Fr, 24. November 2017

„Neuausrichtung“

28.04.2011 09:55

Nokia streicht 7.000 Stellen und lagert Symbian aus

Im harten Kampf gegen Apples iPhone will der einst unangefochtene Handy-Platzhirsch Nokia seine Kosten im Milliarden-Umfang senken und 7.000 Stellen abbauen. Zudem gliedert der finnische Konzern seine inzwischen nahezu bedeutungslose Handysoftware-Sparte Symbian an den US-Tech-Dienstleister Accenture aus.

4.000 Stellen sollen nun ganz gestrichen werden, zudem gehören die 3.000 Mitarbeiter von Symbian künftig zu Accenture, wie Nokia am Mittwoch mitteilte. Damit fällt fast jeder achte Arbeitsplatz in Nokias Telefonsparte weg. Die Kosten im Bereich Entwicklung sollen dadurch von zuletzt 5,65 Milliarden Euro jährlich ab 2013 um eine Milliarde gesenkt werden. Bei den Anlegern trafen die Pläne auf Zustimmung: Die seit langem gebeutelte Nokia-Aktie legte drei Prozent zu.

Betroffen von dem Stellenabbau sind vor allem Großbritannien und Dänemark - hier vor allem Kopenhagen mit 950 Beschäftigten - sowie der Stammsitz in Finnland, wo 1.400 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Zudem soll die zweite Firmenzentrale im US-Bundesstaat New York geschlossen werden. Damit haben sich auch Spekulationen in finnischen Medien erübrigt, wonach Nokia die Verlegung seines Firmensitzes in die USA plant.

"Wettbewerbs-Umfeld hat sich rasant verändert"
Nokia ist gemessen an der Zahl der verkauften Handys noch immer die weltweite Nummer eins. Bei den boomenden Smartphones ist der Marktanteil in den vergangenen Jahren aber drastisch gesunken. Im ersten Quartal 2011 fiel er von 33 auf 29 Prozent. Mit einem Absatz von 24,2 Millionen Smartphones lag Nokia zwar noch vor Apple mit 18,7 Millionen iPhones, die Konkurrenz der Finnen ist aber vor allem bei den teureren Geräten stark. Außer Apple machen Nokia auch Rivalen mit Googles Handy-Software Android zu schaffen.

Nokia-Chef Stephen Elop erklärte, das Wettbewerbs-Umfeld habe sich rasant verändert. Der Manager war 2010 vom US-Softwareriesen Microsoft zu Nokia gekommen und hatte den damaligen Konzernchef Olli Pekka Kallasvuo abgelöst. Er ist der erste Nicht-Finne an der Nokia-Spitze und soll dem Konzern zu mehr Schlagkraft im Smartphone-Geschäft verhelfen.

Symbian wird an Accenture ausgegliedert
Accenture soll sich künftig um die Aktivitäten der Nokia-Software Symbian kümmern. Darunter fallen auch jene Bereiche, die auf Microsofts Windows Phone 7 laufen. Accenture profitiert von der Übernahme laut Analysten dadurch, dass der US-Konzern künftig auch die Möglichkeit zur Entwicklung von Mobilfunk-Applikationen hat.

Branchenexperten sehen die Symbian-Ausgliederung an Accenture positiv. Das sei für Nokia der schnellere und kostengünstigere Ausstieg im Vergleich zu einer Einstellung der Geschäfte mit vollen Abfindungen für alle Mitarbeiter. "Dadurch fokussiert sich Nokia bei der Software nun klar auf Microsoft", sagte Analystin Carolina Milanesi von Gartner. "Das zerstreut mögliche Zweifel daran, wohin Nokias Weg geht."

Nokias Telekom-Ausrüstungskooperation mit Siemens, Nokia Siemens Networks, hat seit Aufnahme seiner Arbeit im Jahr 2007 inzwischen etwa 9.000 Stellen abgebaut.

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