Di, 20. Februar 2018

"Zehnmal angerufen"

12.08.2011 16:08

Hing Breivik bei Attentat in Polizei-Warteschleife?

Der Attentäter von Norwegen, Anders Behring Breivik, hat nach eigenen Angaben zehnmal bei der Polizei angerufen, während er auf der Ferieninsel Utöya 69 Teilnehmer eines Jugendlagers erschoss. Breiviks Anwalt Geir Lippestad berichtete der Zeitung "Aftenposten" von entsprechenden Aussagen seines Mandanten. Breivik hat demnach vor seiner Verhaftung bei der Polizei angerufen, um sich zu ergeben bzw. sich zu versichern, dass die Polizei das auch verstanden habe. Er wollte ja nicht erschossen werden.

Breivik wollte laut Lippestad eine klare Bestätigung, dass die Polizei seine Kapitulation annehmen würde. Er sei aber nur zweimal durchgekommen - während er auf einen Rückruf wartete, habe er nicht geschossen. Diese Aussage wird möglicherweise auch von Aussagen von Überlebenden unterstützt. Sie hatten berichtet, dass Breivik für kurze Zeit das Feuer einstellte.

Breivik habe "darüber nachgedacht, Selbstmord zu begehen oder mit seiner 'Operation' weiterzumachen, und entschied sich, bis zum Eintreffen der Polizei fortzufahren", berichtete sein Anwalt. Ein Polizeisprecher sagte zwar, dass eine Aufzeichnung von einem Anruf Breiviks existiere, mögliche weitere Anrufe bzw. Telefonate wollte man aber nicht bestätigen.

Polizei war erst nach einer Stunde vor Ort
Der geständige rechtsextremistische Attentäter Anders Behring Breivik hatte am 22. Juli nach einem von ihm verübten Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo auf der Insel Utöya das Feuer auf Teilnehmer eines Jugendlagers der regierenden Arbeiterpartei eröffnet. 69 Menschen wurden bei dem Angriff getötet, acht weitere Menschen starben bei dem Anschlag in Oslo.

Die Polizei steht in der Kritik, weil nach dem ersten Hilferuf mehr als eine Stunde verging, bis ein Einsatzteam auf der rund 40 Kilometer nördlich von Oslo gelegenen Insel Utöya eintraf. Auch kam in den Medien die Frage auf, weshalb Behring Breivik nicht im Voraus als potenzieller Attentäter von den Ermittlungsbehörden identifiziert werden konnte.

Polizeivertreter räumt Fehler bei Einsatz ein
Anfang der Woche hat die Polizei eingeräumt, bei ihrem Einsatz während des Blutbads auf Utöya eine längere Strecke zurückgelegt zu haben als nötig. Es habe sich herausgestellt, dass der Ort, an dem ein Polizeiboot ins Wasser gelassen wurde, dafür "wenig geeignet" gewesen sei, sagte ein Vertreter der Polizei von Oslo, Johan Fredriksen, dem Fernsehsender NRK.

Dem Sender zufolge bestiegen die aus dem rund 40 Kilometer entfernt liegenden Oslo herbeigeeilten Polizisten einer Sondereinheit ein Polizeiboot in 3,6 Kilometern Entfernung von der Insel. Es habe aber auch eine Anlegestelle in nur 670 Metern Entfernung zur Insel gegeben.

Zudem zeigte NRK ein Amateurvideo, auf dem rund ein Dutzend Polizisten auf einem kleinen roten Schlauchboot unterwegs sind. Wegen der zu großen Besatzung gelangte aber Wasser ins Boot. Die Polizei hat einen Motorschaden des Polizeibootes eingeräumt, die Polizisten gelangten daher an Bord von zwei Privatbooten auf die Insel.

Offiziellen Angaben zufolge konnten die Polizisten so sogar Zeit sparen, weil die Privatboote schneller waren. Fredriksen wollte aber keine Angaben darüber machen, welche Zeitverzögerung es durch die Wahl des Startpunktes des Polizeibootes möglicherweise gegeben habe.

Ermittlungskommission offiziell vorgestellt
Ministerpräsident Jens Stoltenberg gab indes am Freitag die Namen der Mitglieder einer Kommission zur Untersuchung der Vorfälle vom 22. Juli bekannt. Die zehn Kommissionsmitglieder sollen "alle relevanten Aspekte untersuchen und Fakten auf den Tisch bringen". Der Regierungschef erklärte, für die Betroffenen stellten sich zahlreiche Fragen, die beantwortet werden müssten. Stoltenberg: "Für sie ist es entscheidend, eine Antwort zu bekommen auf die Fragen: Was ist passiert? Und warum konnte das passieren?"

Für sein Land sei es wichtig, diese Fragen zu klären. "Wir müssen die Lehren aus diesen terroristischen Angriffen ziehen. Das Ziel ist es, dass sich das nicht wiederholen kann, das Ziel ist mehr Sicherheit", sagte der Regierungschef. Es müsse ein Bild entstehen von allen Dingen, die um die Ereignisse des 22. Juli herum gut funktionierten, "aber auch von dem, was nicht funktioniert hat, ohne Ausflüchte".

Die Kommission, die von der Regierung nicht Untersuchungs-, sondern Auswertungskommission genannt wird, wird von der Juristin Alexandra Bech Gjoerv geleitet. Sie soll ihre Arbeit bis 10. August kommenden Jahres beenden.

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