Sa, 17. Februar 2018

Zahlreiche Berichte

28.04.2011 11:28

"Wunder"-Inflation kurz vor der Papst-Seligsprechung

Eine von der Wissenschaft als unerklärbar bezeichnete Heilung der französischen Nonne Marie Simon-Pierre von Parkinson wurde vom Vatikan als Wunder anerkannt - und war damit die Voraussetzung für die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. Simon-Pierre hatte nach dem Tod desselben, der ebenso an Parkinson litt, in Gebeten eine Heilung ersucht. Nun, kurz vor der Zeremonie in Rom am Sonntag, häufen sich die Berichte über weitere angebliche Wunderheilungen, die dem verstorbenen Oberhaupt der katholischen Kirche zugerechnet werden.

Auf der Internetseite des Vatikans zur Seligsprechung finden sich zahlreiche Berichte von Menschen aus aller Welt, die von geheilten Erkrankungen, Familienzusammenführungen oder behobenen Problemen bei der Arbeit und in der Liebe berichten - und allen Personen war nach deren Angaben der verstorbene Papst im Traum oder als Vision erschienen.

Sollten sich Anhänger des aus Polen stammenden, nach fast 27 Jahren als Oberhaupt der katholischen Kirche 2005 verstorbenen Vorgängers von Papst Benedikt XVI. bereits eine Heiligsprechung ihres Idols herbeiwünschen, so ist dafür jedoch ein weiteres vom Vatikan anerkanntes Wunder nötig. Allerdings darf sich dieses erst nach der Seligsprechung ereignet haben - etwa durch ein Gebet an den dann seligen Johannes Paul II. Die vor der Seligsprechung berichteten Wunder haben für eine etwaige spätere Heiligsprechung keine Bedeutung.

Dutzende Adelige und Politiker bei feierlicher Zeremonie
Indes werden an der Seligsprechung von Johannes Paul II. auf dem Petersplatz Könige, Präsidenten und Regierungschefs teilnehmen. Monarchen aus ganz Europa haben ihr Kommen angekündigt, unter anderem Prinz Felipe von Spanien und seine Frau Letizia, der belgische König Albert II. und Königin Paola sowie Prinz Adam II. von Lichtenstein. Das Fürstentum Luxemburg wird eine hochrangige Delegation entsenden.

Zu den prominenten Politikern, die der feierlichen Zeremonie beiwohnen, zählen Frankreichs Premier Francois Fillon, Polens Präsident Bronislaw Komorowski, der polnische Friedensnobelpreisträger und Ex-Präsident Lech Walesa, Bosniens Präsident Bakir Izetbegovic, Kroatiens Ministerpräsidentin Jadranka Kosor und Mexikos Staatschef Felipe Calderon. Auch mehrere politische Führer aus Afrika werden erwartet. Benin wird von Präsident Thomas Boni Yayi vertreten, die Republik Kongo von Präsident Denis Sassou-Nguesso und Kamerun von Staatschef Paul Biya.

Aus Österreich werden u.a. der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn und andere Bischöfe, aus den Reihen der Politik der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer und der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler anreisen.

Massenansturm auf Flughäfen, Hotels und Souvenirläden
Von Donnerstag bis Montag landen täglich 165 Flüge mehr als normal auf den römischen Flughäfen Fiumicino und Ciampino. Allein die italienische Fluggesellschaft Alitalia rechnet wegen der Seligsprechung mit zusätzlichen 80.000 Passagieren. Air Berlin und Alitalia verdoppeln am Wochenende ihre Flugverbindungen nach Rom. Charterflüge mit katholischen Pilgern werden auch aus Korea, den Philippinen und Indien erwartet. "Der Ansturm hat eine globale Dimension erlangt. Hatten am Begräbnis von Johannes Paul II. mehrheitlich europäische Pilger teilgenommen, so gibt es jetzt keine Grenzen mehr", erklärte der Theologe Luigi De Giovannis am Donnerstag.

Die Hotelpreise sind rasant in die Höhe geschossen. Für Zimmer, die üblicherweise etwa 100 Euro pro Nacht kosten, werden nun 330 Euro verlangt. "Dieser Preisanstieg ist normal, wenn die Nachfrage wächst, steigen auch die Preise", sagte der Präsident des römischen Hoteliersverbands, Giuseppe Roscioli. "Am 1. Mai ist ohnehin Hochsaison in Rom, und die Stadt ist voller Touristen. Man hätte für die Seligsprechung eine andere Jahreszeit wählen können", kritisierte er. Die Gemeinde Rom hat Kontrollen angeordnet, um illegale Preiserhöhungen im Hotelbetrieb und in der Gastronomie zu verhindern.

Auch die Souvenirläden in Rom erleben eine Hochkonjunktur. An jeder Ecke werden Uhren, Kugelschreiber und Fahnen mit Bildern des 2005 verstorbenen Pontifex angeboten. Das große Souvenirgeschäft von Eugenio Astrologo 100 Meter vom Petersplatz entfernt ist in Rom eine Institution. Kaum ein Pilger naht sich dem Vatikan, ohne zumindest einen Blick in den Laden zu werfen, der Roms größte Sammlung religiöser Artikel anbietet. Angefangen von Rosenkränzen über Porträts des polnischen Papstes bis hin zu wertvollen Holzkruzifixen und liturgischen Gewänder: In dem Geschäft auf Borgo Pio, der Straße, die direkt zu den Toren des Vatikan führt, findet man ein beispielloses Sortiment an religiösen Statuen, wertvollen Ikonen, Mitbringseln, Kerzen mit dem Konterfei von Johannes Paul II. und Postkarten.

Drastische Sicherheitsmaßnahmen sollen Attentate verhindern
Das italienische Innenministerium hat in Hinblick auf die Zeremonie schärfste Sicherheitsmaßnahmen angeordnet, um Attentaten vorzubeugen. Die Exekutive kündigte strenge Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen, Bahnhöfen und rund um den Vatikan an. "Wir können nicht auf unsere Freiheit verzichten. Wir müssen aber mit dem Bewusstsein leben, dass die Risiken für die Sicherheit groß sind", hieß es.

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