Di, 22. Mai 2018

Leiche zerstückelt

29.04.2011 14:28

Mordprozess gegen Philipp K. startet am Dienstag

Ab Dienstag muss im Wiener Straflandesgericht jener junge Mann einem Schwurgericht Rede und Antwort stehen, der in der Nacht auf den 2. Juli 2010 in Wien-Hietzing seine Ex-Freundin Stefanie P. erstochen und danach die Leiche zerstückelt haben soll. Zum Mordprozess um den grausamen Tod der 21-Jährigen sind nicht weniger als sechs Sachverständige und 23 Zeugen geladen, da Philipp K. (22) zuletzt behauptet hat, zum Tatzeitpunkt derart alkoholisiert gewesen zu sein, dass er vom Geschehen in seiner Wohnung nichts mitbekommen habe.

Während der Angeklagte unmittelbar nach seiner Festnahme angegeben hatte, seine Ex-Freundin sei im Zug eines Sex-Unfalls versehentlich zu Tode gekommen, indem er beim von ihr erwünschten Nachstellen einer Vergewaltigung mit einem Messer abgerutscht sei, korrigierte er nach einigen Monaten U-Haft seine Angaben. Er verantwortete sich nunmehr damit, er sei infolge exzessiven Alkoholkonsums in der Nacht eingeschlafen und habe in der Früh die bereits zerteilte Leiche vorgefunden.

K. wird sich "nicht schuldig" bekennen
Bei dieser Version wird Philipp K. dem Vernehmen nach in der Hauptverhandlung bleiben und sich demnach "nicht schuldig" bekennen. Sein Verteidiger Ernst Schillhammer verweist darauf, dass es für seinen Mandanten kein Motiv gab, das inkriminierte Verbrechen zu begehen.

Angeklagtem droht lebenslange Haft
Der Prozess ist auf vier Tage anberaumt. Am Dienstag steht die ausführliche Einvernahme des Angeklagten auf dem Programm, am Nachmittag sollen die zwei Polizisten, die unmittelbar am Tatort eingeschritten sind, sowie ein älterer Freund des 22-Jährigen geladen werden, dem dieser das Verbrechen "gebeichtet" haben soll. Das hatte der 34-Jährige zumindest zu Beginn der Ermittlungen in einem Interview behauptet.

Am 4. und am 5. Mai sind weitere Zeugen geladen, darunter die Mutter, die Schwester und die Tante sowie Freunde der ums Leben gekommenen Frau. Auch die Mutter des Angeklagten sowie eine Ex-Freundin des Jus-Studenten sollen aussagen. Die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie die Urteilsverkündung sind für den 9. Mai geplant.

Dem Angeklagten droht lebenslange Haft und zudem die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, da der psychiatrische Sachverständige Karl Dantendorfer ihm in einem Gutachten eine seelische oder geistige Abartigkeit höheren Grades bescheinigt und "von einer ungünstigen Gefährlichkeitsprognose für den Beschuldigten auszugehen ist", wie in der Expertise nachzulesen ist.

"Ex" mit Stiche in den Bauch getötet?
Philipp K. soll seine Ex-Freundin, mit der er bis zuletzt eine rein sexuelle Beziehung unterhalten haben dürfte, mit mehreren Messerstichen in Hals, Brust und Bauch zu Tode gebracht haben. Laut Anklage fügte er danach dem Leichnam noch rund 200 Schnitt- und Stichwunden zu, wobei er am Unterbauch eine Tätowierung - ein Herz mit dem Schriftzug seines Vornamens - herausschnitt. Der Leiche wurden auch der Kopf und beide Oberarme abgetrennt. Die sterblichen Überreste soll Philipp K. in zwei Müllsäcke gestopft und am nächsten Morgen in einem Müllcontainer in seiner Wohnhausanlage deponiert haben.

Die 21-Jährige dürfte dem erfolglosen Jus-Studenten - er legte keine einzige Prüfung ab und wollte daher im Wintersemester 2010 auf Medizin umsatteln - verfallen gewesen sein. Die beiden hatten einander 2004 kennengelernt, von 2007 bis Jänner 2009 war sie seine Freundin. Danach, als er mit einer anderen jungen Frau liiert war, fungierte Stefanie P. laut Anklage als seine "Geliebte auf Abruf".

Nackte Frau gefesselt
Auch am Abend des 1. Juli fuhr sie laut Anklage zu ihm in die Wohnung. Zwischen 22 und 22.30 Uhr fesselte er die nackte Frau "mit Klebebändern an Armen und Beinen in einer Art und Weise, dass sie widerstandsunfähig wurde" (Anklageschrift). Ob dies aus Sicht von Stefanie P. freiwillig im Zug eines sexuellen Rollenspiels geschah oder gegen ihren Willen, ist unklar. Laut einem DNA-Gutachten kam es zwischen den beiden jedenfalls zu keinem Geschlechtsverkehr.

Vor den tödlichen Stichen dürfte laut Staatsanwalt Hannes Wandl Philipp K. der Gefesselten mit einem Küchenmesser oberflächliche Schnittwunden im Gesicht und an der Brust zugefügt haben. Der Anklage zufolge schickte er um 5.36 Uhr auf das Handy der Toten folgende SMS: "Gerade hat mich mein Wecker aufgeweckt. Schade, dass du gestern Nacht noch gegangen bist :-). Wäre gern neben dir aufgewacht. Vielleicht sehen wir uns bald wieder." Um 7.30 Uhr hinterließ er auf dem Facebook-Profil der jungen Frau folgende Nachricht: "War echt schön gestern, hoffe, du hast meine SMS schon gelesen. Wie gesagt, freu mich schon auf ein Wiedersehen. Bussi."

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