Di, 12. Dezember 2017

Blitzprozess in Ried

22.06.2011 12:05

"Obama-Räuber" zu zwölf Jahren Haft verurteilt

Zwölf Jahre Haft für sieben Banküberfälle in Oberösterreich: So lautet das am Mittwoch gefällte Urteil gegen den "Obama-Räuber". Der 45-jährige Deutsche, der bei seinen Coups immer eine Faschingsmaske mit dem Konterfei des amerikanischen Präsidenten bzw. einmal eine mit dem der deutschen Kanzlerin Angela Merkel trug, zeigte sich vor dem Rieder Landesgericht reumütig und geständig.

Als Motiv nannte der Angeklagte, der bereits wegen einer Bankraubserie in Deutschland eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt hatte, Geldnot. Er hatte nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis 2006 zwar gearbeitet, nach einem langen Krankenstand und dem Konkurs seines Brötchengebers aber keinen Job mehr gefunden. Als ihm auch noch Hartz IV gestrichen worden sei, habe er einfach nicht mehr genug zum Leben gehabt.

Von Bayern aus in OÖ zugeschlagen
Seinen ersten Coup nach seiner Haftentlassung in Deutschland beging der 45-Jährige, der zuletzt in Bayern lebte, am 21. November 2008 in Weilbach (Bezirk Ried im Innkreis). Es folgten weitere in Maria Schmolln, St. Johann am Walde, Handenberg (alle Bezirk Braunau), ein Überfall sowie ein Versuch in Kirchheim (Bezirk Ried im Innkreis) und zuletzt in Fornach (Bezirk Vöcklabruck). Dort klickten Ende März dieses Jahres die Handschellen. Der Mann wurde geschnappt, während er im Wald die Fahndung abwarten wollte. Die Banküberfälle gestand er am Tag darauf bei der polizeilichen Einvernahme.

Die Vorgehensweise des "Obama-Räubers" war immer gleich. Er kundschaftete zuerst mittels Straßenkarte aus, wie lange die Polizei zur Filiale brauchen würde. Vor dem Überfall versteckte er sich mit seinem Auto im Wald und montierte gestohlene Kennzeichen. Nach den Coup kehrte er in den Forst zurück, versteckte dort Maske sowie Beute und wartete die Alarmfahndung ab. Das Geld ließ er einige Tage im Wald liegen und holte es erst dann ab.

Überfälle mit Gaspistole, weil "gewisser Nachdruck" nötig
Der 45-Jährige war bei seinen Überfällen stets mit einer alten Gaspistole bewaffnet und bedrohte damit Angestellte und Kunden. "Ich weiß, dass ich sie in Angst und Schrecken versetzt habe, aber man muss in eine Bank mit einem gewissen Nachdruck hineingehen", sagte er vor Gericht. Er habe aber nie jemanden verletzen wollen. Er sei nur auf das Geld aus gewesen und habe so schnell wie möglich wieder aus der Filiale hinaus wollen.

Mit der Beute - insgesamt gut 87.000 Euro - zahlte der 45-Jährige seine Schulden und bestritt seinen Lebensunterhalt. Seine finanzielle Notlage wurde neben seinem reumütigen Geständnis vom Gericht als mildernd gewertet. Erschwerend war die Wiederholung und die frühere Bankräuber-Karriere des Mannes.

Höchststrafe lag bei 15 Jahren - Urteil nicht rechtskräftig
Bei einem Strafrahmen von zehn bis 15 Jahren fasste der Bayer am Mittwoch schließlich zwölf Jahre aus. Zudem muss er Kostenersatz leisten. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, der Verteidiger erbat Bedenkzeit. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Die "Obama"-Maske wird übrigens vernichtet. Üblicherweise wird zwar alles Verwertbare, das im Zusammenhang mit Straftaten sichergestellt wird, zugunsten der Staatskasse verwertet. "Die Maske wird aber niemand kaufen", war der Richter überzeugt.

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