So, 19. November 2017

Ist sie erloschen?

25.05.2011 17:12

Neue Diskussionen um Göring-Ehrenbürgerschaft

Mit der in Niederösterreich (siehe Infobox) losgetretenen Diskussion über Ehrenbürgerschaften an Nazi-Größen sind auch im Bundesland Salzburg zwei Gemeinden wieder ins Gerede gekommen – Mauterndorf im Lungau, das einst den Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe und Mitverantwortlichen für die Judenvernichtung Hermann Göring aus Dank über die Wasserleitungs-Finanzierung zum Ehrenbürger ernannte, und die Stadt Salzburg, wo SS-Hauptsturmführer und "Haus der Natur"-Gründer Eduard Paul Tratz seit 1963 Ehrenbürger ist.

Görings (rechts im Bild) Ehrenbürgerschaft sei mit dessen Tod erloschen, stellte der Mauterndorfer Bürgermeister Wolfgang Eder (VP) schon vor vier Jahren fest (er war am Mittwoch nicht erreichbar). "Nur in Geschichtsbüchern scheint er als höchster Ehrenbürger auf. Was damals war, kann man ja nicht mehr rückgängig machen", so Eder. Peter Schernthaner, stellvertretender Leiter der Gemeindeabteilung des Landes, bestätigte am Mittwoch Eders Rechtsansicht: Im Kommentar zu Paragraf 14 der Gemeindeordnung sei festgehalten, dass Ehrenbürgerschaften mit dem Tod erlöschen. Juristisch sei die Sache damit klar. Als moralischen Akt könne aber eine Gemeinde durchaus noch einmal ausdrücklich feststellen, dass jemand nicht mehr Ehrenbürger sei, so Schernthaner.

Bürgerliste fordert Aberkennung bei Tratz
In der Landeshauptstadt wurde 2007 ein Anlauf gestartet, Eduard Paul Tratz die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen. Tratz, Gründer des "Hauses der Natur", hat in der NS-Zeit eng mit der Organisation "Ahnenerbe" der SS zusammengearbeitet. Die Bürgerliste (die Grünen in der Stadt Salzburg) brachte damals einen Antrag auf Aberkennung von dessen Ehrenbürgerschaft im Gemeinderat ein, der bis heute formal nicht erledigt ist.

Aberkennungsmöglichkeit nur bei Unwürdigkeit?
Die Magistratsdirektion habe festgestellt, dass eine Aberkennung juristisch nur möglich wäre, wenn sich der Ausgezeichnete nach der Ehrung unwürdig erwiesen hätte, so Stadtchef Heinz Schaden (SP). Oder der Landtag hätte das Stadtrecht entsprechend abgeändert. Schaden legte in dem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass man den Fall Tratz, dessen historische Bewertung immer noch ungewiss sei, nicht auf die gleiche Stufe wie eine Ehrenbürgerschaft Hitlers stelle dürfe, "das ist ein riesiger Unterschied."

Um Klarheit im Umgang mit diversen historischen Persönlichkeiten zu schaffen, startete die Stadt Salzburg gemeinsam mit der Universität vor eineinhalb Jahren ein großes, auf fünf Jahre angelegtes NS-Aufarbeitungsprojekt. Dabei sollen auch seriöse Entscheidungsgrundlagen geliefert werden, wie mit Namen aus dieser Zeit umgegangen werden könne. Neben Tratz' wird in der Mozartstadt vor allem die Rolle Josef Thoraks, sogenannter "Bildhauer des "Führers", diskutiert. Er wurde zwar nie Ehrenbürger, ist aber immer noch Namensgeber einer Straße.

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