Sa, 17. Februar 2018

Firma niedergebrannt

01.08.2011 14:59

Brandstiftung in Firma: 4 1/2 Jahre für Ex-Mitarbeiter

Zu viereinhalb Jahren unbedingter Haft wegen Brandstiftung und schwerer Sachbeschädigung ist am Montag am Landesgericht Innsbruck ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma "HWC-Hygienic Water Consulting GmbH" verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft erbaten sich Bedenkzeit.

Der 28-jährige Tiroler muss außerdem rund 100.000 Euro Entschädigung an die Privatbeteiligten des Verfahrens zahlen. Das Strafausmaß erhöht haben laut Richter Thomas Dampf einschlägige Vorstrafen des Angeklagten, der äußerst hohe Sachschaden von 700.000 Euro sowie die Verletzten des Brandanschlags. Nur wegen des Geständnisses sei der Senat knapp unter der Hälfte der maximalen Strafandrohung von zehn Jahren geblieben, sagte Dampf.

"Hatte immer das Gefühl, ich bin ihr was schuldig"
Der 28-Jährige hatte sich zuvor schuldig bekannt und seine ehemalige Chefin belastet, ihn zu der Tat angestiftet zu haben. Die Firmeninhaberin, gegen die derzeit Ermittlungen geführt werden, bestritt bisher jedoch alle Vorwürfe. Die Frage einer möglichen Anstiftung bleibt daher weiter offen. Die Ermittlungen seien noch nicht zu Ende, hieß es von der Anklagebehörde. "Der Abschlussbericht wird bald kommen", so Staatsanwältin Renate Nötzold am Montag.

"Ich hatte immer das Gefühl, ich bin ihr was schuldig", sagte der Angeklagte im Prozess über sein Verhältnis zu seiner Chefin. Sie sei eine Art Mutterersatz für ihn gewesen und habe ihm bereits während seiner Haftzeit als Freigänger vor einigen Jahren ermöglicht, in der Firma einen Job zu bekommen. Außerdem habe sie ihm auch sonst mehrmals finanziell ausgeholfen.

Als die Frau dann Anfang November des vergangenen Jahres auf ihn zugekommen sei, habe sie angesichts der "total schlechten finanziellen Situation" des Unternehmens zu ihm gesagt: "Ich hätte eine Lösung, wie wir kurzfristig zu Geld kommen." Außerdem habe sie ihm für den Fall der Brandlegung auch die Begleichung von 3.300 Euro an Lohnrückständen sowie einen "Bonus" für die Tat in Aussicht gestellt. Letztendlich habe er sich dann nicht zuletzt aus einer finanziellen Notlage heraus dazu "überreden lassen".

Brandbeschleuniger "wahllos und ausgiebig" verschüttet
Der Firmeninhaberin sei es bei der Brandlegung auch darum gegangen, Unterlagen und Akten zu vernichten, die "belastend" sein können, erzählte der 28-jährige Beschuldigte. Laut der Staatsanwältin zündete der Tiroler letztlich nicht nur - wie ursprünglich geplant - 200 Ordner an, sondern verschüttete das Öl- und Benzingemisch "wahllos und ausgiebig" in den Büroräumen.

Durch eine explosionsartige Verpuffung breitete sich das Feuer über das ganze Gebäude aus und richtete nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen Schaden von über 700.000 Euro an. Das Büro der Firma brannte vollständig aus, zum Teil wurde das Mauerwerk umgeworfen. Bewohner mussten evakuiert werden und wurden zum Teil verletzt. Im April 2011 wurde schließlich über das Vermögen der Firma ein Konkursverfahren eröffnet (siehe Infobox).

Ursprünglich hatte der Verdächtige im November angegeben, selbst Opfer des Brandanschlags geworden zu sein. Nach der Explosion in dem Bürogebäude hatte der Firmenwagen des Mitarbeiters in Hall Feuer gefangen und war ausgebrannt. Er sei bei Lösch- und Bergeversuchen verletzt worden, gab der Beschuldigte damals an. In der Verhandlung gestand er, dass er sich bei der Brandlegung schwere Verletzungen zugezogen hatte und diese mit Löschversuchen am Auto gegenüber der Kriminalpolizei erklären wollte. Er habe damit von sich ablenken wollen.

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