Mi, 21. Februar 2018

Telekom-Kursaffäre

17.08.2011 11:47

Ametsreiter: "Mit Machenschaften nichts zu tun"

Telekom-Chef Hannes Ametsreiter zeigte sich am Mittwoch bei der Halbjahresbilanz-Pressekonferenz in Wien schockiert über die aktuelle Kurs-Affäre. "Wir werden alle verfügbaren Mittel ausschöpfen, um den dem Unternehmen entstandenen Schaden zu minimieren", versprach Ametsreiter eine lückenlose Aufklärung und volle Transparenz. Gleichzeitig betonte er, dass "der heutige Vorstand mit den Machenschaften der Vergangenheit nichts zu tun" habe.

Ametsreiter hatte damals als Marketing-Chef selber von dem an einen bestimmten Aktienkurs geknüpften Bonus-Programm profitiert, seinen Bonus von 92.000 Euro hat er unterdessen auf ein Treuhandkonto gelegt. Dies sei jedoch "kein Schuldeingeständnis", sondern "das ist für mich eine Frage des Anstands". Wenn ein Kurs durch Manipulation entstanden sei, zahle er den Bonus auf jeden Euro und Cent zurück.

Neben ihm habe dies bisher nur Boris Nemsic, Ex-Chef der Telekom, ebenfalls gemacht. 33 der 100 Manager, die von dem Bonusprogramm profitierten, arbeiten noch in der Telekom. Die Frage einer Rückforderung der Bonus-Zahlungen werde noch geprüft, sagte Ametsreiter, laut Gutachten seien Rückforderungen schon möglich, es bedürfe aber noch weiterer arbeitsrechtlicher Prüfung.

Aufarbeitung "mit Nachdruck verfolgt"
Die interne Aufarbeitung der Aktienmanipulation werde "mit Nachdruck verfolgt". Die interne Revision habe einen Bericht erstellt und den Behörden übergeben. "Die lückenlose Aufklärung steht in meinem persönlichen ureigensten Interesse", betonte Ametsreiter.

Die ÖIAG habe der Telekom klare Leitlinien gegeben, klare Schritte seien beschlossen worden. Gegenüber dem ehemaligen Vize-Finanzvorstand Gernot Schieszler, dem ehemaligen Festnetzvorstand Rudolf Fischer und dem früheren Geschäftskundenleiter Josef Trimmel werde man die vollen Schadenersatzansprüche geltend machen, so Ametsreiter. Gleichzeitig würden weitere Ansprüche gegen zwei ehemalige Manager derzeit geprüft.

Der Rechtsstreit werde laut Ametsreiter nicht lange dauern. "Wir erwarten einen schnellen Prozess, weil die Verantwortlichkeiten eindeutig zuordenbar sind", verwies er auf ein Geständnis eines Mitarbeiters. Außerdem habe sich Schieszler der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge angeboten, dies habe er über die Medien erfahren.

100 Manager sahnten ab
Am 26. Februar 2004 war es in den letzten zwei Minuten vor Börseschluss zu einem starken Kursanstieg der Telekom-Aktie gekommen, der knapp 100 Managern Prämien in Höhe von insgesamt 8,7 Millionen Euro bescherte. Die Finanzmarktaufsicht hatte bereits 2004 eine mögliche Kursmanipulation untersucht, konnte diese aber nach der damaligen Rechtslage nicht feststellen. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde damals nicht erstattet.

Erst 2010, als bei einer Hausdurchsuchung beim Lobbyisten Peter Hochegger entsprechende Belege der Telekom gefunden wurden, hat es den Verdacht der Untreue gegeben, woraufhin die Finanzmarktaufsicht der Staatsanwaltschaft die bisherigen Erkenntnisse übermittelte.

Schwieriges Halbjahr
Wie Ametsreiter am Mittwoch mitteilte, habe die Telekom ein schwieriges Halbjahr hinter sich, konnte aber im zweiten Quartal den Ergebnisrückgang reduzieren und halte an der Dividende für 2011 fest. Der Ausblick wurde allerdings durch die Währungsabwertung bei der Tochter in Weißrussland zurückgenommen. Die Telekom geht nun für das Gesamtjahr von Umsatzerlösen in der Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro und einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von maximal 1,55 Milliarden Euro aus.

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