Sa, 18. November 2017

Öffis „ungenügend“

20.06.2011 14:44

VP Wien und NÖ pochen auf U-Bahn-Ausbau ins Umland

Trotz geringer Erfolgsaussichten haben die Wiener und die niederösterreichische ÖVP erneut den Ausbau der U-Bahn ins Umland gefordert. Es gehe generell darum, die Öffi-Verbindung zwischen der Bundeshauptstadt und dem Umland zu verbessern - diese sei nämlich "ungenügend", kritisierten der nicht-amtsführende Stadtrat Wolfgang Gerstl und der niederösterreichische Landtagsabgeordnete Lukas Mandl am Montag. Ein präsentiertes Drei-Punkte-Maßnahmenpaket beinhaltet neben dem U-Bahn-Ausbau eine Intervall-Verdichtung im S-Bahn-Verkehr und günstigere Park-and-Ride-Anlagen.

Gerstl pochte in der Pressekonferenz insbesondere auf die Ausdehnnung des U-Bahn-Netzes über die Stadtgrenze hinaus. Dieser sei eine "notwendige Vision", erklärte er. In den kommenden 25 Jahren sei nämlich in den umliegenden Gemeinden ein Bevölkerungswachstum von 30 Prozent zu erwarten. Wenn es nach der ÖVP geht, könnte die U1 künftig bis Gerasdorf, die U3 bis Schwechat und die U4 bis Purkersdorf und Klosterneuburg fahren.

Park-and-Ride bisher zu teuer?
Mandl betonte in Hinblick auf die geforderten Verbesserungen im Öffi-Verkehr: "In Niederösterreich ist der politische Wille da, in Wien fehlt er." Was die U-Bahn-Verlängerung betrifft, sind laut Mandl die Grünen in dieser Frage zerstritten und die SPÖ hat aus einem simplen Grund ein leichtes Spiel: "Die SPÖ Wien hat bei den Wiener Linien eine parteipolitische Vormachtstellung", stellte er fest. Würde die U-Bahn über die Kommunengrenze - also die Stadtgrenze Wiens - hinausgeführt werden, dann sei der Betrieb der betroffenen Linie ausschreibungspflichtig. Unternehmen aus ganz Europa könnten sich dann darum bewerben. Ob sich Niederösterreich am Ausbau finanziell beteiligen würde, das wurde in der Pressekonferenz nicht erwähnt.

In dem von der ÖVP vorgeschlagenen Maßnahmenpaket ist auch die Intervall-Verdichtung im S-Bahn-Verkehr vorgesehen. Insbesondere morgens und abends müsse ein 15-Minuten-Takt eingeführt werden. Park-and-Ride-Anlagen sollen günstiger werden. Im rot-grün regierten München würde die Tageskarte etwa 50 Cent kosten, verdeutlichte er. Als Variante schlug Gerstl vor, das Parkticket mit dem Öffi-Fahrschein zu kombinieren.

Mandl: "Außenzonen sind zu groß"
Die beiden ÖVP-Politiker schlugen außerdem die Einführung von "High occupied vehicles lanes" vor. Dabei sollen Busspuren für pendelnde Fahrgemeinschaften geöffnet werden. Diese sollen dadurch "bevorzugt" zur nächsten U-Bahn-Haltestelle kommen, erklärte Gerstl. "Es ist nicht das Ziel, dass sie quer durch Wien fahren können", betonte er. Mandl forderte außerdem eine "faire Preis- und Tarifstruktur" im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR). Dem VOR gehören neben Wien auch Niederösterreich und das Burgenland an. Mandl wünschte sich insbesondere kleinere Zonen: "Die Außenzonen sind zu groß."

Grüne: U-Bahn nach Niederösterreich "unrealistisch"
Kritik hagelte es bereits am Montag von der rot-grünen Stadtregierung. Die Volkspartei wärme "unausgegorene Ideen" auf, betonte Verkehrssprecher Karlheinz Hora. Er verwies auf das rot-grüne Regierungsübereinkommen, in dem festgehalten sei, dass sich Wien für den Ausbau des Öffi-Verkehrs auch außerhalb der Stadtgrenze einsetzen wolle. Für die Grünen ist eine U-Bahn nach Niederösterreich "unrealistisch".

Für den Ausbau des Öffi-Verkehrs brauche es "aber auch Bewegung in Niederösterreich", erklärte Hora. Daher seine Aufforderung: Gerstl Mandl wären gut beraten, sich zunächst an Landeshauptmann Erwin Pröll zu wenden und ihm ins Gewissen zu reden. Wenn Pröll schon säumig in der Schaffung neuer Arbeitsplätze in Niederösterreich sei, so solle er wenigstens daran arbeiten, die Pendler, die in Wien eine Arbeitsstelle gefunden haben, bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zu unterstützen, forderten die Sozialdemokraten. Er erinnerte auch daran, dass der schwarze niederösterreichische Verkehrslandesrat Karl Wilfing der U-Bahn-Verlängerung bereits eine Absage erteilt habe.

Schnellbahnen sowieso schon parallel zu U-Bahn-Linien
Der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch wies darauf hin, dass es parallel zu den von der ÖVP vorgeschlagenen U-Bahn-Verlängerungen bereits leistungsfähige S-Bahnen gebe. Die Forderung nach häufigeren und schnelleren S-Bahn-Verbindungen zwischen Wien und Niederösterreich sei "ganz im Sinne" der Grünen, so Maresch: "Doch nach unseren Informationen ist das Land Niederösterreich bisher nicht dazu bereit, entsprechende Vorschläge der ÖBB auch zu finanzieren. Gut wenn sich das jetzt ändern sollte." Statt U-Bahnen fordern die Grünen für das Umland S-Bahnen und Schnellstraßenbahnen. Diese könnten schneller und kostengünstiger errichtet werden: "Damit ist deren Chance auf rasche Realisierung wesentlich höher."

Die Wiener FPÖ ist mit der ÖVP - zumindest was niedrigere Park-and-Ride-Tarife betrifft - einer Meinung. Wegen der hohen Preise seien die Garagen "gähnend leer", konstatierte Verkehrssprecher Toni Mahdalik. Geht es nach den Freiheitlichen, sollen die Besitzer von Öffi-Netzkarten ihre Autos kostenlos abstellen dürfen, alle anderen Fahrzeugbesitzer um einen Euro pro Tag. "Sonst werden die Einpendler aus Niederösterreich weiter mit dem Auto bis in die innerstädtischen Bereiche fahren", prophezeite die FPÖ.

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