Sa, 17. Februar 2018

Einsatzmarathon

04.08.2011 11:06

Heftige Unwetter wüteten in Kärnten und der Steiermark

In der Nacht auf Donnerstag sind in weiten Teilen der Steiermark, Kärntens und Tirols heftige Unwetter niedergegangen. Keller wurden durch den Starkregen überflutet, teilweise kam es auch zu Hagelschlag. Rund 50 Wehren mit Hunderten von Einsatzkräften pumpten in der Steiermark Wasser aus Kellern, reinigten Straßen von Muren und löschten einen Brand nach Blitzschlag. In Kärnten wurden Straßen unterspült und ganze Brücken von den Wassermassen mitgerisssen. In Tirol richtete Hagel schwere Schäden in der Landwirtschaft an.

Mit "Weltuntergangsstimmung" und "Horror" bezeichnete der Sprecher des steirischen Landesfeuerwehrverbandes, Thomas Meier, die Situation um Mitternacht: "Ich musste zum Einsatz im Bezirk Feldbach und fuhr durch eine weiße Wand. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23 km/h." Laut Christian Pehsl von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik wurde in Graz-Straßgang mit 66 Liter pro Quadratmeter die größte Niederschlagsmenge gemessen.

Am stärksten betroffen von Unwetter und Starkregen waren die Bezirke Murau, Voitsberg, Feldbach und Graz-Umgebung. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes traten an mehreren Stellen Bäche über die Ufer, Keller und Straßen wurden überflutet und Bäume entwurzelt. Auch zu Sicherungs- und Reinigungsarbeiten nach kleineren Muren mussten die Wehren ausrücken. In Auersbach bei Feldbach setzte Blitzschlag ein Wirtschaftsgebäude in Brand (weiteres Bild). Im Bezirk Murau musste u.a. die Murtalstraße B96 an der Landesgrenze zu Salzburg wegen Überflutungen und einer Hangrutschung vorübergehend gesperrt werden.

Im Bezirk Graz-Umgebung meldeten die Feuerwehren 51 Gebäude oder Keller "unter Wasser". Ein Pkw war in einer Unterführung vom Hochwasser eingeschlossen worden und musste von Helfern geborgen werden. Ebenfalls eingreifen mussten Feuerwehrkräfte, als bei einem kurzfristigen Stromausfall lebenserhaltende Maschinen eines Patienten ausgefallen waren. In Eggersdorf und Kainbach wurden Dächer teilweise abgedeckt, ein weiterer Einsatz war nötig, weil ein Baum auf ein Hausdach gefallen war.

In Graz gab es für 61 Mann der Berufsfeuerwehr alle Hände voll zu tun - Keller und Tiefgaragen mussten auspumpt, Äste von Straßen geräumt werden. Außergewöhnlich war der Einsatz aber nicht, wie Sprecher Alfred Pölzl bilanzierte: "Für Graz war das ein eher normaler Einsatz." Landesweit waren Donnerstag früh wieder alle Straßen frei passierbar.

Straßen und Brücken in Kärnten weggeschwemmt
In Kärnten waren die Bezirke St. Veit an der Glan und Wolfsberg am heftigsten betroffen. Laut Polizei wurden Straßen und Brücken teilweise weggeschwemmt. Eine Ortschaft - Langwiesen im Metnitztal in der Gemeinde Straßburg - war vorrübergehend von der Umwelt abgeschnitten.

Laut Feuerwehr Straßburg entstanden im Metnitz- und im Gurktal "große Schäden". Durch die heftigen Niederschläge kam es in den Straßburger Ortschaften Langwiesen, Kraßnitz, Machuli und Prekova zu Abgängen von Muren, Bäche verklausten, es gab Überschwemmungen. Die Prekova Landesstraße (L62c) wurde für den Schwerverkehr gesperrt. In Langwiesen wurden vier Brücken und zum Teil Fahrbahnen weggerissen.

"Drei Gehöfte dieser Ortschaft sind derzeit immer noch von der Umwelt abgeschnitten", sagte der Straßburger Bürgermeister Franz Pirolt. Vor allem die Schäden an Straßen seien "riesig": "Derzeit schätzen wir diese auf 200.000 bis 300.000 Euro. Wir haben aber noch nicht alle Schäden geortet", so der Gemeindechef. Baumaschinen zur "provisorischen" Instandsetzung von Straßenabschnitten seien bereits angerollt.

