Do, 22. Februar 2018

Fall "D.B. Cooper"

01.08.2011 10:45

FBI hat nach 40 Jahren Hinweis auf Flugzeugentführer

Einer der mysteriösesten Kriminalfälle der letzten Jahrzehnte könnte nun kurz vor der Klärung stehen. Am 24. November 1971 entführte ein Mann, der sich selbst als D.B. Cooper oder Dan Cooper bezeichnete, ein Flugzeug und sprang nach der Lösegeldübergabe mit einem Fallschirm aus der Boeing 727. Bis heute ist der Mann, dessen Identität nie geklärt wurde, spurlos verschwunden. Jetzt will das FBI nach fast 40 Jahren einen "glaubhaften Hinweis" auf den Täter haben.

Ayn Sandalo Dietrich, eine Sprecherin des FBI, teilte am Sonntag der "Seattle Times" mit, dass die US-Behörde einen Hinweis auf die Identität von Cooper erhalten hatte. Der Tipp sei von einem Mitglied der Polizeibehörde gekommen und hätte die Ermittler zu einer Person geführt, die Informationen zu dem gesuchten Mann (Bild) hatte. "Derzeit prüfen wir, wie glaubwürdig diese Informationen sind", so Dietrich zu dem Blatt.

Die FBI-Sprecherin bezeichnete die Hinweise als "die glaubwürdigsten Informationen, die wir in dieser Sache jemals hatten", bekräftigte allerdings, dass die Ermittler noch weit davon entfernt seien, den Fall zu knacken. Genaue Details wollte Dietrich nicht verraten, aber sie gab an, dass es sich um einen Gegenstand handelte, der offenbar im Besitz von Cooper war und sich derzeit in einem Labor für forensische Untersuchungen befände.

"Ich habe eine Bombe in meiner Aktentasche"
An jenem Mittwoch im November 1971 – es war der Tag vor Thanksgiving – bestieg der unter dem Namen Dan Cooper reisende Mann in Portland die Maschine der Northwest Orient Airlines Richtung Seattle. Kurz nachdem das Flugzeug in der Luft war, übergab Cooper der Stewardess Florcence Schaffner einen Zettel, auf dem stand: "Ich habe eine Bombe in meiner Aktentasche. Falls nötig, werde ich von ihr Gebrauch machen. Ich möchte, dass Sie sich neben mich setzen. Das ist eine Entführung." Schaffner verständigte den Piloten, und die Flugsicherheitsbehörde entschied daraufhin, mit Cooper zu kooperieren.

Der Entführer forderte 200.000 US-Dollar sowie vier Fallschirme. Zuvor hatte er seinen Koffer einen Spalt geöffnet und der Stewardess rote Drähte und Zylinder gezeigt. Ob er tatsächlich Sprengstoff mit an Bord gebracht hatte, ist bis heute unklar. Als das Flugzeug auf dem Zielflughafen Seattle landete, ließ Cooper die Passagiere im Austausch gegen das von ihm geforderte Geld und die Fallschirme - für den Kapitän, den Copiloten, die Stewardess und ihn selbst – frei. Dann zwang er die Crew, noch einmal zu starten und in relativ niedriger Höhe mit geringer Geschwindigkeit Richtung Mexiko zu fliegen.

Entführer sprang in die Nacht
Irgendwann, als sich die Maschine über dem Südwesten des Bundesstaates Washington befand, sprang der Entführer mit seinem Fallschirm über die ausgefahrene, hintere Treppe der Maschine ab. Das Lösegeld trug er bei sich. Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse konnten die nachfolgenden F-106-Kampfjets allerdings nicht ausmachen, wo Cooper runterging.

Von diesem Zeitpunkt an war der Mann spurlos verschwunden. Das FBI verhaftete kurz danach einen Mann namens D.B. Cooper, ließ ihn aber kurz danach wieder frei. Dieser Mann wurde nie als dringend tatverdächtig angesehen, wie das FBI im Nachhinein betonte. Am 13. Februar 1980 fand eine Familie bei einem Picknick 5.800 Dollar am Ufer des Columbia River, acht Kilometer nordwestlich von Vancouver in Washington. Die Seriennummern der 20-Dollar-Scheine stimmten mit jenen des Lösegelds überein, doch der Rest des Geldes wurde nie gefunden.

Überlebte er den Fallschirmsprung?
Viele Kriminalisten glauben bis heute, dass Cooper den Absprung nicht überlebt hat. Für diese Theorie spricht sich der damals ermittelnde FBI-Agent Larry Carr aus, der davon ausgeht, dass Cooper keine Erfahrung als Fallschirmspringer hatte: "Wir dachten ursprünglich, dass Cooper ein erfahrener Springer gewesen sei, vielleicht sogar ein Fallschirmjäger. Nach einigen Jahren kamen wir zu dem Schluss, dass das einfach nicht stimmte. Kein erfahrener Fallschirmspringer würde bei pechschwarzer Nacht im Regen mit Gegenwind um 320 km/h, bekleidet mit einem Trenchcoat und Straßenschuhen, mit dem Fallschirm über unbekanntem Gebiet abspringen. Es ist einfach zu riskant. Er hatte auch nicht realisiert, dass sein Reservefallschirm nur für Trainingszwecke gedacht war und zugenäht war, ein Umstand, der einem erfahrenen Fallschirmspringer nicht entgangen wäre."

Das FBI hat im Fall D.B. Cooper bislang über 1.000 Hinweise verfolgt und mehrere dringend Tatverdächtige einvernommen, doch bislang lieferte nichts die entscheidende Spur zur Identität oder zumindest dem Verbleib des Flugzeugentführers. 2007 nahm eine Sonderkommission für ungelöste Fälle die Ermittlungen wieder auf. Auch ein Bild, wie der Entführer heute aussehen könnte, wurde veröffentlicht (weitere Bilder). Der Fall ist bis heute die einzige ungelöste Flugzeugentführung in der Geschichte der USA.

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