Sa, 21. Oktober 2017

Düstere Prognose

27.04.2011 15:14

Mangel an Hausärzten am Land befürchtet

Ein düsteres Bild hat die niederösterreichische Ärztekammer am Mittwoch von der Zukunft der Landmedizin gemalt. Durch die Gesetzesnovelle 2006, die ein Sterben der Hausapotheken zur Folge habe, sei auch die gesamte medizinische Nahversorgung im ländlichen Raum in Gefahr, fürchtete Präsident Christoph Reisner. Er forderte daher von der Bundespolitik eine Reform der Gesetzeslage samt Abschaffung der Kilometergrenzen (derzeit sechs) zwischen den Apotheken.

Im Land gibt es derzeit rund 250 Hausapotheken bei niedergelassenen Ärzten. Aufgrund der gesetzlichen Regelung, durch die bei der Nachbesetzung der Kassen-Planstellen die Hausapotheken verloren gehen, seien in den kommenden zehn Jahren 45 Hausapotheken von der Schließung betroffen. Der Wegfall der Hausapotheke erschwere die Nachbesetzung der Planstellen aber beträchtlich, sagte Wolfgang Geppert, Medikamentenreferent der NÖ Ärztekammer.

In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Bewerber um die Kassenstellen um ein Drittel zurückgegangen, berichtete Hausapothekenreferent Gerhard Imb. Mehr als 50 Prozent der Hausärzte im Bundesland werden im kommenden Jahrzehnt in Pension gehen. Umfragen unter Jungärzten zeigten aber, dass das Interesse an einer Niederlassung im ländlichen Raum gering sei. Für die Hausärzte - laut Imb in erster Linie "Wirtschaftstreibende" - sind die eigenen Apotheken ein nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Faktor: So mache das Geschäft mit den Medikamenten in vielen Fällen bis zu 60 Prozent des Umsatzes aus.

Ärztekammer für beschränktes Angebot von 1.200 Produkten
Man wünsche sich mit den öffentlichen Apotheken eine "friedliche Koexistenz", in der die Konsumenten frei entscheiden können, hieß es. Es gehe auch nicht um die 5.000 bis 7.000 Produkte, die eine öffentliche Einrichtung vertreibe, sondern um maximal bis zu 1.200 Medikamente, mit denen ein Ort versorgt werden könne, oder um zumindest das "kleine Dispensierrecht", mit dem Medizin direkt in den Praxen verabreicht werden könne.

Um ihre Forderungen zu untermauern, präsentierte die Ärztekammer eine - allerdings nicht repräsentative - Umfrage aus Gemeinden im östlichen Niederösterreich, wonach 98 Prozent der Bevölkerung nach der Schließung der Hausapotheke von Versorgungsproblemen durch öffentliche Apotheken berichteten. Auch die Lokalpolitik ist auf den Zug aufgesprungen: Bisher haben in Niederösterreich 43 Gemeinden diesbezüglich Resolutionen verabschiedet und an höhere Stellen weitergeleitet.

"Panikmache", um Bevölkerung zu verunsichern?
Die NÖ Apothekerkammer zeigte allerdings kein Verständnis für die "Panikmache" der Ärztevertreter. Laut eigenen Studien sei es einer großen Mehrheit der Landbevölkerung wichtig, eine eigene Apotheke im Ort zu haben. Mit dem Ausrufen eines "großen Ärztesterbens am Land" und der "Horrorvision verwaister Arztpraxen und brachliegender medizinischer Versorgung" würden die Mediziner die Bevölkerung verunsichern, nur "weil der eine oder andere Landarzt den Verkauf von Arzneimitteln einstellen muss", meinte Präsident Werner Luks.

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