Auch im Stadtgebiet von Friesach im Bezirk St. Veit gingen schwere Gewitter nieder. Mehrere Keller und eine Tiefgarage wurden überflutet. Sämtliche Fahrzeuge mussten aus der Garage entfernt werden. In St. Salvator trat der Metnitzbach über die Ufer und überschwemmte die Metnitztallandesstraße. Diese musste laut Polizei bis 23.30 Uhr für den gesamten Verkehr gesperrt werden.

Murenabgänge und Hagelschäden auch in Tirol
In Tirol ist es am Mittwochabend zu mehreren Murenabgängen und Hagelschäden gekommen. Laut Polizei hatten Schlamm- und Geröllmassen gegen 18 Uhr die Defreggentalstraße (L25) im Gemeindegebiet von Hopfgarten in Osttirol verlegt. Kurze Zeit später sorgte auf der Felbertauernstraße (B108) ein Murenabgang im Gemeindegebiet von Matrei dafür, dass die Straße nur erschwert passierbar war.

In der Tiroler Landeshauptstadt verursachten Starkregen und Hagel zahlreiche Wasserschäden. Die Innsbrucker Feuerwehren mussten mit rund 170 Florianijüngern zu 70 Einsätzen ausrücken. Hauptsächlich wurde dabei Wasser aus Kellern und Tiefgaragen gepumpt. Der letzte Wasserschaden wurde gegen 22 Uhr abgearbeitet. Im Sellrain im Bezirk Innsbruck-Land gingen ebenfalls heftige Hagelschauer nieder.

Der Hagel verursachte besonders im Raum Innsbruck und im Zillertal (Bezirk Schwaz) massive Schäden in der Landwirtschaft. Nach ersten Erhebungen der österreichischen Hagelversicherung beschädigten die Eiskörner rund 600 Hektar Agrarfläche. Der vorläufige Schaden wurde in einer Aussendung mit 500.000 Euro beziffert. Betroffen seien vor allem Gemüse, Obst, Maiskulturen und Grünland.

In Scharnitz im Bezirk Innsbruck-Land schlug ein Blitz in den Dachstuhl eines Hauszubaus ein. Die Feuerwehr musste einen Teil des Dachstuhls und der Dämmung abtragen, da es infolge des Blitzeinschlags zu einem Glimmbrand gekommen war. Bei dem Feuer wurde niemand verletzt.

Vermutlich wegen der regennassen Fahrbahn war eine 49-jährige Pkw-Lenkerin gegen 19.45 Uhr auf der Mieminger Straße (B189) bei Telfs (Innsbruck-Land) ins Schleudern geraten und in einen rund fünf Meter tiefen Graben gestürzt. Die Schwerverletzte wurde mit einem Notarzthubschrauber in das Krankenhaus Zams geflogen.

ZAMG registriert rund 7.000 Blitze
Die insgesamt etwa 7.000 Blitze, die von Mittoch auf Donnerstag in Österreich registriert wurden, schlugen laut ZAMG vor allem entlang des Alpenhauptkamms ein. Von den Gewittern betroffen waren neben der Steiermark, Kärnten und Tirol ebenso Teile Salzburgs und das Süd- und Mittelburgenland.

Das wechselhafte Wetter dürfte Österreich jedenfalls erhalten bleiben. Allerdings könnten sich bis Freitagvormittag die Wolken etwas lichten, danach dürfte es aber vor allem im Westen und Süden wieder vermehrt zu Regenschauern und Gewittern kommen.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
WAC chancenlos
3:1! Admira stürmt auf Platz drei
Fußball
„Großartige Saison“
Kammerlander gewinnt Naturbahn-Gesamtweltcup
Wintersport
Strache im Interview
Gehen Sie zu weit, Herr Vizekanzler?
Österreich
Primera Division
FC Barcelona mit Pflichtsieg in Eibar
Fußball
„Müssen uns bemühen“
EU will sich von Trump emanzipieren
Welt
„Kampfeslustig“
Die Grünen planen 2019 ihr Comeback
Österreich
Für den Newsletter anmelden