So, 17. Dezember 2017

Mildes Urteil

01.06.2011 12:51

Bankräuber muss nur vier Monate hinter Gitter

Ein 53-Jähriger, der mit einer selbst gebastelten Attrappe einer Pistole einen versuchten und einen vollendeten Banküberfall in Oberösterreich verübt hatte, ist am Mittwoch in einer Schöffenverhandlung mit einer relativ milden Strafe davongekommen. Er wurde zu einem Jahr Haft verurteilt, davon vier Monate unbedingt. Weil ihm die zweimonatige Untersuchungshaft angerechnet wird, muss er nur noch zwei Monate hinter Gitter. Der angeklagte Niederösterreicher nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab - das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

Der Mann aus dem Bezirk Amstetten war am 1. April nur wenige Minuten nach einem Überfall auf ein Geldinstitut in Dietach im Bezirk Steyr-Land gefasst worden. Er hatte zwar nur 17.000 Euro verlangt, aber sogar mehr erbeutet. Nach seiner Festnahme gestand er der Polizei gleich einen weiteren Überfall am 23. März auf eine Bank in Steyr. Auch dort hatte er ebenfalls 17.000 Euro gefordert. Es war allerdings beim Versuch geblieben, weil der Bankangestellte wegen des Sicherheitssystems erklärte, er könne das Geld nicht aushändigen. Der Täter musste ohne Beute flüchten.

Motiv: Schulden durch Aktienspekulationen
In beiden Fällen war der Täter mit einer vermeintlichen Pistole bewaffnet, die sich nach seiner Festnahme als selbst gebastelte, mit Silberlack angestrichene Holzattrappe herausstellte. Vor der Polizei und auch im Prozess war der 53-Jährige voll geständig und reumütig. Die 17.000 Euro habe er jeweils ohne Grund gefordert, sie seien eine "Hausnummer" gewesen, er wäre auch mit weniger zufrieden gewesen.

Das Motiv für die Taten waren erhebliche Schulden. Er hatte gehofft, er könne eine Hausrenovierung leichter finanzieren, wenn er mit Aktien spekuliert. Das ging auch anfangs gut, die Banken- und Wirtschaftskrise machte ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Der Wert der Papiere war zuletzt geringer als die Höhe des für ihren Kauf aufgenommenen Kredits. Er kam so unter Druck, dass er den Plan zu einem Banküberfall fasste, sein Verteidiger sprach von einer "Verzweiflungstat".

"Ich habe mich dazu zwingen müssen"
Nach seiner Festnahme wurde bei ihm Selbstmordgefahr festgestellt. Sein Verteidiger argumentierte, er brauche "mehr Therapie als Strafe". Der Angeklagte entschuldigte sich im Prozess bei den Bankangestellten, die er bedroht hatte: "Es ist normalerweise nicht meine Art. Ich habe mich dazu zwingen müssen." Seine Ehefrau sagte für ihn aus: "Er ist sicher kein Verbrechertyp." Die Familie stehe zu ihm. Sie habe ein Ende der Aktienspekulationen gefordert und ihm andernfalls die Scheidung in Aussicht gestellt. Er sei damit unter Druck gestanden, "aber ein Banküberfall ist auch keine Lösung". Das Gericht begründete die geringe Strafe mit den überwiegend mildernden Umständen. Aus Gründen der Generalprävention könne aber nicht die gesamte Strafe bedingt ausgesprochen werden.

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