So, 25. Februar 2018

Getarnte Leiberl

10.08.2011 10:23

Deutsche Neonazis mit "Trojaner-T-Shirts" überlistet

Mit einem gefinkelten Trick hat eine Neonazi-Aussteigerinitiative deutsche Rechtsextremisten überlistet. Auf einem einschlägigen Festival ließ das Aktionsbündnis vermeintliche Skinhead-T-Shirts mit Totenkopf und der Aufschrift "Hardcore Rebellen" verteilen. Zwar muteten die Leiberln martialisch an - doch nach dem Waschen offenbarten sie auf einmal eine ganz andere Aussage.

"Rock für Deutschland" heißt das Festival, zu dem etwa 600 Neonazis ins ostdeutsche Gera strömten. Die Aussteiger-Initiative "Exit" wollte nicht tatenlos zusehen und entwickelte einen ebenso dreisten wie pfiffigen Plan, um die Rechtsextremen quasi in ihrem eigenen "Wohnzimmer" zu übertölpeln. 250 vermeintliche Neonazi-T-Shirts ließen die Aktivisten drucken und über einen Strohmann an die Veranstalter des Konzertes übergeben. Dieser verteilte die Leiberl dann gratis am Einlass.

Der Clou an der Sache: Die Hemden waren "Trojaner-Shirts". Nach dem ersten Waschen verschwand die wasserlösliche, oberste Farbschicht. Darunter kam eine neue Botschaft zum Vorschein: "Was dein T-Shirt kann, kannst du auch - Wir helfen dir, dich vom Rechtsextremismus zu lösen", dazu die Kontaktdaten der Aussteigerinitiative Exit.

Getarnt als Kleiderspende verteilt
Weil sie als Kleiderspende eines fiktiven Nationalisten getarnt waren, gingen die "T-Hemden", wie sie in der Szene genannt werden, weg wie warme Semmeln. Doch bereits am zweiten Tag des Konzerts schlugen einige Besucher Alarm. Sie hatten die geheime Botschaft entdeckt.

Für die listige Aktion gab es dann aber sogar vereinzelt Lob vom "Gegner". In einem szenebekannten Neonazi-Forum schrieb ein User: "Wieso kamen wir nicht auf so was?" Einerseits sei die Aktion "ja fies", andererseits müsse man schon darüber lachen.

"Aktion direkt ins Milieu hineintragen"
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, zeigt sich Bernd Wagner, Mitbegründer von Exit und Geschäftsführer der "ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur", angesichts der Irritation bei den Neonazis "sehr zufrieden". Seine Initiative habe es mithilfe der T-Shirts geschafft, ihr Anliegen direkt ins Milieu hineinzutragen.

Sicher bringe so etwas keinen Rechtsextremisten dazu, seine fremdenfeindliche und antisemitische Ideologie von heute auf morgen zu überdenken. "Aber unser Name speichert sich in den Köpfen ab. Und wenn dann irgendwann mal einer darüber nachdenkt, die Szene zu verlassen, wird er sich an uns erinnern."

Initiative hilft Neonazis beim Ausstieg
Die Aussteigerinitiative Exit war 2004 ins Leben gerufen worden und hat laut eigenen Angaben bereits rund 400 Menschen bei dem nicht ungefährlichen Ausstieg aus der rechten Szene geholfen. Bei der "Operation Trojaner T-Hemd" hatte sich Wagner, wie er der "Süddeutschen Zeitung" erzählte, Hilfe von außerhalb geholt. Ein Marketing-Experte aus Hamburg, der anonym bleiben möchte, hatte mit ein paar Kollegen die Idee mit dem abwaschbaren Schriftzug. Sein Unternehmen zahlte auch für den Druck.

Bilder: Exit

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