Do, 14. Dezember 2017

Kunstprojekt hob ab

08.05.2011 12:58

Eurofighter-Einsatz wegen privatem Riesenballon

Nicht 99 Luftballons, dafür ein einziger Riesenballon eines Bastlers hat am Samstag den Aufstieg der Eurofighter erzwungen. Insgesamt drei Jets waren am Nachmittag abwechselnd über drei Stunden im Einsatz zur Positionsbestimmung des außer Kontrolle geratenen "Kunstprojekts". Die zivile Luftfahrt war jedoch nicht beeinträchtigt, berichtete Markus Pohanka von der Austro Control. Der Ballon driftete schließlich nach einem Österreich-Rundflug in den slowenischen Luftraum ab.

Laut Polizei soll es sich bei dem Ballon um ein mit Solarzellen bestücktes "Kunstprojekt" handeln - zunächst war von einer Werbeaktion die Rede gewesen. Wie krone.at auf Nachfrage bei der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion erfuhr, war der Ballon ein privates Projekt eines Kunststudenten, der bereits in der Vergangenheit einmal versucht hatte, den Ballon steigen zu lassen.

Ballonbastler wird straffrei ausgehen
Am Samstagvormittag hat er sein Werk auf einem Golfplatz in Linz präsentiert. Das aus Plastikplanen selbst gebastelte Ungetüm sei mit Befestigungsleinen im Boden verankert gewesen. Aufgrund der starken Sonnenstrahlung zur Mittagsstunde dürfte sich die Luft im Ballon jedoch schnell erwärmt haben, der Auftrieb wurde zu stark, die Leinen rissen. "Der Student hatte auch einen Liegestuhl am Ballon befestigt gehabt und konnte gerade noch heraushüpfen, als der Ballon aufstieg", so ein Sprecher der Sicherheitsdirektion gegenüber krone.at.

Der junge Mann muss laut Polizei entgegen ersten Angaben offenbar nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. "Es liegt derzeit kein Tatbestand vor", hieß es am Sonntag vonseiten der Polizei. Auch das Bundesheer wird ihm den Eurofighter-Einsatz nicht in Rechnung stellen, die Luftraumüberwachung sei eine hoheitliche Aufgabe des Staates, sagte Oberst Michael Bauer vom Ministerium. Die Kosten für den Einsatz könnten mehrere Hunderttausend Euro betragen. Zuletzt wurde eine Flugstunde unter Berücksichtigung aller Nebenkosten mit 70.000 Euro angegeben.

Eurofighter umkreisten Ballon abwechselnd
Das Flugobjekt geriet Bundesheer-Angaben zufolge um 12.30 Uhr außer Kontrolle und trieb zunächst gefährlich nah in Richtung Flughafen Hörsching, wechselte dann aber die Richtung nach Süden und trieb über das Salzkammergut und dann weiter nach Südosten. Der Ballon war auf dem Radar der Austro Control nicht sichtbar. Deshalb wurde in Koordination zwischen dem Bundesheer und der Austro Control der Einsatz der Eurofighter veranlasst.

Gegen 15 Uhr befand sich der Ballon in einer Höhe von etwa 13.000 Metern über dem Großraum Graz. In dieser Höhe konnten nur mehr die Abfangjäger agieren (siehe Bilder oben). Die drei Eurofighter wechselten sich während des "Österreich-Rundfluges" des Ballons ab, einer umkreiste stets das Flugobjekt. Sie gaben die Daten über Höhe und Flugrichtung an die Austro Control weiter. "Damit war seine Position klar", erklärte Pohanka. Eine Gefahr für den zivilen Luftverkehr habe zu keinem Zeitpunkt bestanden.

Ball(on) bei den Slowenen
Laut letzten Bundesheer-Informationen war die Ballon-Aufregung für die heimischen Behörden am späteren Nachmittag vorbei. "Um 15.21 Uhr verschwand der Ballon aus dem österreichischen Luftraum nach Slowenien. Für die Eurofighter war der Einsatz damit beendet", so ein Sprecher der Heeres-Luftraumüberwachung gegenüber krone.at. Was in Slowenien mit dem Ballon geschah, war vorerst unklar.

Ein Abschuss des Ballons mit den Bordkanonen der Eurofighter war übrigens aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Einerseits wäre der nachfolgende Absturz des Flugobjekts unkontrollierbar gewesen, andererseits hätte die herabfallende Munition (Kaliber 27 x 145 Millimeter, ein Projektil ist ein Viertelkilo schwer) eine erhebliche Gefährdung für Mensch, Tier und Gebäude am Boden dargestellt. Angesichts der geringen Bedrohung durch den Ballon erachtete man es offenbar für nicht gerechtfertigt, dieses Risiko einzugehen.

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