Do, 23. November 2017

Coup in Gerasdorf

04.05.2011 17:08

Zwei Bankomaten nahe Polizeistation gesprengt

Wieder Bankomaten-Sprengung im Osten Österreichs: Diesmal haben die Täter in der Nacht auf Mittwoch in Gerasdorf bei Wien in einer Raiffeisenfiliale offenbar einen "Doppeljackpot" geknackt. Bei dem Coup kurz nach 4 Uhr wurden zwei Geldautomaten gleichzeitig in die Luft gejagt. Die Täter entkamen mit mehr als 200.000 Euro. Das Ganze spielte sich unweit einer Polizeiinspektion ab.

Es habe sich um eine "kräftige Sprengung" gehandelt, berichtete ein Ermittler. Trotzdem haben Beamte der örtlichen Polizeistation, die sich 110 Meter weiter befindet, nichts von dem nächtlichen Überfall mitbekommen. "Die Explosion war für die Kollegen nicht zu hören", so ein Sprecher des Landeskriminalamtes Niederösterreich zur "Krone".

Zwei von der Überwachungskamera festgehaltene Täter seien maskiert bzw. vermummt gewesen – die Polizei geht von einer mindestens dreiköpfigen Bande aus und sieht Zusammenhänge mit den jüngsten Bankomat-Sprengungen in den Wiener Bezirken Landstraße und Favoriten vom 18. und 26. April.

Anschläge im Bezirk Baden gescheitert
Allein seit Ende vergangener Woche sind damit in Niederösterreich drei Anschläge auf Geldautomaten verübt worden. In der Nacht auf Freitag wollten Unbekannte ein Gerät in Heiligenkreuz im Bezirk Baden in die Luft jagen. Etwa 24 Stunden später scheiterten die laut Polizei mutmaßlich selben Täter bei der Sprengung eines Bankomaten in Klausen-Leopoldsdorf im Bezirk Baden. Auch im Burgenland trieben Bankomat-Sprenger ihr Unwesen: In Sigleß im Bezirk Mattersburg wurde ein Bankomat zwar gesprengt, die Täter kamen aber nicht an Bares. Bei einem ebenso missglückten Coup in Wien wurde ein mutmaßlicher Täter verletzt festgenommen.

Offenbar immer mehr Trittbrettfahrer
Die Automaten stehen offenbar nicht mehr nur im Visier von Profibanden, sondern auch von Trittbrettfahrern, welche die Suche der Polizei nach den organisierten Tätern hinter den Coups in ganz Österreich zusätzlich erschweren. "Uns erscheint, dass es im Moment sehr viele Nachahmer gibt", erklärte Helmut Greiner, Sprecher des Bundeskriminalamts. Die Crux dabei: "Wenn man nicht weiß, wie das geht, passiert nichts oder es geht schief. Das Gas muss immerhin so viel Kraft erzeugen, dass Stahl zerstört wird. Es ist nicht schwer zu bekommen, aber man braucht Know-how", meinte Greiner.

Bankomat-Coups sollen unattraktiver werden
Erfolgreicher Beutezug oder nicht, Bankenbranche und Polizei versuchen, den Tätern Delikte bei den rund 40.000 Bankomaten und entsprechenden Kassen in Österreich so unangenehm wie möglich zu machen. So sieht Georg Kraft-Kinz, Sicherheitssprecher der Wiener Banken, trotz der auch von ihm beobachteten Trittbrettfahrer Erfolge in den verstärkten Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Sprengungen: "Heute ist es schon weniger attraktiv als vor einem Monat."

Weitere Schritte sind aber in Planung. Sie sollen die Bankomaten-Coups für Täter, dadurch dass sie keine Beute mehr bringen, unattraktiv machen. "Zunächst geht es einmal darum die Bankomaten so auszurüsten, dass die Sprengung keinen Sinn macht - also das Geld zerstört wird", erklärte Kraft-Kinz . "Das ist ein europaweites Thema. Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck an einer mechanischen Lösung."

Ein weiterer Punkt ist die Zugänglichkeit der Foyers in den Nachtstunden. "Es ist die Frage, ob dieses überall die ganze Zeit offen sein muss", meinte Kraft-Kinz. Generell werde über ein Bündel unterschiedlicher Maßnahmen nachgedacht. Da die Täter für eine Sprengung Zeit und ein bisschen Ruhe bräuchten, sei nicht jede Filiale gleich gefährdet. Kraft-Kinz: "Alle Institute haben Risikoprofile gemacht, welche Standorte wie gefährdet sind."

Bilder: "Krone"-Fotograf Andi Schiel und krone.at-Leserreporter Karl Rehner

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