Sa, 25. November 2017

Gigantisch flott

20.06.2011 10:56

Supercomputer: Japan an der Spitze, Wien unter Top 100

Der schnellste Supercomputer der Welt kommt aus Japan. Mit acht Billiarden Rechenschritten pro Sekunde (Petaflops) hat sich das System "K Computer" (Bild) von Fujitsu an die Weltspitze katapultiert und den vormaligen Spitzenreiter mit der mehr als dreifachen Leistung überrundet. Österreichs leistungsfähigster Rechner, der Vienna Scientific Cluster 2, schaffte es mit einer Rechenleistung von 135,6 TeraFlops auf Platz 56.

Erstmals gibt es unter den ersten zehn Plätzen der am Montag veröffentlichten Liste der "Top 500" keine Anlage mehr, die nicht in der "Petaflop-Liga" spielt. Supercomputer werden für sehr aufwendige Berechnungen in der Forschung oder beim Militär, etwa für die Entwicklung und Simulation von Atombomben, genutzt. In der Wissenschaft können damit zum Beispiel der komplexe Aufbau und die Eigenschaften von Proteinen erforscht werden.

Dafür werden gigantische Datenmengen analysiert. Auch in der Klimaforschung werden Supercomputer immer wichtiger, mit ihnen lassen sich beispielsweise Klimaveränderungen oder Erdbeben vorausberechnen.

Energieeffizienter Supercomputer
Japan hatte mit dem "Earth Simulator" des Herstellers NEC lange die Liste angeführt, bis der Klimarechner 2004 vom Thron gestoßen wurde. Der neue Rechner "K Computer" steht in Kobe und soll vom Institut RIKEN für physikalische und chemische Forschung genutzt werden. Die Rechenarbeit übernehmen mehr als 80.000 Prozessoren mit jeweils acht Kernen. Anders als die Spitzenreiter der jüngsten Zeit nutzt der "K Computer" keine Grafik-Chips oder andere Grafik-Beschleunigung. Dafür ist er einer der energieeffizientesten Systeme der Liste.

Grafik-Chips (GPU) können auch einfache Rechenaufgaben in großer Menge übernehmen und so die Gesamtleistung erhöhen. Für komplexe Berechnungen sind allerdings Computer-Chips (CPU) nötig.

Österreich schafft es in die Top 100
Der Vienna Scientific Cluster 2 (siehe Infobox) wird von der Universität Wien, der Technischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur betrieben und am Dienstag offiziell eröffnet. Bereits am Montag hat es die Anlage jedoch in die Top 100 weltweit geschafft, wie die TU mitteilte. Schon das Vorgängermodell des VSC-2, der 2009 in Betrieb gegangene Vienna Simulation Cluster (VSC-1), war Österreichs leistungsfähigster Computer.

China und Japan an Spitzenpositionen
Noch im November die Nummer eins, rangiert der Computer "Tianhe-1A" (zu deutsch "Milchstraße") aus dem nordostchinesischen Tianjin nun mit 2,56 Petaflops in der Sekunde auf dem zweiten Platz. Auf dem dritten Platz landete "Jaguar" des Supercomputerspezialisten Cray, der in den USA im Oak Ridge National Laboratory des US-Energieministeriums mit 1,75 Petaflops arbeitet. Die Plätze vier und fünf werden wieder von Anlagen aus China und Japan mit 1,27 und 1,19 Petaflops belegt.

Lange hatten die USA beim Einsatz der teuren Anlagen die Nase vorn und dominierten die ersten zehn Plätze mit großem Abstand. In der aktuellen Liste holen allerdings Länder wie Japan und China mit je zwei Rechnern in den Top Ten kräftig auf, die USA sind noch mit fünf Anlagen vertreten.

Die "Top 500"-Liste der weltweit schnellsten Supercomputer wird zweimal im Jahr zur Internationalen Supercomputing Conference (ISC) veröffentlicht, die in dieser Woche in Hamburg stattfindet. Die ISC wird abwechselnd in den USA und Deutschland ausgerichtet.

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