Mo, 19. Februar 2018

Gewalt in Syrien

14.08.2011 17:38

Kriegsschiffe und Panzer feuern auf Wohngebiete

Im Krieg gegen seine eigenen Bürger setzt das verhasste Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad nun sogar Kriegsschiffe ein. Am zweiten Tag der Offensive gegen die Mittelmeerstadt Latakia feuerten Marine-Haubitzen, Mörser und Panzer am Sonntag Geschoße auf das Hafenviertel Al-Ramleh ab, eine Hochburg der Opposition. Laut Exil-Aktivisten kamen bei dem gezielten Beschuss von Wohngebieten mindestens 23 Menschen ums Leben.

Die Offensive gegen Latakia hatte am Samstag begonnen. Im Stadtviertel Al-Sakenturi seien Raketenwerfer eingesetzt worden, auch im Viertel Saliba seien Schüsse und Explosionen zu hören gewesen. Unter den Opfern waren neben Syrern den Angaben zufolge auch Palästinenser - in Al-Ramleh befindet sich ein palästinensisches Flüchtlingslager. In anderen Landesteilen gingen am Sonntag schon früher begonnene Militärkampagnen gegen besonders oppositionell eingestellte Städte weiter.

Der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge war die Armee in der Nacht auf Sonntag in zwei Vororte der Hauptstadt Damaskus eingedrungen und hatte dort zahlreiche Menschen festgenommen. An der Grenze zum Libanon drang die Armee einem örtlichen Aktivisten zufolge am Samstag mit einer langen Kolonne von Militärlastwagen und anderen Fahrzeugen in ein Dorf in der Nähe der Stadt Homs ein. Daraufhin seien zahlreiche Einwohner geflohen. In Deir al-Zor im Nordosten des Landes gingen Sicherheitskräfte mit Razzien gegen Oppositionelle vor, teilten Augenzeugen mit. Insgesamt waren am Samstag nach Angaben von Aktivisten elf Menschen getötet worden.

Volk lässt sich von Gewalt nicht abschrecken
Die militärische Gewalt des Regimes bringt die Bürger jedoch nicht zum Schweigen. Im Fastenmonat Ramadan versammeln sie sich vor allem nach dem abendlichen Fastenbrechen ständig zu neuen Kundgebungen, die den Zorn des Regimes erregen. Videos, die von Aktivisten am Sonntag ins Internet gestellt wurden, zeigten große Demonstrationen, zu denen es am Vorabend in den Vorstädten von Damaskus, in Deir al-Zor und in Daraa gekommen war.

Obama berät Lage mit Cameron und Abdullah
Die syrische Armee geht seit Mitte März gewaltsam gegen regierungskritische Proteste im Land vor. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten kamen seither etwa 1.800 Zivilisten und rund 400 Sicherheitskräfte ums Leben. US-Präsident Barack Obama erörterte am Samstag die Lage mit dem britischen Regierungschef David Cameron und dem saudischen König Abdullah am Telefon. Nach Angaben des Weißen Hauses bekräftigten alle drei Politiker, dass die Gewaltanwendung gegen Zivilisten sofort eingestellt werden müsse. Obama habe demnach mit Cameron und Abdullah enge Konsultationen über das weitere Vorgehen gegen die syrische Führung vereinbart.

In Deutschland verlangten indes Außenpolitiker von SPD und Grünen einen härteren Kurs des deutschen Außenamts gegen Syrien. Notfalls solle Deutschland innerhalb der EU mit eigenen Sanktionen vorangehen, forderte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin am Sonntag. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rolf Mützenich, begrüßte die Aufforderung von US-Außenministerin Hillary Clinton zu europäischen Wirtschaftssanktionen gegen Syrien. "Die EU muss ihre Sanktionen auf den Erdöl- und Erdgasbereich ausweiten", meinte er.

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