So, 27. Mai 2018

90 Jahre Burgenland

01.05.2011 19:29

Stipsits, Wimmer, Wolf: So tickt die jugendliche Elite

Das Burgenland feiert heuer sein 90-jähriges Bestehen - die Zukunft gehört aber ihnen: krone.at bat drei Vertreter der burgenländischen Jugend-Elite zum exklusiven Future-Talk. Welche Weltanschauungen, Wertvorstellungen und Visionen haben die "Jungen Wilden" des östlichsten Bundeslandes? Am "Podium": Oliver Wimmer (20, Musiker), Christoph Wolf (24, jüngster Landtagsabgeordneter) und Thomas Stipsits (27, Kabarettist und Schauspieler).

krone.at: Wie Politik-interessiert bist du, Oliver?
Oliver Wimmer: Ich halte es für wichtig, daran teilzuhaben. Immerhin wählen wir ja die Menschen, die die Gesetze machen.

krone.at: Mit dieser Einstellung lebst du in der Minderheit. Studien zufolge nimmt die Politik in der Lebensplanung junger Menschen eine geringe bis überhaupt keine Rolle ein. Wie sehr fühlst du, Christoph, dich denn mitschuldig an diesem Befund?
Christoph Wolf: Nicht sehr, weil ich in den vergangenen Jahren die Politik noch kaum mitgestaltet habe, wie es vielleicht andere Politiker getan haben. Aber: Als Jung-Politiker ist es meine Aufgabe, in nächster Zeit gerade diese Dinge zu ändern. Die Einstellung von manchen Leuten muss sich ändern, um junge Menschen für Politik zu begeistern und die Image-Krise zu beseitigen.

krone.at: Warum gibt's diese Image-Krise überhaupt? Ist vielleicht auch die Kleinkunst schuld daran, die die Politik gerne ins Lächerliche zieht?
Thomas Stipsits: Die Kleinkunst ist vielleicht teilweise schuld, weil sie gewissen Figuren überhaupt eine Plattform bietet - übrigens ebenso wie Medien. Wenn sie manchen Dingen keinen Platz einräumen würde, wäre es auch kein Thema.

krone.at: Ist die Politik komisch?
Stipsits: Ich bin da immer sehr vorsichtig. Denn wenn ich auf der Bühne stehe und Leuten erzähle, wie's funktioniert, impliziert das ja, dass ich weiß, wie's geht. Ich hab' ja bei dieser Strasser-Affäre so lachen müssen. Ich glaube, die Leute waren deswegen so narrisch, weil er einfach die Möglichkeit hatte, dass er so etwas macht. Ich wüsste nicht, wie viele Leute, die sich jetzt darüber aufregen, es genauso machen würden.
Wolf: Wir wissen ja, dass Korruption auch in anderen Branchen möglich ist. Nur interessiert's dort halt nicht so viele Menschen, wie wenn es jemand in der Öffentlichkeit macht, der eigentlich ein Vorbild sein sollte.

krone.at: Sind dir, Christoph, auch schon einmal ähnliche Geschäfte angeboten worden?
Wolf: Gott sei Dank noch nie. Ich glaube aus meiner Überzeugung heraus, dass ich es nicht machen würde. Als Junger gehst du ja nicht in die Politik, weil du schnelles Geld verdienen oder gar Schmiergeld nehmen willst, sondern weil du wirklich noch etwas ändern willst. Trotzdem ist die Versuchung, sich bestechen zu lassen, wahrscheinlich größer als woanders.

krone.at: Wie viel könnt ihr mit euren Tätigkeiten tatsächlich bewirken?
Wimmer: Ich will die Welt nicht verändern, sondern einfach auf der Bühne sein und Entertainment machen. Ich lass' auch bewusst tagespolitische Themen aus meiner Musik heraus.
Stipsits: Es haben schon viel größere Persönlichkeiten als wir versucht, die Welt zu verändern. Und sind gescheitert. Bob Dylan etwa. Ich glaube, es ist gut, wenn man einen Spagat zwischen Kunst und Kommerz erwischt. Daher finde ich es genauso in Ordnung, wenn jemand, so wie der Oliver sagt, "nur" unterhalten zu wollen. Das ist ja der Hauptgrund. Der Besucher soll ja nicht depressiver rausgehen, als er reingegangen ist. Qualtinger hat einmal einen sehr gescheiten Satz gesagt: "Wenn ich auf einer Bühne Lösungen anbiete, bin ich ja kein Kabarettist, sondern Landeshauptmann." Das trifft's ganz gut. Derjenige, der was mitnehmen will, nimmt sich eh was mit. Außerdem sind 80 Prozent im Publikum ohnehin deiner Meinung. Denen erzählst du ja eh nichts Neues.

krone.at: Ihr seid alle sehr jung und in eurem jeweiligen Genre schon sehr erfolgreich. Welche Eigenschaften - abgesehen von Talent - haben euch dorthin gebracht, wo ihr heute seid?
Stipsits: Wir haben uns wohl schon recht früh mit einer Sache beschäftigt. Ich habe mit 16 Jahren schon schaugespielert. Sicher sind wir am Wochenende auch ausgegangen, aber wir haben halt geprobt und sind dann ausgegangen.

krone.at: Dabei warst du doch auch ein guter Fußballer, nicht?
Stipsits: Theaterspielen und Fußballspielen hat sich überschnitten. Und das Theaterspielen hat mir halt mehr Spaß gemacht.

