Di, 22. Mai 2018

9,99 Euro für 1 Liter

26.04.2011 08:29

Wucherpreis für Super-Benzin schockt Deutsche

Einen wohl historischen Höchstpreis für einen Liter Super-Benzin hat am Ostermontag eine Tankstelle im deutschen Bundesland Baden-Württemberg ausgerufen. Da nur mehr wenig von dem Kraftstoff vorhanden gewesen sei - so zumindest die offizielle Begründung -, wurden kurzerhand 9,99 Euro fürs Tanken von einem Liter verlangt. Zwei schockierte Kunden riefen die Polizei und weigerten sich zu zahlen. Politik und Autofahrerclubs kritisierten eine von den Mineralölfirmen verschuldete "unnötige Osterpanik".

9,99 Euro für einen Liter Super. Mit dem extrem hohen Preis sollten die Kunden in Filderstadt nahe Stuttgart davon abgehalten werden, das nur noch spärlich vorhandene Super-Benzin zu tanken. An den Zapfsäulen waren zusätzliche Hinweise angebracht, die auf die entstehenden Kosten aufmerksam machten.

Zwei Kunden wurden jedoch erst an der Kassa auf die Preisentwicklung aufmerksam: Eine Frau sollte für 20 Liter Super knapp 200 Euro zahlen, für einen Mann wurden rund 100 Euro für zehn Liter fällig. Beide weigerten sich vorerst, die Rechnung zu begleichen, und riefen im ersten Schock die Polizei. Doch diese konnte auch nicht wirklich helfen: Der Sprit musste erst mal bezahlt werden, die Kunden dürfen jedoch auf eine nachträgliche gütliche Einigung mit der Geschäftsleitung hoffen. Dem Tankwart sei jedenfalls keine Schuld an den hohen Preisen zu geben, meinte ein Polizeisprecher: "Die Preise werden von der Zentrale eingestellt."

"Unnötige Osterpanik" um Spritmangel
Vor dem Wochenende hatte in Deutschland die Meldung für Aufregung gesorgt, dass es über Ostern an einigen Tankstellen zu Versorgungsengpässen rund um logistische Herausforderungen durch die Ablehnung des "Bio-Benzins" E10 kommen könnte (siehe Infobox). "Das war Panikmache von den Mineralölunternehmen", wetterte ADAC-Sprecher Otto Saalmann am Montag. Punktuelle Engpässe an Feiertagen seien normal. "Es ist zwar selten, dass das Benzin ausgeht, aber es kommt immer mal wieder vor." Mit dem Fahrverbot für Lastwagen (in Deutschland dürfen an Feiertagen keine Tanklaser unterwegs sein, Anm.) könne eine Knappheit nicht erklärt werden, meinte der ADAC-Sprecher. "Das gibt es in jedem Jahr zu Ostern."

Rainer Hillgärtner, Sprecher des "Auto Club Europa", meinte, dass "das an den Schwarzmarkt erinnert. Dass Weltkonzerne in einen Versorgungsengpass hineinstolpern wie Betrunkene in einen Dorfteich, ist kaum zu glauben. Dem Grunde nach müsste jetzt die Gewerbeaufsicht von Amts wegen Ermittlungen aufnehmen. Das gilt auch für falsche Preisangaben und Wucherpreise an den Zapfsäulen".

Der deutsche Verkehrsminister Peter Ramsauer kritisierte die Mineralölkonzerne ebenfalls scharf. "Die Osterpanik der Mineralölkonzerne war unnötig", sagte Ramsauer der "Bild"-Zeitung. "Statt die Autofahrer zu verunsichern, sollten sich die Ölmultis lieber um eine ausreichende Versorgung kümmern", fügte der Verkehrsminister hinzu. "Jeder Kaufmann muss schauen, dass er genug Ware hat - auch zu Ostern." Die Mineralölwirtschaft habe "dieselbe Schuldigkeit", rügte Ramsauer.

Das flächendeckende Benzin-Chaos blieb am Osterwochenende jedenfalls aus. Kritisch wurde die Lage für die Autofahrer nur vereinzelt, so zum Beispiel an einer Tankstelle im Hamburger Stadtteil Stellingen: Sie wurde beim Ansturm der Osterurlauber leer getankt. "Es gibt keinen Sprit mehr", sagte ein Mitarbeiter der Esso-Tankstelle in der Koppelstraße am Montag. Dies sei bislang noch nie vorgekommen. "Vor Ostern wurde wohl zu viel getankt."

Ölmultis schieben die Schuld auf E10-Umstellung
Die Ölmultis schieben die Schuld für die Engpässe auf die fehlgeschlagene Umstellung auf das "Bio-Benzin" E10, das von den deutschen Autofahrern aus Sorge um ihre Fahrzeuge weitgehend abgelehnt wurde. Seit Wochen tobt die Diskussion, wer das Debakel zu verantworten hat. Shell-Sprecherin Cornelia Wolber meinte am Montag, logistische Probleme gebe es schon, seit E10 vor sechs Wochen eingeführt wurde. Viele Kunden hätten in dieser Zeit Superplus nachgefragt, dieser Kraftstoff lagere aber mittlerweile in kleineren Tanks. Mancherorts habe es deshalb schon in den vergangenen Wochen zwei bis drei Mal am Tag Nachlieferungen gegeben.

Zum Osterwochenende seien zudem weitere Punkte hinzugekommen, sagte Wolber. Dazu zähle der Osterreiseverkehr, vor allem bei dem schönen Wetter. Tanklastwagen dürfen an Feiertagen nicht fahren. Und: Die Umstellung der Tankstellen "von Winterware auf Sommerware" steht an, die "alte Ware" in den Tanks muss also leerlaufen. Was klingt wie der Saisonwechsel im Mode-Einzelhandel, hat folgenden Hintergrund: E10-"Winterware" mit einem höheren Anteil flüchtiger Substanzen darf regulär zwischen dem 16. November und dem 15. März verkauft werden. Daran schließt sich eine Übergangsfrist bis zum 30. April an. Vom 1. Mai an darf die Branche nur noch die E10-"Sommerware" an den Autofahrer bringen.

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