Do, 18. Jänner 2018

Quelle entdeckt?

05.06.2011 08:59

EHEC-Erreger könnte aus Biogas-Anlagen stammen

Die Suche nach der Ursache für den gefährlichen EHEC-Erreger ist immer noch in vollem Gange. Täglich verfolgen Wissenschaftler neue Spuren, um die Quelle der Darmkrankheit ausfindig zu machen. Während am Samstag ein Restaurant in Lübeck und der Hamburger Hafengeburtstag als mögliche Ausgangspunkte der Epidemie gesehen wurden, sprachen Veterinär- und Labormediziner am Sonntag davon, dass der tödliche EHEC-Erregers aus Biogasanlagen stammen könnte. Unterdessen erwägt ein spanischer Gemüsehändler, wegen der Gurkenwarnung vor Gericht zu ziehen.

In den Gärbehältern der immer zahlreicher werdenden Biogasanlagen entstünden Bakterien, die es zuvor noch nie gegeben habe, sagte Bernd Schottdorf, Gründer des größten privaten europäischen Medizinlabors Schottdorf MVZ in Augsburg, der Zeitung "Welt am Sonntag".

Die Bakterien kreuzen sich Schottdorf zufolge in den Anlagen und verschmelzen miteinander. "Was da genau passiert, ist weitgehend unerforscht." Diese noch nie dagewesene Mischung aus Krankheitserregern werde dann als Düngemittel auf die Äcker gebracht.

Schottdorf hält es deshalb für dringend nötig, die Biogasanlagen in Deutschland schnell auf mögliche Krankheitserreger zu untersuchen. Sonst drohe möglicherweise die Gefahr weiterer Epidemien. Der Leiter der Agrar- und Veterinärakademie in Horstmar-Leer, Ernst Günther Hellwig, hält dies der Zeitung zufolge ebenfalls für vorstellbar.

Juristisches Nachspiel wegen Warnung
Während die Suche nach dem EHEC-Auslöser weiter geht, kündigt sich wegen der Gurkenwarnung ein juristisches Nachspiel an. Der erste spanische Obst- und Gemüsehändler will bereits in der kommenden Woche vor Gericht ziehen, wie die Rechtsanwältin Sabine Pellens mitteilte. "Wir sind im Moment dabei, einen Eilantrag ans Verwaltungsgericht vorzubereiten, um Akteneinsicht von der aktenführenden Behörde zu bekommen."

Pellens vertritt die Firma Frunet, einen großen Öko-Produzenten und Händler in der Provinz Malaga. Mithilfe der Akten will die Anwältin beweisen, dass die Hamburger Gesundheitsbehörde vor der Bezeichnung spanischer Gurken als EHEC-Träger die gesetzliche Sorgfaltspflicht vernachlässigt hat. "Nach unserem bisherigen Kenntnisstand sind bei diesen ersten beiden Proben, die der Warnung zugrunde lagen, nicht die vorgeschriebenen B-Proben entnommen worden", erklärte Pellens. "Wir haben einfach Zweifel daran, ob die Behörde hier hinreichend sorgfältig gehandelt hat, ob sie genug Proben genommen hat."

Zudem sei Frunet nicht gesetzeskonform benachrichtigt worden. Spätere Proben aus der verdächtigen Charge seien ebenso negativ gewesen wie Proben anderer Gurken.

Klage und Schadenersatzforderung möglich
Sollte sich der Verdacht erhärten, werde sie beim zuständigen Verwaltungsgericht eine entsprechende Feststellungsklage einreichen. Anschließend werde entschieden, ob Frunet versucht, vor Gericht Schadenersatz geltend zu machen. Angesichts eines Jahresumsatzes von rund 15 Millionen Euro rechnet Pellens "auf jeden Fall mit einem Schaden in Millionenhöhe".

"Es gibt niemanden mehr, der unserer Mandantin Obst oder Gemüse abnimmt, seit diese öffentliche Warnung ausgesprochen worden ist", schilderte die Anwältin die Situation der Firma. "Es sind nicht nur die deutschen Gurkenbestellungen ausgefallen, sondern in ganz Europa nimmt niemand mehr irgendetwas von unserer Mandantin ab."

Diese beschäftige etwa 120 Mitarbeiter. "Im Moment bezahlt sie die Angestellten dafür, dass sie das Obst und Gemüse ernten und dann anschließend wegschmeißen."

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