So, 20. Mai 2018

Kleines Wunder

10.08.2011 10:09

China: Parteiorgan veröffentlicht Ai-Weiwei-Interview

Der regimekritische chinesische Künstler Ai Weiwei hat erstmals seit seiner Freilassung aus zweimonatiger Haft ein Interview gegeben. Die Umstände des Gesprächs waren höchst ungewöhnlich, da sich Ai Weiwei eigentlich nicht politisch äußern darf. Trotzdem erschienen seine Ausführungen ausgerechnet in der englischsprachigen "Global Times", die vom kommunistischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird. Das Blatt hatte sich immer kritisch über Ai Weiwei geäußert.

Auch in diesem Artikel zitierte das Blatt wieder Kritiker von Ai Weiwei, gab dem Künstler aber durchaus Raum, seine Ansichten zu verbreiten. Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass sich Ai Weiwei für Reformen und gegen einen rabiaten Machtwechsel aussprach. "Ein Umsturz des Regimes durch eine radikale Revolution ist nicht der Weg zur Lösung der Probleme Chinas", wurde er zitiert. "Das Wichtigste ist ein wissenschaftliches und demokratisches politisches System." Der 54-Jährige kündigte auch an, weiter politisch aktiv bleiben: "Ich werde niemals aufhören, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen." Wer nicht auf seinen Rechten bestehe, gebe sie auf.

Erst am Dienstag hatte Ai Weiwei wieder regierungskritische Töne getwittert. Einige seiner engsten Künstlerkollegen, die wie er "illegal inhaftiert" worden seien, hätten im Gefängnis "seelische und physische Folter" erlitten, schrieb er in einer der Botschaften. Er habe am Montag seinen Mitarbeiter Liu Zhenggang getroffen, der zur selben Zeit im Gefängnis saß. "Dieser massive Kerl ist in Tränen ausgebrochen. Er hat einen Herzinfarkt im Gefängnis erlitten und wäre fast gestorben."

Regierungsangaben dementiert
Brisant werten Beobachter den Umstand, dass Ai Weiwei in dem Interview Angaben der Regierung in Peking bestritt, ein Geständnis über Steuerhinterziehung unterzeichnet zu haben. Der Künstler war Anfang April festgenommen und am 22. Juni unter internationalem Druck auf Kaution freigelassen worden. Ihm werden Steuervergehen vorgeworfen, die Behörden fordern Bußgelder in Höhe von umgerechnet 1,3 Millionen Euro von ihm.

Das Regime in Peking hatte verlautbaren lassen, dass Ai Weiwei seine Schuld eingestanden und sich zur Rückzahlung der Gelder bereit erklärt habe. Seine Familie und seine Anhänger sehen den wahren Hintergrund für die Verhaftung aber ohnehin in seiner ständigen Kritik am kommunistischen Regime.

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