Mi, 21. Februar 2018

Fall Kampusch

02.08.2011 11:28

Richter übermittelt Akt der Innsbrucker Staatsanwaltschaft

Im Ermittlungsverfahren gegen fünf Staatsanwälte wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs im Fall Natascha Kampusch hat Ermittlungsrichter Georg Putz die Beweisaufnahme abgeschlossen und den Akt der Staatsanwaltschaft Innsbruck übermittelt. Das gab Hansjörg Mayr, der Sprecher der Anklagebehörde, am Dienstag bekannt. Anfang September sollen in der Causa weitere Entscheidungen getroffen werden.

Die Staatsanwaltschaft will laut Mayr die Beweisergebnisse, darunter die Vernehmungsprotokolle der Beschuldigten sowie von Zeugen wie dem früheren Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Ludwig Adamovich, und der einzigen Zeugin der Entführung, bis Anfang September prüfen. Neben den Vernehmungsprotokollen würden auch bei Gericht eingelangte Stellungnahmen und Unterlagen zur Prüfung herangezogen. Inhaltlich wollte Mayr zu den Verfahrensergebnissen keinen Kommentar abgeben.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck wird nach der Übermittlung der Ergebnisse prüfen, ob die Beweisaufnahme ausreiche oder nicht, hatte Richter Putz bereits während der Vernehmungen erklärt. Dann werde die Behörde eine Anklageerhebung oder eine Einstellung des Verfahrens beschließen. Außerdem gehe ein Vorhabensbericht an das Justizministerium. Dieses müsse einer Anklage beziehungsweise einer Einstellung entweder zustimmen, den Schritt ablehnen oder eine neue Beweisaufnahme anordnen, erläuterte der Ermittlungsrichter das Prozedere.

Zeugin am Freitag erneut vernommen
Am Freitag war die einzige Zeugin der Entführung im Jahr 1998, eine heute 25-jährige Frau, vernommen worden. Sie hatte lange Zeit von zwei Tätern gesprochen und diese Aussage schließlich 2009 revidiert. Die Entführungszeugin hatte ursprünglich gegenüber der Polizei ausgesagt, damals als Zwölfjährige zwei Männer dabei beobachtet zu haben, wie sie die zehnjährige Kampusch in ein Auto gezerrt hätten.

Beschuldigte entschlugen sich "überraschend" der Aussage
Zwei der beschuldigten Staatsanwälte, der Leiter der Wiener Oberststaatsanwaltschaft, Werner Pleischl, und der Leiter der Staatsanwaltschaft Graz und ehemalige Sonderermittler in der Causa Kampusch, Thomas Mühlbacher, hätten Ende Juni in Innsbruck einvernommen werden sollen. Beide entschlugen sich "überraschend" der Aussage, erklärte Putz damals. Diese und weitere Aussagen des Richters sorgten anschließend justizintern für Aufregung. Pleischl brachte einen Ablehnungsantrag gegen Putz ein, dem kurz darauf vom Landesgericht Innsbruck nicht stattgegeben wurde.

Als Zeuge wurde neben der 25-jährigen Frau und Adamovich auch der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofs, Johann Rzeszut, befragt. Beide wollten am Rande der Vernehmungen keine inhaltlichen Stellungnahmen abgeben. Adamovich meinte lediglich, das Ermittlungsverfahren am Landesgericht Innsbruck sei "in guten Händen".

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden