kombinationen war nicht zuletzt aufgrund der Unform von Kapitän Steffen Hofmann nichts zu sehen, Gefahr erzeugte man bestenfalls bei Standardsituationen.

Schöttel versteht die Welt nicht mehr
Die ernüchternde Bestandsaufnahme in Grün-Weiß ließ nach dem Spiel erstmals auch den sonst so eloquenten Rapid-Trainer Peter Schöttel ein wenig ratlos wirken. "Ich verstehe die Situation mittlerweile selbst nicht mehr. Aber ich kann sie nicht ändern", meinte Schöttel, der im Gegensatz zu einem seiner Vorgänger aber auch in der Stunde der Niederlage gegenüber Journalisten geduldig und stets höflich blieb. "Wenn wir nicht endlich beginnen, unsere Chancen zu nützen, werden wir Probleme bekommen", meinte Schöttel.

In der Tat hätte Rapid durchaus in Führung gehen können, "sogar müssen", wie Deni Alar, der von Beginn an neben Atdhe Nuhiu stürmte, gegenüber krone.at erklärte. Alar selbst hatte gleich einige Sitzer ausgelassen. Und blickte nach dem Spiel hinsichtlich Effizienz geradezu eifersüchtig in Richtung Austria-Stürmer. "Die Austrianer haben vier oder fünf Chancen gehabt und daraus drei Tore gemacht." Coach Schöttel sah es ähnlich: "Die Austria hat uns vorgemacht, wie das funktioniert." Warum er dann nicht zumindest in Halbzeit zwei den ausgefuchsten Strafraum-Wühler Salihi gebracht hat? "Das hatte ich auch vor", so Schöttel, "aber dann haben wir das 0:3 erhalten. Und dann habe ich an der Körpersprache meiner Spieler gesehen, dass sie nicht mehr an die Sensation glauben." Deswegen brachte er statt Stürmer Salihi Defensiv-Allrounder Heikkinen.

Schlimme Schnitzer in der Defensive
Zumindest Schadensbegrenzung konnte dadurch betrieben werden – Tor schoss die Austria danach keines mehr. Dafür aber waren die davor erzielten allesamt "wunderschön herausgespielt", wie Veilchen-Coach Karl Daxbacher unterstrich. Vor allem das 3:0 durch Roland Linz erinnerte fast schon an den gepflegten Hallenfußball, den Prohaska, Gasselich und Co. in den 70er-Jahren zelebrierten. Rapid-Trainer Schöttel konnte den gefälligen violetten Kombinationen naturgemäß wenig Ästhetisches abgewinnen. "Wenn für Karl Daxbacher die Tore schön herausgespielt waren, dann mag das aus seiner Sicht natürlich stimmen, aber ich habe schreckliche individuelle Fehler in unserer Defensive gesehen. Meine Spieler waren sehr verunsichert."

Michael Schimpelsberger, der in der Rapid-Abwehr keineswegs sattelfest wirkte, begründete das einmal mehr mit dem Faktor Zeit: "Die Austria hat seit Jahren fast die genau gleiche Mannschaft. Daher sind die Veilchen auch sehr gut eingespielt. Wir sind dagegen eigentlich komplett neu. Und das braucht natürlich Zeit."

Jetzt wartet Salzburg
Zeit, die man nicht hat. Schon am Sonntag wartet mit Tabellenführer Salzburg in der Bullen-Arena alles andere als ein Aufbaugegner. Wie dieser zu knacken sein soll, weiß Schöttel noch nicht. "Das ist jetzt nach so einer bitteren Niederlage noch zu früh", gestand er. Entsprechend übte er sich in Durchhalteparolen: "Irgendwann werden auch wir unsere Chancen verwerten. Und wir werden wieder bessere Spiele abliefern. Das kann ich versprechen." Ob das schon beim Titelfavoriten Nummer eins, bei dem zudem auch Prokopic nach seiner Brutalo-Grätsche und der Roten Karte fehlt, der Fall sein wird? Wenn es nach Deni Alar geht, dann schon: "Jetzt müssen wir halt in Salzburg punkten."

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