Mi, 22. November 2017

Urlaub wie damals

08.07.2011 16:32

Auf Sommerfrische in den Wiener Hausbergen

Semmering, Rax, Schneeberg: Die Alpen von Wien genossen schon vor mehr als 100 Jahren ihren ersten touristischen Höhepunkt. Und erleben jetzt eine romantische Renaissance. Eine Zeitreise ins mondäne Mekka der alpinen Sommerfrische wie anno dazumal.

Alma Mahler hat hier gelebt – und leidenschaftlich geliebt. Oskar Kokoschka gemalt. Franz Werfel, Stefan Zweig, Sigmund Freud oder Arthur Schnitzler haben ebenfalls ihre Spuren in dieser Gegend, die man noch immer mit einem echten Weltkulturerbe - der Semmeringbahn - ganz gemütlich von Wien aus erreichen kann, hinterlassen.

Wir begeben uns erst einmal auf historische Zeitreise: Reichenau wurde geadelt durch den regelmäßigen Besuch der Habsburger. Franz Joseph selbst trug zum imperialen Aufschwung bei, indem er von 1859 bis 1864 jeden Sommer die Rudolfsvilla für seine Kinder Rudolf und Gisella anmietete.

Flucht aus der Großstadt
Ein wenig später entdeckt auch das jüdische Großbürgertum der Gründerzeit die Sommerfrische zwischen Rax und Schneeberg. Ein eigener Baustil entsteht. Man versteht zu repräsentieren. Aber auch die Vorteile einer ganz besonderen Gegend zu genießen: kristallklares Wasser – besser als jeder französische Champagner –, eine Luft, die tief durchatmen lässt, während Wien in Dunst, Hitze und Schmutz versinkt.

Garniert wird das alpine Arrangement mit einer Berglandschaft, die vor allem Freigeister und Vordenker Gedanken auf Reisen schicken lässt. So schrieb etwa Peter Altenberg unter dem Titel Blick von der Rax: "Grellweiße Steine, gelbgrüne Wiese mit nassen Stellen. Schwarze Krumm-Kiefern. Hellgraue, vom Winde ausgelaugte Bäume. Hier werden keine kleinen Kinder malträtiert. Hier wünscht niemand Sektionsrat zu werden. Hier fällt Regen, saust Wind. Hier fällt Schnee, braust Sturm."

Rax oder Semmering – ein ewiges Streitthema
Bei unserem Besuch auf der Rax, deren Gipfel man nach nur 8-minütiger Fahrt mit der modernen Bahn erreicht, erwartet uns Sonnenschein. Wir blicken auf tiefgrüne Hänge, über dereinst schon Sigmund Freud mit seiner Tochter Anna spaziert. Philosophieren bei Würsteln mit Senf über das ewige Streitthema Rax oder doch lieber Semmering.

Wir werden von Einheimischen rasch – und sehr dezidiert - aufgeklärt: Die Rax wurde und wird schon seit jeher von echten Bergsteigern aufgesucht, der Semmering mit seinem im Dornröschenschlaf versunkenen Südbahnhotel und dem imposanten Panhans war den noblen – ein wenig zur Dekadenz neigenden – Sommerfrischlern vorbehalten.

Alma Mahlers Residenz
Jetzt gilt es aber noch einen Abstecher ins Loos-Haus zu machen. Nur einen Steinwurf vom ehemaligen Anwesen Alma Mahlers gelegen, liegt das schwarze Holzhaus. Schnörkelfreie Architektur. Puristisch. Reduziert aufs Wesentliche.

Dafür trägt die Natur groß auf. Saftige Heu-Hänge vor sonnengebleichtem Fels-Hintergrund. Gipfel, die auch jetzt – im Sommer – mitunter noch Schnee tragen. Dazwischen tiefes Tannengrün. Bunte Schmetterlinge tanzen im Wind. Bienen summen Sommerlieder. Wir baden im Schatten – und in der schönen Gewissheit, dass man einen "Sommer wie damals" in den Wiener Alpen immer noch erleben kann.

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