Di, 22. Mai 2018

Wirbel in Dänemark

10.08.2011 12:35

Infiltrierte rechtes Netzwerk jahrelang Politik und Polizei?

In Dänemark sorgt derzeit ein Bericht der Tageszeitung "Politiken" für Aufregung: Ein rechtsextremes Netzwerk namens ORG soll über zwei Jahrzehnte hinweg sowohl die dänische Politik als auch die Polizei infiltriert haben. Dem Blatt zufolge hat die obskure Gruppe rund 100 Mitglieder. Mehrere von ihnen, darunter der Chef des Netzwerks, waren demnach führende Mitglieder in der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei und saßen zum Teil auch als deren Abgeordnete im Parlament. Mindestens ein ORG-Mitglied agierte zudem als Spion innerhalb des Polizeiapparates.

"Politiken" wurden eigenen Angaben zufolge interne Dokumente des Netzwerks zugespielt. In ihrem Bericht beschreibt die Zeitung am Mittwoch ORG als Ku-Klux-Klan-ähnliche Geheimorganisation, die es sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt hat, Dänemark von Einwandern zu "säubern" und mit sogenannten Landesverrätern "aufzuräumen". Gemeint seien damit jene Dänen, die die Extremisten für die Tolerierung von Einwanderung verantwortlich machen oder die Immigration sogar unterstützen.

Verbrennung von "Negerpuppen"
ORG soll bei ihren Treffen bizarre Zeremonien mit brennenden Kreuzen abhalten, auch "Negerpuppen" sollen dort verbrannt werden, berichtet die Zeitung. Das Netzwerk soll neben der Volkspartei ebenso zu verschiedenen offen rassistischen und neonazistischen Gruppen enge Kontakte pflegen. Laut "Politiken" finden sich in den Dokumenten auch eindeutige Hinweise darauf, dass die Organisation jederzeit dazu bereit ist, gewalttätige Aktionen gegen Migranten zu starten.

Der Sekretär der Dänischen Volkspartei bestätigte gegenüber "Politiken", dass der vermutete ORG-Chef Jesper Nielsen in der lokalen Organisation der Partei in Aarhus eine Zeit lang im Vorstand gesessen sei. Parteisekretär Poul Lindholm Jensen zufolge haben sowohl Nielsen als auch ein weiterer von "Politiken" als ORG-Mitglied bezeichneter Politiker die Partei mittlerweile auf eigene Initiative wieder verlassen. Von der Existenz des Netzwerkes will Jensen jedoch noch nie etwas gehört haben.

ORG-Mitglied in Polizei eingeschleust
Laut dem Zeitungsbericht wurde der "Abteilungsleiter" von ORG in Kopenhagen im Jahr 2009 zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt, weil er seine Stellung als Polizeimitarbeiter zum Beschaffen von Informationen über politische Gegner missbraucht hatte. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung war zuvor eine umfangreiche Korrespondenz mit Nielsen festgestellt worden, die laut "Politiken" im Prozess jedoch nicht berücksichtigt wurde.

Die der Zeitung vorliegenden Dokumente beinhalten laut dem Blatt u.a. eine "The Great Memory" genannte Liste mit den Namen sogenannter Landesverräter. Weiters zeigen die Papiere, dass die Geheimorganisation zumindest bis 2009 ihre erlangten Daten über missliebige Politiker an rechtsradikale Gruppierungen weitergeleitet hat.

Geheimdienst-Chef hält sich bedeckt
Von "Politiken" mit den Dokumenten konfrontiert, teilte der Leiter des dänischen Geheimdienstes PET, Jacob Scharf, der Zeitung in einer schriftlichen Stellungnahme lediglich mit, dass seine Mitarbeiter an der Ausforschung des ORG-Mitglieds in Kopenhagen, die zu dessen Verurteilung geführt habe, beteiligt gewesen seien. Weitere Informationen über das rechtsextreme Netzwerk waren dem PET-Chef jedoch nicht zu entlocken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Für den Newsletter anmelden