Do, 22. Februar 2018

380 Betroffene toben

30.04.2011 14:30

Loch bei Pensionen, aber Privilegien für die Bosse

Wut und blankes Entsetzen beherrschen derzeit 380 Mitarbeiter der Salzburg AG, der Schmittenhöhe oder in der evangelischen Kirche – viele haben seit 20 Jahren brav Beiträge bezahlt, aber weil 84 Millionen fehlen, werden ihre Zusatzpensionen brutal gekürzt. Aber die Bosse im Wiener "Pensionsinstitut" genießen sündteure Privilegien.

Beim "Pensionsinstitut für Verkehr und öffentliche Einrichtungen" mit Sitz in Wien klafft in der Bilanz ein Loch von gut 84 Millionen Euro. Unglaubliche 45 Prozent der Pensionszusagen sind nicht gedeckt, das Defizit ist größer als gesetzlich erlaubt. Schon seit 2008 bekommt das Institut für seine Bilanz keinen Bestätigungsvermerk mehr. Diese dramatischen Zustände hat der Rechnungshof im neuesten Bericht aufgezeigt. Zu den Opfern zählen gut 380 Mitarbeiter der Salzburg AG, Pinzgau-, Festungs- und Lokalbahn sowie der Wolfgangsee-Schifffahrt. Viele zahlten seit 20 Jahren brav 3,7 Prozent ihres Lohns ein – und müssen jetzt befürchten, statt der erwarteten 400 Euro Zusatzpension am Ende ihres Berufslebens deutlich weniger zu bekommen.

Auch im "PI" wird bei Kleinen gespart
Doch auch im "Pensionsinstitut" wird bei den Kleinen gespart, während in der Verwaltung und für Privilegien in der Wiener Zentrale das Geld mit vollen Händen ausgegeben wird – auch das hat der Rechnungshof haarklein aufgezeigt. Das Pensionsinstitut hatte 2009 "rund drei Vollzeitäquivalente" – der bürokratische Ausdruck für zwei Voll- und zwei Teilzeit-Beschäftigte. Der Personalaufwand für diese Handvoll Mitarbeiter betrug aber 298.000 Euro im Jahr. Der Leiter des "PI" verdiente mehr als der Direktor der Pensionsversicherungsanstalt der Arbeiter und Angestellten, der 6.140 Mitarbeiter hat – also 1.500 Mal so viele. Dafür ließ der "PI"-Chef auch für sich eine Zusatzpension finanzieren – und das marode "PI" zahlt für ihn sowohl Dienstgeber- als auch Dienstnehmerbeiträge.

Das "PI Wien" hat zwar lediglich 4.800 Beitragszahler in ganz Österreich – aber dafür knapp 50 Funktionäre, die im Jahr 2009 zusammen 81.000 Euro an Funktionsgebühren und Taggeldern einstreiften. Der Obmann lässt sich monatlich 2.000 Euro brutto auszahlen – bis Mai 2008 waren es sogar 2.400 Euro im Monat. In Wien hat das "PI" eine Immobilie im dritten Bezirk – doch das Haus bringt fast nichts ein, weil die Wohnungen an Mitarbeiter oder deren nahe Angehörige vermietet sind, entdeckte der Rechnungshof.

Sozialministerium beschwichtigt
Den Vogel schoss der frühere Chef des "PI" ab: Er ist im Haus seit 1972 Mieter einer 103 Quadratmeter großen Wohnung und schanzte seiner Tochter 1979 eine weitere Wohnung im Haus zu, die 84 Quadratmeter groß ist. Und dafür bezahlte man fast nichts: Miete, Betriebskosten plus Umsatzsteuer machen bei der Chef-Wohnung nur sagenhaft günstige 333,36 Euro im Monat aus. Für die Tochter sind es auch lediglich 271,68 Euro. Grotesk: Das Sozialministerium meint in einer Stellungnahme, durch die Mini-Mieten wäre dem "PI" kein Schaden entstanden, weil "auch andere Mieter nicht mehr bezahlt hätten". Was da wohl die Pensionisten sagen?

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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