So, 27. Mai 2018

Millionen erwartet

26.04.2011 10:31

Seligsprechung: Rom rüstet sich für den Pilgeransturm

Die Stadt Rom rüstet sich in Hinblick auf die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. am 1. Mai auf einen Massenansturm von Gläubigen aus der ganzen Welt. Wie im Jubiläumsjahr 2000 und bei dem Begräbnis des polnischen Papstes im April 2005 werden Millionen von Pilgern in der Ewigen Stadt erwartet. Die Gemeinde Rom zeigt sich zwar vorsichtig und rechnet mit einer Million Besuchern, bereitet sich aber auch sorgfältig auf höhere Besucherzahlen vor, da sich am 1. Mai voraussichtlich noch viele Oster-Touristen in der Hauptstadt aufhalten werden.

Da der Petersplatz und die zum Vatikan führende Via della Conciliazione "nur" einige Hunderttausend Menschen fassen können, werden Videoleinwände in den umliegenden Straßen aufgestellt, damit die Gläubigen die von Papst Benedikt XVI. zelebrierte Seligsprechung von dort aus verfolgen können. Eintrittskarten für den Petersplatz sind nicht notwendig. Die Gemeinde Rom warnt vor Betrügern, die unwissenden Gläubigen im Internet Karten für die Seligsprechung zu hohen Preisen anbieten.

In Hotels und Klöstern sind fast alle Zimmer längst ausgebucht. Das Pilgerwerk hat nach eigenen Angaben mit Vertretern des Hotelgewerbes eine Übereinkunft getroffen, dass es keine überhöhten Preise geben soll. Die Fluggesellschaften Air Berlin und Alitalia verdoppeln am Wochenende der Seligsprechung ihre Flugverbindungen nach Rom.

Die Stadt im Zeichen der Massen
Die Stadt Rom hat für das Großereignis ein Budget von 3,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Über 6.000 Freiwillige werden eingesetzt, um den Pilgern Informationen über die Ereignisse zu liefern, die mit der Seligsprechung zusammenhängen. Zusätzlich zu den zehn schon bestehenden Informationspunkten innerhalb der Stadt wurden 25 weitere eingerichtet. Für Informationen hat die Stadt Rom auch die Internetseite www.beatusjp2.comune.roma.it freigeschaltet.

Um den Transport der Pilger zu gewährleisten, fahren römische U-Bahnen und Busse am Wochenende der Seligsprechung außerplanmäßig bis zwei Uhr nachts und nehmen den Verkehr nach einer zweistündigen Pause um vier Uhr früh wieder auf. Für Reisebusse stehen insgesamt gut 5.000 Parkplätze in Rom zur Verfügung. Zur Erfrischung der Gäste sollen rund eine Million Wasserflaschen verteilt werden. Auch wird ein umfangreiches kulturelles Rahmenprogramm in der Ewigen Stadt geboten.

Johannes Paul II. jetzt auch online
Für die Seligsprechung des Papstes setzt der Vatikan auch verstärkt auf neue Technologien. So wurde kürzlich ein Facebook-Profil für Johannes Paul II. eingerichtet. Das Profil bietet Videoclips zu jedem Pontifikatsjahr von 1978 bis 2005 an. Ebenfalls zu sehen sind zusätzliche Kurzfilme mit Informationen über die Seligsprechung. Der Vatikan sucht auch das Gespräch mit Bloggern: Am 2. Mai veranstalten die päpstlichen Räte für soziale Kommunikationsmittel sowie Kultur in Rom eine internationale Konferenz für Nutzer dieser modernen Kommunikationsform.

Für die vatikanischen Finanzen, die drei Jahre in Folge ein Budgetdefizit verzeichneten und von einem starken Rückgang der Kircheneinkünfte geplagt sind, ist der bevorstehende Gläubigeransturm ein Segen. Allein der Verkauf von Souvenirs soll einige Millionen Euro in die Kassen des Vatikan spülen. Anlässlich der Seligsprechung hat die vatikanische Post eine Sonderbriefmarke zu Ehren des 2005 verstorbenen Papstes auf den Markt gebracht.

Papst Johannes Paul II. besuchte Österreich dreimal
Österreich gehört zu jenen Ländern der Welt, die Papst Johannes Paul II. gleich mehrmals besucht hat. Erstmals kam der polnische Papst am 10. September 1983 in Wien an. Zwar hatte zuvor bereits ein Papst der Neuzeit - nämlich Pius VI. (1775-1799) im Jahre 1782 - Österreich besucht, trotzdem galt ein derart "zweckfreier" Pastoralbesuch noch als etwas völlig Neues. Fast genau zwei Jahrhunderte zuvor hatte der Papst nämlich noch deswegen Rom verlassen, um Kaiser Joseph II. von dessen Plänen abzubringen, die Kirche unter staatliche Lenkung zu stellen und zahlreiche Klöster aufzulösen.

Blieb Pius VI. im 18. Jahrhundert mit seinem Ansinnen noch erfolglos, gestaltete sich die dreitägige Visite von Johannes Paul II. als wahrer Triumphzug: Trotz der Kälte und des Regens kamen sensationelle 350.000 Gläubige zur großen Messe im Donaupark, auf dem Heldenplatz versammelten sich 130.000 Menschen für die "Europa-Vesper"; 70.000 Jugendliche waren beim Treffen im Praterstadion dabei.

KZ-Besuch und Kirchenkrise
Bei seiner zweiten Visite widmete sich der Papst vom 23. bis 27. Juni 1988 dem ganzen Land. Mit dem Hubschrauber flog er kreuz und quer durch Österreich und besuchte sechs Bundesländer. Als Zeichen des nahenden Falls des Kommunismus in dieser Zeit kann es wohl gewertet werden, dass an der Messe im burgenländischen Trausdorf bei Eisenstadt, bei dem 80.000 Menschen dabei waren, auch Zehntausende Ungarn und Kroaten teilnahmen. Einer der Höhepunkte war der Besuch im ehemaligen KZ Mauthausen, wo Johannes Paul II. in bewegenden Worten an das Leid der Opfer "eines irrsinnigen Planes" erinnerte.

In ganz anderem Zeichen stand dann der dritte und letzte Besuch von Johannes Paul II. in Österreich von 19. bis 21. Juni 1998. Die Kirche im Land war zu dieser Zeit von heftigen Debatten rund um die Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Erzbischof von Wien, Hans Hermann Groer, und den Streit um den Bischof von St. Pölten, Kurt Krenn, erschüttert. Dementsprechend kühl fiel auch der Empfang für den zu dieser Zeit bereits recht gebrechlichen Papst aus: Auf dem Wiener Heldenplatz versammelten sich zur Papstmesse statt der erwarteten 100.000 bloß 50.000 Menschen.

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