Fr, 20. Oktober 2017

Handystrahlung

28.07.2011 11:17

Handys erhöhen Tumorrisiko bei Kindern wohl nicht

Handystrahlen verursachen bei Kindern und Jugendlichen "wohl" keine Hirntumore. Zu diesem Schluss kommt eine Studie mit Schweizer Beteiligung. Wie sie im "Journal of The National Cancer Institute" berichten, ist das Tumorrisiko von Handynutzern auch fünf Jahre nach dem ersten Gebrauch nicht statistisch signifikant erhöht. Völlige Entwarnung geben können oder wollen die Forscher allerdings nicht.

Handys sind für Kinder und Jugendliche aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch die von den Geräten ausgehende Strahlung weckt Ängste. Gerade die noch im Wachstum befindlichen Körper von Kindern, so wird befürchtet, könnten besonders empfindlich auf die Mikrowellenstrahlung der Mobiltelefone reagieren.

Eine Hauptsorge ist, dass das ans Ohr gehaltene Handy das Risiko von Hirntumoren erhöhen könnte. Studien bei Erwachsenen lieferten dazu widersprüchliche Resultate. Erstmals haben nun Forscher des mit der Universität Basel assoziierten Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts die Frage bei Kindern und Jugendlichen untersucht.

Studie in vier Ländern
Das Team um den Epidemiologen Martin Röösli schloss gemeinsam mit Kollegen aus Dänemark, Norwegen und Schweden 352 Kinder und Jugendliche in die Studie ein, bei denen zwischen 2004 und 2008 ein Gehirntumor festgestellt wurde, und verglich dabei den Handygebrauch der Patienten vor der Diagnose mit jenem von 646 zufällig ausgewählten Kontrollpersonen mit gleichem Alter, Geschlecht und gleicher Wohnregion.

Von den Hirntumor-Patienten gaben 75 Prozent an, vor der Diagnose mehr als 20 Mal mit dem Handy telefoniert zu haben. Bei den Kontrollpersonen waren es 72 Prozent. 55 Prozent der Patienten und 51 Prozent der Kontrollgruppe waren laut eigener Aussage regelmäßige Mobilfunknutzer. Beides sind geringe, am ehesten zufällige Unterschiede.

Daten der Mobilfunkbetreiber
Für etwa ein Drittel der Studienteilnehmer standen den Forschern von Mobilfunkbetreibern aufgezeichnete Daten zum Handygebrauch zur Verfügung. Solche Daten gelten als verlässlicher als Befragungen, bei denen Probanden selber aus der Erinnerung angeben müssen, wie oft sie in einem bestimmten Zeitraum telefoniert haben.

In dieser Untergruppe fanden die Forscher einen signifikanten Zusammenhang: Jugendliche, die schon lange ein Handy besaßen, hatten ein rund doppelt so hohes Tumorrisiko wie nicht regelmäßige Handynutzer. Beim tatsächlichen Gebrauch verschwand der Effekt aber: Vieltelefonierer hatten demnach nicht öfter Tumore als Wenigtelefonierer.

Auch die Art der Tumore deute laut Röösli darauf hin, dass kein Zusammenhang zur Handynutzung besteht: Die Tumore traten nicht häufiger in den Hirnregionen auf, die während eines Telefonats am stärksten bestrahlt werden. So gab es zum Beispiel nicht mehr Tumore in der Kopfhälfte, an welche die Patienten ihr Handy hielten.

Einige Unsicherheiten bleiben
Trotzdem bleiben Unsicherheiten. Weil Hirntumore im Kindesalter selten sind, war die Zahl der Probanden nicht sehr groß. Zudem benützten die Studienteilnehmer das Handy relativ selten. Aufgrund der Studie könne ein kleines Risiko nicht ausgeschlossen werden, sagte Röösli: Etwa dass Handys zu ein oder zwei zusätzlichen Tumorfällen pro 100.000 Personen und Jahr führten.

Allerdings müsste sich ein solches Risiko in einem Anstieg der Häufigkeit von Hirntumoren niederschlagen. Doch aktuelle Zahlen aus Schweden und auch den USA zeigen, dass die Rate der Neuerkrankungen in den letzten 20 Jahren nicht angestiegen ist. Mit Krebsregistern sollte die Entwicklung aber auf jeden Fall weiter verfolgt werden, empfiehlt Röösli.

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