Mo, 20. November 2017

Premiere im Oberhaus

04.07.2011 14:24

Admira-Coach: „Der Kühbauer ist kein Schmähbruder“

Als Trainer hat der ehemalige Teamspieler Dietmar Kühbauer die Admira nach fünf Jahren in die tipp3-Bundesliga zurückgeführt - und das als Jungcoach, der erst seit drei Jahren an der Seitenlinie steht. Im Interview spricht der einstige Heißsporn über seine Premiere in Österreichs Oberhaus und den Rollenwechsel vom Spieler zum Coach, der zwar auflockern will, aber kein "Schmähbruder" ist.

Was sagen Sie hinsichtlich des Saisonstarts zur Auslosung mit dem Geisterspiel bei Rapid im Hanappi-Stadion und dann drei Heimspielen gegen die direkten Abstiegskonkurrenten Kapfenberg, Wiener Neustadt, Mattersburg?
Dietmar Kühbauer: "Eine komische Auslosung. Das Auswärtsspiel im Hanappi ist aber sicher ein kleines Plus für uns. Zumindest können mich dort auch die Spieler auf der anderen Seite hören... Aber der Rest ist nicht ungefährlich. Du kannst im Hanappi verlieren, dann zu Hause nur unentschieden spielen, und dann kommt schon der Druck."

Druck, den die Spieler im Vorjahr kaum verspürt haben.
Kühbauer: "Wir haben eine überragende Saison gespielt, nur einen kleinen Hänger gehabt. Man wird heuer auch sehen, wie die Psyche der Spieler ist, wie sie das verkraften. Dieser Prozess muss passieren."

Geänderte Anforderungen an die Psyche sind das eine. Was wird sich spielerisch ändern?
Kühbauer: "Ich habe eine gewisse Philosophie, an der wird sich nicht so viel ändern. Wir wollen auch in der Bundesliga nach vorne spielen. Der erste Blick ist in die Tiefe gerichtet, es wird jedenfalls laufaufwendig. Natürlich können wir nicht auf Teufel komm' raus spielen, natürlich wird das vom Gegner abhängen. Aber es wird kein Catenaccio geben. Die Spieler sind taktisch gut geschult. Wir werden jedenfalls mit Risiko spielen, das gehört dazu. Das Gerede vom kalkulierten Risiko ist Blödsinn."

Was verlangen Sie von ihren Spielern?
Kühbauer: "Qualität ist Grundvoraussetzung, und die ist vorhanden. Ansonsten will ich vor allem Eigenverantwortung. Wenn ein 25-Jähriger seine Laufwege nicht kennt, dann kann ich es ihm nicht mehr beibringen. Laufwege sind natürlich wichtig, aber ich will keine Roboter."

Sie pflegen einen scheinbar lockeren Umgang mit ihren Spielern. Was wollen Sie damit erreichen?
Kühbauer: "Ich rede mit den Spielern, versuche einiges über sie herauszufinden. Ich will einen guten Draht zu ihnen haben. Ich will nicht, dass ich irgendwo oben bin und sie unten. Menschlichkeit ist das Wichtigste. Ich bin nichts ohne euch und ihr seid nichts ohne mich. Das will ich ihnen vermitteln."

Darf da auch der Schmäh rennen?
Kühbauer: "Ich will auflockern, aber der Kühbauer ist kein Schmähbruder. Schmäh ist gut, aber mit Maß und Ziel."

Was hat der Rollentausch vom Spieler zum Trainer in Ihnen verändert?
Kühbauer: "Als Spieler glaubst du, alles zu wissen. Jetzt sehe ich das anders. Und heute sind die Jungen besser ausgebildet, sind interessiert. Da musst du vorbereitet sein. Als Spieler ist es mit dem Training abgeschlossen, für einen Coach nicht."

Wie viel Zeit bringen Sie für den Fußball auf?
Kühbauer: "Zu viel, das ist fix, ich habe ja auch eine Familie. Ich kann Leute nicht hören, die sagen: 'Ich lebe Fußball.' Es ist nicht leicht, abzuschalten. Zum Glück gelingt mir das mit meinen Kindern ganz gut."

Sie sind oft als "positiv Verrückter" bezeichnet worden. Was ist das?
Kühbauer: "Das heißt, dass ich ein bisserl deppert war (lacht). Als Spieler war ich eben so, dass ich es nicht leiden konnte, wenn man sich aufgibt. Aber wenn man mir dann manchmal gezeigt hat, was ich nach dem Spiel gesagt habe, dann habe ich schon gedacht: 'Das kann doch nicht ich sein'. Aber 'positiv Verrückter' ist schon in Ordnung. Besser als nur Verrückter."

Sie waren als Spieler für die Medien oft ein dankbarer Interviewpartner, der mit markigen Aussagen nicht gegeizt hat. Wird es das jetzt auch als Bundesliga-Trainer geben?
Kühbauer: "Nein. Ich werde mich im Zaum halten. Ich rede nicht einmal gern vor Kameras. Ich bin sicher nicht da, um Emotionen zu zeigen."

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