So, 18. Februar 2018

Polizistin stieß ihn

12.08.2011 13:13

Obdachloser stirbt in Vorarlberg bei Polizeieinsatz

Ein 52-jähriger Obdachloser aus Osttirol ist am Donnerstag nach einem Polizeieinsatz in Vorarlberg gestorben. Nach den Angaben der Beamten verhielt sich der Mann in der Nacht auf Dienstag bei der Festnahme einer Bekannten in Bregenz aggressiv und stürzte, als eine Polizistin ihn abwehrte, über eine Stiege auf den Gehsteig (siehe Bild). Er wurde mit einem Schädel-Hirn-Trauma ins Landeskrankenhaus Feldkirch eingeliefert, wo er am Donnerstag starb.

Abgespielt hat sich die Tragödie vor einer Notschlafstelle des Vereins DOWAS - Der Ort für Wohnungs- und Arbeitssuchende - in Bregenz. Eine 31-jährige Schweizerin war in der Schlafstelle rabiat geworden und von Mitarbeiterinnen des Nachtdienstes hinausgebeten worden. Auch die Polizei wurde zu Hilfe gerufen. Ein 25-jähriger staatenloser Russe und der Osttiroler hätten sich dann eingemischt.

Alle drei Wohnungslosen seien alkoholisiert gewesen und hätten sich gegenüber der Streife aggressiv verhalten, erklärte Vorarlbergs Landespolizeikommandant Siegbert Denz am Freitag. Als der 31-Jährigen Handschellen angelegt werden sollten, habe sich der 52-Jährige vor die Polizisten gestellt, den Ausgang blockiert und die Freilassung der Frau gefordert.

Eine Polizistin versetzte dem 52-Jährigen mit der Hand einen Stoß, um ihn abzuwehren und die Festnahme der Frau durchsetzen zu können. Der Alkoholisierte stürzte daraufhin unglücklich über mehrere Stufen der Stiege auf den Gehsteig und erlitt schwere Kopfverletzungen. Nach Erste-Hilfe-Maßnahmen durch die Polizei wurde er ins LKH Feldkirch eingeliefert. Dort starb der 52-Jährige am Donnerstag.

Einsatz laut Polizei korrekt abgelaufen
Nach derzeitigem Stand sei der Einsatz korrekt abgelaufen, betonte Denz. Die Beamtin habe den Mann in der Situation abwehren müssen. Der 52-Jährige war der Exekutive zudem bekannt: "Gefahr beim Einschreiten" lautete die polizeiliche Vormerkung. Er war bereits wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt rechtskräftig verurteilt. Die involvierten Beamten seien von dem Ereignis "sehr betroffen" und würden psychologisch betreut.

Ermittlungen gegen Polizeibeamtin
Die Staatsanwaltschaft Feldkirch habe nun eine Obduktion des Leichnams und die Spurensicherung angeordnet, hieß es. Wann diese allerdings durchgeführt werde, sei noch nicht festgelegt worden. Der Feldkircher Staatsanwaltschaftssprecher Heinz Rusch bestätigte zudem Ermittlungen gegen die Polizeibeamtin - diese gingen in Richtung Körperverletzung mit tödlichem Ausgang unter Ausnutzung einer Amtsstellung. Zunächst müssten aber die Ermittlungsergebnisse abgewartet werden.

Beim Verein DOWAS wollte man sich zu dem Vorfall vorerst nicht äußern. Man habe die betreffende Person aber gekannt, hieß es. In der Notschlafstelle können laut Homepage des Vereins neun Personen unterkommen. Als Bedingung für die von 18.30 bis 23 Uhr mögliche Aufnahme gilt die Bereitschaft, auf den Konsum von Alkohol oder Drogen in der Einrichtung zu verzichten. Wer offensichtlich durch legale oder illegale Suchtmittel beeinträchtigt ist oder sich aggressiv verhält, findet keinen Einlass.

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