krone.at: Hast du von deinen Eltern nie gehört: "Lern doch bitte einen ordentlichen Beruf"?
Stipsits: Nie. Sie haben immer gesagt, wenn es mir Spaß macht, dann soll ich es tun.
Wimmer: Bei mir war das ähnlich. Mir hat niemand gesagt, dass ich Musik machen soll. Ich habe einfach damit angefangen, ein Instrument zu lernen. Ich habe mich dann wirklich reingesteigert, habe viel geübt. Natürlich hab' ich auch ein bisschen Glück gehabt, dass ich vom ORF eine kleine Starthilfe bekommen hab' bzw. ins kalte Wasser geworfen wurde. Die vergangenen zwei Jahre waren wirklich sehr intensiv. Aber wichtig ist auch, dass mir die Musik Spaß macht.
Stipsits: Das ist überhaupt das Wichtigste. Sonst hat das keinen Sinn. Auch in der Politik wahrscheinlich.
Wolf: Dort ist das wohl noch viel wichtiger.

krone.at: Wie oft seid ihr mit Neid konfrontiert?
Wolf: Als Politiker ist man wohl öfter mit Neid konfrontiert, weil die Menschen wissen, wie viel man verdient. Die wenigsten wissen aber, was ein Politiker den ganzen Tag über tut. Es ist zwar keine körperliche Arbeit, die ich zu verrichten habe, aber ich muss jeden Tag von 8 Uhr früh bis 23 Uhr einsatzbereit und stets freundlich sein.

krone.at: War früher alles besser?
Wimmer: Ich glaube, das sagen nur alte Leute.
Stipsits: Es kommt schon vor, dass ich höre, dass es im Kabarett-Bereich früher anders war, weil die Leute vor den Kassen Schlange gestanden sind. Aber trotzdem lebt jeder gut davon. Es ist also schon Raunzen auf hohem Niveau. Wenn dieser Satz stimmt, dann müssen wir unser Leben jetzt genießen - weil dann haben wir jetzt die beste Zeit.

krone.at: Im Fußball würde man sagen, die "echten Typen" sterben aus und die Jungen seien zu austauschbar. Lässt das gesellschaftliche System überhaupt zu, dass sich "echte Typen" mit Ecken und Kanten entwickeln. Was würde etwa passieren, wenn Christoph Wolf seinen Chef in der Öffentlichkeit kritisieren würde?
Wimmer: Als Außenstehender glaube ich ohnehin nicht, dass es sinnvoll wäre, Partei-interne Kritik öffentlich zu machen.
Wolf: Natürlich sucht man in solchen Situationen zuerst das Vier-Augen-Gespräche. Aber wenn's mich einmal wirklich anzipft, dann richtet man den jeweiligen Adressaten schon einmal etwas via Medien aus, weil man sonst die Aufmerksamkeit gar nicht bekommt. Ich muss aber ganz ehrlich sagen: Wenn mich der Chef zu sich ins Büro zitiert und mich rügt, glaube ich, dass ich als junger Politiker auch etwas richtig gemacht haben muss. Immerhin habe ich ja Aufmerksamkeit erregt.

krone.at: Oliver, du warst bei Starmania. Wie viel Spielraum hast du bei diesem Casting-Format gehabt, deine Persönlichkeit auszuleben?
Wimmer: Es gab natürlich Regeln, die wir alle im Vorhinein kannten. Aber im Prinzip habe ich schon viel Spielraum gehabt. Alles andere hätte ja auch keinen Sinn gehabt. Und der ORF wird dir auch nicht böse sein, wenn du ein schlechtes Wort verlierst. Die Sendungsmacher nehmen das nicht persönlich, sondern wollen einfach, dass viele Leute zuschauen.

krone.at: Thomas, die Kabarett-Szene macht sich oft lustig über solche Formate. Was hältst du davon?
Stipsits: Es ist ein bisserl ein modernes Gladiatorenspiel. Jede Woche stirbt einer. Eigentlich ist es grausam. Und die Veranstalter bekommen die Teilnehmer recht billig, sie kosten ihnen ja nichts. Das Problem ist, dass die Künstler nach der Teilnehmer ein Leben lang einen Stempel haben, dass sie eben bei Starmania dabei waren. Darüber hinaus ist es schwierig, deine eigenen Ideetört dich dieser Stempel, Oliver?
Wimmer: Ich kann's ja jetzt nicht mehr ändern. Aber ich werde auch nicht verleugnen, dass ich dort dabei war. Fakt ist, dass ich vorher und nachher Musik gemacht habe und ich werde einfach immer weitermachen.

krone.at: Wo seht ihr euch in zehn Jahren?
Wolf: Ich bin vielleicht noch in der Politik.
Stipsits: Vielleicht auf dem Stuhl von Franz Steindl (Landeshauptmann-Stellvertreter, Anm.)?
Wolf: Das ist von so vielen Entscheidungen abhängig. Daher kann man das schlecht voraussagen. Ich hoffe aber, dass ich in den nächsten zehn Jahren schon so viel umgesetzt habe, dass ich zufrieden darauf zurückblicken kann.

krone.at: Kinder?
Wolf: Auf alle Fälle.

krone.at: Oliver?
Wimmer: Privat hab' ich mir noch nichts überlegt. Aber ich werde in zehn Jahren auf jeden Fall noch Musik machen. Und ich werde versuchen, über Grenzen hinauszudenken, ins Ausland zu gehen. Eben alles versuchen, dass ich in zehn Jahren nicht mehr ganz so viel arbeiten muss wie jetzt.
Stipsits: Ich wünsche mir, dass mir mein Schaffen in zehn Jahren noch genauso viel Spaß macht wie jetzt, und dass die Kreativität nicht nachlässt.

von Michael Fally
Fotos: Fritz Schneeberger

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