Sa, 24. Februar 2018

Bonität gesenkt

06.08.2011 15:03

Großgläubiger China wirft den USA 'Schuldensucht' vor

Nach der Herabstufung der bislang makellosen US-Bonität am Freitagabend sind die Gläubiger in heller Aufregung - allen voran China, bei dem die USA mit mehr als einer Billion Dollar in der Kreide stehen. Die USA müssten ihre "Schuldensucht heilen", indem sie die Militär- und Sozialausgaben kürzen, hieß es in einem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Auch sonst sparten die Chinesen nicht mit Kritik.

Als hätten die späte Lösung der Schuldenkrise und der Absturz an den Börsen das Land nicht bereits genug erschüttert, spüren die USA jetzt auch noch den kalten Atem Chinas im Nacken. Das Reich der Mitte genießt nach der Herabstufung der US-Bonität durch die Agentur Standard & Poor's seine Machtposition und setzt die USA unter Druck. China habe "alles Recht, von den USA zu fordern, dass diese ihr strukturelles Schuldenproblem in den Griff bekommen und die Sicherheit von Chinas Dollar-Vermögen sicherstellen", hieß es in dem Kommentar der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Samstag.

Auch einen Ratschlag gaben die Chinesen ihrem Schuldner in die Hand: Der Weg aus der Krise führe über eine Kürzung der Sozial- und Rüstungsausgaben.

China fordert neue Reservewährung
"Die Zeiten, als sich die USA ihre Probleme einfach durch neues Schuldenmachen vom Hals hätten schaffen können, sind endgültig vorbei. Die Rolle des US-Dollars muss international überprüft werden", klingt es in dem Kommentar denn fast auch schon bedrohlich. Eine Option sei eine neue, stabile weltweite Reservewährung. Dadurch könne sichergestellt werden, dass nicht ein einziges Land eine Katastrophe auslöse.

Auch die staatliche chinesische Ratingagentur beteiligte sich am Samstag an der Treibjagd und stufte die US-Bonität von "A+" auf "A" zurück. Die US-Staatsanleihen, die einst als die weltweit unbestritten sicherste Geldanlage galten, werden damit nun bereits von zwei Agenturen niedriger bewertet als Anleihen von Ländern wie Österreich, Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder Kanada.

USA wehrten sich gegen Herabstufung erfolglos
US-Medien berichteten, die US-Regierung habe sich bis zuletzt vehement gegen die Herabstufung durch Standard & Poor's zur Wehr gesetzt. Dabei habe die Regierung der Agentur auch Rechenfehler vorgehalten.

Aus Japan und Frankreich gab es unterdessen Unterstützungsbotschaften für Washington. Das offizielle Berlin hielt sich am Samstag mit Kommentaren zu der Entwicklung vorerst zurück. CDU-Fraktionschef Michael Meister sagte lediglich: "Das ist ein gewaltiger Einschnitt. Das wird massive Folgen haben. Das bedeutet für den Haushalt der USA höhere Zinslasten. Das bedeutet, dass Zweifel in die Stabilität der Führungsmacht dieser Welt entstehen. Nach diesem Vorgang kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen."

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